Stationen meiner Weltreisen - Isfahan

Blick vom höchsten Minarett der Imam-Moschee auf die beiden vorderen Minarette. Links die Kuppel der Lotfollah-Moschee.
 
Teilansicht vom Minarett
Isfahan (Iran): Meydan | Isfahan ist ein bedeutender Anlaufpunkt an der Seidenstraße. Die Stadt mit mehr als 2 Millionen Einwohnern liegt auf der Hochebene von Iran, über 1570 Meter über dem Meeresspiegel. Die Bedeutung Isfahans kann nicht übertrieben werden.

Die Stadt hatte viele Blütezeiten durchlebt, aber auch schlimme Epochen. Die Mongolen richteten wie fast überall viel Unheil an. Es heißt, dass Timur Leng im Jahr 1388 die Stadt an sich riss und 200.000 Bewohner abschlachten ließ. Die Köpfe sollen Berichten zufolge zu minaretthohen Türmen aufgerichtet worden sein.

Man ist im Iran überall überrascht, wie offen und freundlich die Iraner den Besuchern aus dem Westen gegenüber treten. Man muss wissen, wenn man in ein Land wie dem Iran reist, dass der Staat seit etwa 1900 über viele Jahrzehnte von Engländern und Amerikanern unterdrückt, ausgebeutet und benutzt wurde.

Sofort bekommt man im Iran Kontakt. Oft wird man angesprochen. Die Männer und auch die Frauen, die Englisch sprechen, zeigen ungehindert ihre Wissbegierde dem Fremden gegenüber. Bei uns überhaupt nicht bekannt ist die Tatsache, dass die Bevölkerung im Iran nach dem Terrorangriff 9/11 auf New York tief betroffen war und öffentlich von vielen Iranerinnen Tränen vergossen wurden.

Bei meinen Reisen trenne ich mich gerne von meiner Gruppe, um die Punkte aufzusuchen, die ich mir vorher ausgewählt hatte und um als Einzelner Kontakte zu bekommen.

Dies brachte mir in Isfahan ein besonderes Erlebnis. Bei unserem dreitätigen Aufenthalt in der Stadt wollte ich am ersten Tag das vorhandene gute Fotowetter ausnutzen und Aufnahmen rund um den Meydan-e Imam machen. Dies ist der Hauptplatz der Stadt. Der Meydan ist "Das Abbild der Welt-Platz", 500 m lang und 150 m breit. Am Meydan liegen der Shah-Palast, die Imam-Moschee (Masdjid-e Imam, die große Moschee mit vier Minaretten und einer großen Fayence-Kuppel) und die Lotfollah-Moschee (wurde als Privatmoschee der Königsfamilie benutzt). Auch der alte Bazar beginnt am Meydan.

Das besondere Erlebnis am Meydan

Vom Goldbasar durch enge Gassen kam ich problemlos am Meydan an. Es war Mittagszeit. Fast alle Gruppe waren beim Mittagsmahl - meine Gruppe auch. Ich war fast alleine in der Imam-Moschee und konnte Fotos machen wie ich wollte.

Auf einmal klopfte mir jemand mit einem Finger auf den Rücken. Ich drehte mich um. Es war ein iranischer Arbeiter. Er deutete mit dem Finger nach oben. Mir war sofort klar: er wollte mich hochbringen auf die Empore, die rings um den Meydan führt. Ich stimmte sofort zu.

Nachem er sich vergewissert hatte, dass wir in dem Raum der Moschee alleine waren, öffnete er eine kleine Türe und wir kamen gebückt hinter die Mauern der Moschee. Dort ging es über einige Treppen auf die Empore. Hier saß sein Arbeitskamerad bei einem Tee. Offensichtlich hatten auch sie Mittagspause. Die beiden Arbeiter waren beschäftigt, die Kuppel der großen Moschee neu mit Fayencen einzudecken.

Nach einigen Fotos machte ich den Beiden durch Fingerzeigen nach oben klar, dass ich unbedingt auf eines der vier Minarette hinauf wollte. Denn: mein Ziel überall ist es, die Welt von oben zu betrachten und nach Möglichkeit die Welt von oben aufzunehmen.

Die Beiden berieten sich. Nach kurzem Bedenken machten sie mir klar, dass ein Aufstieg mit einem Zahlungsaufschlag möglich sei. Ich stimmte sofort ein. Und wir stiegen die lange Wendeltreppe des einen Minaretts hinauf. Oben angekommen machte ich umgehend meine Foto- uind Filmaufnahmen. Aber sofort stieß mich der Arbeiter an und zog mich in Deckung.

Als ich seine Handbewegungen sah, ging ich sofort auf die Knie. Denn seine Handbewegungen deuteten zuerst einen langen Bart an und darauf machte seine Hand mehrere waagrechte Bewegungen an der Gurgel entlang. Dies war eindeutig und benötigte keine Übersetzung.

Trotzdem gelangen mir unglaubliche Aufnahmen. Und ich weiß nicht, wer sonst noch als "Fremder" solche Aufnahmen von dort oben schießen konnte.

Nach dem Abstieg tranken wir auf der Empore zusammen noch einen Glasbecher Tee. Und dann ging es zurück den gleichen Weg hinab in die Moschee. Solche ein Ausflug ist eigentlich unbezahlbar - und ich bin glücklich zurück zu meiner Gruppe mehr gelaufen als gegangen. Denn meine (freie) Zeit war eigentlich schon fast vorbei.

Erst im Flugzeug zurück nach Deutschland habe ich von meinem Ausflug auf das Minarett der berühmten Moschee Masdjid-e Imam erzählt.
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5 Kommentare
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 01.06.2016 | 22:06  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 01.06.2016 | 22:55  
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Volker Beilborn aus Marburg | 02.06.2016 | 08:56  
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