Schwabendorf: ein Hugenottendorf Mitten in Hessen

Das Dorfmuseum: "Daniel-Martin-Haus"

Vor über 300 Jahren mußten die Hugenotten aus Frankreich aus religiösen Gründen fliehen, wenn sie nicht sterben wollten.Bis zu 18oo km haben sie hinter sich gelassen , bis sie von Frankreich ins nordhessische Bad Karlshafen kamen. Sie suchten in den protestantischen Ländern Zuflucht.

1687 wurden 116 französische Glaubensflüchtlinge zunächst von der Stadt Rauschenberg aufgenommen. Die Stadt wies ihnen dann, um sie aus der Stadt raus zu halten, einen Siedelplatz "auf der Schwabe" außerhalb der Stadt zu.
Dort legten die neuen Siedler einen Dorf nach dem gewohnten Plan ihrer ehemaligen Heimat an.
Die Anlage erfolgte in 2 Hauptsrassen. Die eine nannten sie die "Winterseite" und die andere die "Sommerseite". Jede Familie erhielt einen Acker in der Größe von 2500m2, ( etwa 125m lang x 20m breit)

Bei meinem Rundgang durch das Dorf traf ich eine Einwohnerin , die mir sehr nett erklärte, was diese beiden Strassen bedeuten. Auf der Sommerseite wurden die Bauern angesiedelt, damit sie beim Anbau Ihrer Getreide und Viehfutter die Sonne nutzen konnten und auf der "Winterseite" wurden die Handwerker angesiedelt, die zum Ausüben ihres Berufes die Sonne nicht unbedingt brauchten. Zwischen den beiden Strassen wurde ein Wassergraben angelegt, der von dem gemeindeeigenen Brunnen mit Wasser versorgt wurde.
Die zuerst erstellten provisorischen Baraquen aus Stroh und Stangen wurden allmählich durch feste Wohnhäuser aus Fachwerk errichtet, die heute noch teilweise sehr schön erhalten sind.
Auf dem Anger wurden später die dörflichen Gemeinschaftsanlagen wie das Brauhaus, die Backhäuser und der Dorfteich -und Brunnen errichtet.

Mit ihrer unbeschwerten Art und ihrer eigenen Kultur haben die neuen Siedler frischen Wind in´s Hessenland gebracht und ganz allmählich wurden sie von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert und anerkannt.
Noch heute erinnern ihre Namen wie Aillaud, Boucsein, Badouin, Fourier, Vincon und Tourte an ihren französichen Ursprung. Sie brachten auch neue Berufe mit, wie zum Beispiel: Strumpf-, Tuch- und Hutmacher.
Das alles war neu für die damalige Landbevölkerung. Oft teilte man ihnen schlechtes Bau- und Ackerland zu, doch sie haben sie angenommen, bearbeitet und gaben nie auf. Und sie blieben standhaft. So sind ihre Nachkommen heute noch immer anzutreffen.
Über 150 Jahre haben sie in Ihrer Muttersprache gesprochen und die Kinder in der Schule unterrichtet. Der erste Schullehrer ,Paul Sechehaye, nachweisbar im Kirchenbuch, hat bereits schon 1690 unterrichtet.Die Geschichte der Schule von Schwabendorf, ist auf dem letzten Bild nachzulesen

Die Geschichte über die Gründung Schwabendorfs mit den Hugenottenfamilien ist im Dorfmuseum "Daniel-Martin-Haus" wunderschön dargestellt.

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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 18.02.2012
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12 Kommentare zum Beitrag
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Peter Schnaare aus Korbach am 10.02.2012 um 18:04 Uhr  
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Friederike Haack aus Marburg am 10.02.2012 um 18:30 Uhr  
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