NOCH EIN VERDAMMTER TAG IM PARADIES
Teneriffa. Harald Körke ist ein Schriftsteller der ganz besonderen Art. Nicht nur weil er als ehemaliger Globetrotter viele Blickwinkel hat. Am eigenen Leibe hat er erlebt hat, wie schnell Illusionen deutscher Auswanderer oft zu fatalen Missverständnissen mit den freiwillig ausgesuchten neuen Nachbarn irgendwo auf der Welt, in diesem Falle auf der schönen Kanareninsel La Palma, führen können.
Suchte der Autor 1971 das alternative Leben außerhalb der mitteleuropäischen Konsumgesellschaft auf der Grünen Insel, so strebten die Insulaner genau in jene Plastikwelt aus der Herr Körke kam. So wurde der alternativ denkende Intellekt von bodenständiger Naivität oft überrumpelt und der Protagonist selbst erscheint dem Leser in einigen Episoden ziemlich orientierungslos.
Das Spannungsfeld zwischen völlig unterschiedlichen „ways of life“ trägt den Leser dieses unterhaltsamen Buches amüsiert bis zur letzten Seite. Es sind nicht nur die kanarischen Nachbarn, die wir nicht verstehen, sondern auch die unterschiedlichsten Typen aus Deutschland, die hier teilweise burleske Rollen übernehmen. Vom spinnerten Architekten über verkrampfte Sekretärinnen bis zum traurigen Alkoholiker geht das unterhaltsame Spektrum. Das Buch aus der Hand zu legen fällt schwer.
Das gesuchte neue Leben des Herrn Körke auf der „Isla Bonita“ endete jedoch tragisch nach der Veröffentlichung dieses Buches. Er gab auf und ging nach Deutschland zurück, nachdem seine kanarischen Nachbarn ihm Haus und Hof angesteckt hatten, weil sie meinten, sie wären in dem Buch nicht so gut weggekommen, wie sie es verdient hätten. Sie haben also auf drastische, fremdenfeindliche Weise genau das bestätigt, was der Autor ganz vorsichtig aber doch sehr realistisch in diesem spannenden Buch schildert.
Fazit eines Lesers: Wer im Paradies wohnt, läuft Gefahr, verrückt zu werden!
Konkursbuchverlag: Claudia Gehrke 1988, ISBN3-88769-032-X
Es ist eben doch ein Unterschied, im Ausland Urlaub zu machen oder dort zu wohnen.
Allerdings, Silvia - nach einem halben Jahr sieht man auch die Schatten.
Und wo viel Sonne ist...
Ich weiß das auch. Hab 7 Monate auf Kreta gelebt und 6 Monate in den USA.
Ich kenne Tenneriffa und Gran Canaria nur als Urlauber und habe persönlich solche Erfahrungen nicht machen müssen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es Kanarier gibt, die Angst ( weniger vor der Flut der Touristen) als vor den Einwanderern haben, die sie im Laufe der Zeit in die Minderheit drängen könnten. Wenn diese Einwanderer den Einheimischlen auch noch wirtschaftlich Konkurrenz machen, kann das in Haß ausarten und Brandstifter aus ihnen machen. - Es gibt nicht nur in Deutschland Fremdenfeindlichkeit. Aus La Palma habe wurde auch anderweitig über Anzeichen von Fremdenhass berichtet.
Hans, du hattest das Buch schon mal empfohlen und ich hatte es mir auch gekauft - ist aber nichts für jemanden, der abends nur eine Seite schafft ... mir fehlte irgendwie der Zusammenhang. Ich hoffe, dass das für einen, der das Buch "in einem Rutsch" liest anders ist!
Liebe Grüße von Edith
Edith, es gibt wohl kaum ein Buch für jemanden, der abends nur eine Seite schafft... Versuche es doch mal kapitelweise, denn die Geschichten sind alle nicht lang - aber amüsant.
Danke für den Tipp, werde es mir nochmal zur Hand nehmen! ... Kurzgeschichten wären bestimmt die beste Lösung für mich! :-)
Liebe Grüße nach Teneriffa von Edith
Leider lese ich solche Bücher gar nicht, sondern interessiere mich mehr für Musik und Musiklegenden. Aber trotzdem ist es interessant über solche Dinge auch etwas zu erfahren.
super lesefutter - es hört sich sehr spannend an.






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