Stumme, steinerne Zeugnisse des frühen Christentums

Tragende Mittelsäule in der Krypta
Marburg: Ausflug vom Marburger Land nach Fulda | Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in Fulda gibt auch Gelegenheit die kulturgeschichtlichen Stätten der Domstadt kennenzulernen.
Es sind nicht allein die Sehenswürdigkeiten des Fuldaer Barockviertels mit Dom, Orangerie, Paulustor und Residenz, die mich bei einem Stadtbesuch begeistern. Heute führt mich mein Weg zu der auf einer balustradenähnlichen Steinmauer sich erhebenden, geschichtsträchtigen, altehrwürdigen Michaelskirche. Sie gilt als eine der ältesten erhaltenen Baudenkmäler aus der christlichen Frühzeit in Deutschland. Schon in karolingischer Zeit von 820 bis 822 errichtet, zeigt der Rundbau (Rotunde) mit der Krypta eine kreuzförmige Anlage.

Vorbei an einer mit herrlichen Rosenstöcken bewachsenen Mauer betrete ich das schmale Langhaus. Mein Blick fällt sogleich auf den hochstrebenden Turmraum mit Arkadenbögen, die auf abgeschrägte Säulen mit wunderbaren Kapitellen ruhen. Mit den Veränderungen und Anbauten aus romanischer und gotischer Zeit sind, wie ich feststelle, fast alle Kunstrichtungen vertreten.

Eine enge Treppe führt mich hinunter in den kühlen Raum der Krypta, deren Gewölbe von einer kurzen, kräftigen Mittelsäule mit einem ionischen Spiralkapitell getragen wird. Meine Gedanken begründen diese Säule nicht allein in ihrer baulich notwendigen Funktion. Sie deutet für mich ein Christusbild der Frühzeit: Christus, die tragende Kraft für alle Gläubigen; aber auch als ein Symbol der wachsenden Christengemeinden, die sich nur von unten tragen lassen.

Von der Aufsicht werde ich auf einer in der Südwand der Seitenkapelle eingelassenen steinernen Passionstafel hingewiesen. Ein stummes, steinernes Zeichen der Vergangenheit, das mir bei früheren Besuchen verborgen gewesen war. In schlichten Ritztechniken werden die unterschiedlichsten Bilder des Leidensweges Christi von der Geißelung bis zur Kreuzigung mit all den Leidenswerkzeugen dargestellt. Meine Vermutung geht dahin, dass mit den einfachen Zeichnungen den Menschen, die damals weder lesen noch schreiben konnten, so die Passionsgeschichte eindrucksvoll ganz ohne Worte erklärt wurde.
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