New Horizons ist schnell, die Erde ist schneller – doch Sternschnuppen sind noch schneller! Ein Augenblick für Wünsche

Wann? 12.08.2015 21:30 Uhr

Wo? Burgruine Frauenberg, Marburg DE
Meteor vor dem sich drehenden Westhimmel; Komposit aus 14 Einzelaufnahmen à 20 s (Foto: J. Loske, 2013)
Marburg: Burgruine Frauenberg | Dienstag, 12. August 2015, Frauenberg, ab 21:30 Uhr

Herzliche Einladung bei klarem Wetter auf die Ruine Frauenberg zur Beobachtung der diesjährigen Perseiden!

Die im letzten Monat am Pluto vorbeifliegende Raumsonde „New Horizons“ ist das bis jetzt schnellste Objekt, das Menschen jemals gebaut haben. Mit unglaublichen 14 km/s flog sie an Pluto vorbei und schoss dabei die ersten Fotos, auf denen man Plutos Oberfläche detailliert erkennen und studieren kann. Innerhalb von zwei Sekunden würde die Sonde die Strecke Marburg-Giessen zurücklegen und ist – im astronomischen Vergleich - in etwa halb so schnell, wie die Erde sich um die Sonne bewegt. Doch es gibt auch natürliche Erscheinungen des nächtlichen Himmels, die sich mit Hilfe noch weitaus höherer Geschwindigkeiten erklären lassen – und vielleicht auch den einen oder anderen Wunsch erfüllen können: die kurzzeitig aufleuchtenden Sternschnuppen oder – astronomisch korrekt benannt – die Meteore.

Eine ganze Armada von solchen Erscheinungen wird schon seit über 2000 Jahre regelmäßig im August beobachtet und dokumentiert und regten die Menschen an, ihre Wünsche bei der Sichtung dieser leuchtenden Himmelserscheinung still zu äußern. Auch in Marburg soll dies wieder in der Nacht vom 12. auf den 13. August, also ein Tag vor dem Augustneumond, an der Frauenbergruine geschehen, denn der wohl bekannteste Meteorstrom – die Perseiden – erreicht in dieser Zeit seine höchste Aktivität. Genaugenommen wird das diesjährige Maximum von der Internationalen Meteor-Gesellschaft (www.imo.net) in den Morgenstunden des 13. August erwartet, doch schon in den Nachtstunden auf den 13. August kann man dann mehrere Dutzend Sternschnuppen pro Stunde beobachten, die ihren vermeintlichen Ursprung im Sternbild „Perseus“ haben. Aufgrund dieses Ursprungsortes am Himmel – auch als Radiant bezeichnet – erhielt dieser Strom den Namen „Perseiden“ und ist jährlich zwischen dem 17. Juli und dem 24. August beobachtbar. Im Volksmund sind die Perseiden auch als "Laurentiustränen" bekannt, so benannt nach dem Märtyrer Laurentius, der am 10. August 258 durch Folter zu Tode kam. Zu Beginn des jährlichen Perseidenschauers sind nur vereinzelte Meteore/Sternschnuppen pro Stunde aus der Richtung des Radianten zu sehen, wobei sich ihre Anzahl bis um den 12./13. August deutlich erhöht und danach wieder abnimmt. In der diesjährigen mondlosen Nacht kann man dann auch mit der von der imo vorhergesagten Maximalrate von bis zu 100 beobachtbaren Sternschnuppen pro Stunde rechnen dürfen – also eine gute Gelegenheit, um keine Wünsche unausgesprochen zu lassen.

Die Meteore der Perseiden sind kleine Staubpartikel, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 59 km/s von außen in die Erdatmosphäre eindringen, die sie umgebende Luft ionisieren und sie so zum Leuchten anregt. Dieses Leuchten nehmen wir dann als Sternschnuppe wahr. Zur Zeit der Perseiden dringt somit besonders viel Staub in die Erdatmosphäre ein, bzw. muss die Erde entlang ihrer Bahn eine sehr staubreiche Region durchqueren. Die Herkunft dieses Staubes wurde schon 1866 von dem italienischen Astronomen Giovanni Schiparelli mit dem nur vier Jahre zuvor entdeckten Kometen 109P/Swift-Tuttle erfolgreich in Verbindung gebracht. Dieser kurzperiodische Komet umläuft, auf einer stark elliptischen Bahn, die Sonne. Sein sonnennaher Umkehrpunkt (Perihel) liegt dicht an der Erdbahn und sein sonnenferner Umkehrpunkt (Aphel) liegt sogar noch hinter der Bahn des Kleinplaneten Pluto. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er 133 Jahre und er kreuzte das letzte Mal die Erdbahn im Jahre 1992. Bei solch einer Kreuzung hinterlässt der Komet die Staubpartikelregion, die für die Perseiden verantwortlich ist und jährlich von der Erde zwischen Juli und August „durchpflügt“ wird. Das nächste Mal kreuzt 109P/Swift-Tuttle erst wieder im Jahre 2125 die Erdbahn und bis dahin wird die jährliche Maximalrate der Perseiden kontinuierlich abnehmen.

Neben den Perseiden kann man auch den zweitgrößten Planeten des Sonnensystems, Saturn mit seinen Ringen beobachten. Noch im Sternbild der Waage stehend, kann man ihn in den frühen Nachtstunden auch mit dem Auge beobachten, doch wird seine imposante Gestalt erst mit einem Teleskop ersichtlich. Zur Zeit liegt die Ringebene so, dass der Beobachter diese gut studieren kann. Durch die terminliche Nähe zum Augustneumond, kann man auch einen schönen Blick auf unsere Heimatgalaxie – die Milchstraße - erhalten. Das milchig erscheinende Band erstreckt sich zu Beginn der Nacht von Norden aus über den Himmelszenith nach Süden und rotiert bis in die Morgenstunden am Himmel so, dass es von Osten nach Westen verläuft. Da seid dem 21. Juli die Nächte länger und somit auch wieder dunkler werden, kann man auch gut lichtschwächere Objekte des Nachthimmels, wie Nebel, Galaxien (z. B. Andromedagalaxie) und Sternenhaufen mit dem Teleskop gut beobachten.

Die Mitglieder der Marburger Vereine „Parallaxe und Sternzeit e.V.“, der „Volkssternwarte Marburg e.V.“, sowie Astronomen der Universität Marburg, laden sie am 12. August 2015 ab 21:30 Uhr auf die Ruine Frauenberg ein, um gemeinsam bei gutem Wetter, dieses alljährliche Naturschauspiel zu bestaunen. Mit verschiedenen astronomischen Instrumenten und Beobachtungsmethoden wird Ihnen dieses Ereignis, als auch der nördliche Sommernachthimmel, näher gebracht. Wir freuen uns, Sie dort begrüßen zu dürfen. Bringen Sie sich eine Jacke mit, es kann in dieser Nacht etwas frischer werden. Bei Bedarf leistet auch eine Decke gute Dienste, um im Gras sitzend den Sternenhimmel zu genießen.

Kontakt
www.parallaxe-sternzeit.de
info@parallaxe-sternzeit.de
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.