Hugenotten und Waldenser in Hessen

Hinweisschild am Ortseingang von Frauenberg
 
am Parkplatz ,Zur Burgruine Frauenberg'
Hugenotten und Waldenser sind Ende des 17. Jahrhunderts auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit, aus der Dauphiné in Frankreich und von Piemont in Italien (damals französisch), in alle Welt geflohen. Sie gründeten über 200 Kirchengemeinden, fast 50 Orte bzw. Ortsteile wurden neu gegründet.

Zahlreiche Städte und Dörfer erlebten für die damaligen Verhältnisse eine beachtliche Zunahme.

Der bedeutendste Beitrag der Hugenotten liegt in der Bereicherung des Geistes - und Wirtschaftslebens in den Zufluchtsgebieten.

Sie waren Botschafter der französischen Kultur. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert waren die Nachfahren der Flüchtlinge im deutschen Umfeld aufgegangen.

Etwa 250.000 französisch-reformierte Christen flohen in protestantische Länder. Neben Brandenburg-Preußen, wo ca. 18000 Flüchtlinge ankamen, sind in Hessen ca. 3800 Flüchtlinge angekommen und sesshaft geworden. Zum Beispiel in Bad-Karlshafen, wo sich das Deutsche Hugenotten-Zentrum befindet und in einigen Gemeinden des Landkreises Marburg-Biedenkopf: z. B. in Todenhausen, Schwabendorf, Beltershausen-Frauenberg.

Die Kolonie Frauenberg wurde unter der Fürsprache von dem in Marburg lehrenden Theologieprofessor Thomas Gautier gegründet, der nach der Aufhebung des Edikts von Nantes aus Frankreich ausgewiesen wurde und einen Ruf an die protestantische Philipps – Universität erhielt.

Die Waldenser, die auf dem Frauenberg siedelten, kamen aus den damals unter französicher Herrschaft stehenden piemontesischen Waldensertälern, etwa 70 km westlich von Turin. Sie betrieben Landwirtschaft, Leinenweberei und drei Schankwirtschaften, eine existiert noch heute: Zur Burgruine Frauenberg.

Feierliche Einweihung des Kulturenfernwanderweges

Aus diesem Anlass wurde die Wegschleife Frauenberg an dem über 2000 km langen Europäischen Kulturenfernwanderweg und Hugenotten- und Waldenserpfad in Beltershausen-Frauenberg, in einer Feierstunde eröffnet. Die neue Wegschleife ist 38,5 km lang und verläuft von Gladenbach/Erdhausen über Lohra - Weimar/Lahn - Ebsdorfergrund-Beltershausen-Frauenberg bis nach Marburg.

Nach der offiziellen Eröffnung fand eine gemeinsame Wanderung auf dem markierten Weg nach Marburg statt, an der auch eine Gruppe französischer Jugendlicher aus der Dauphiné teilnahm, die am Frauenberg zu Gast sind.

Geschichtlicher Hintergrund :

1509-1564 Johannes Calvin, französischer Reformator
1559 Erste Nationalsynode der reformierten Christen Frankreichs in Paris
1562-1598 1. - 8. Hugenottenkrieg
23. August 1572 "Bartholomäusnacht" in Paris
13. April 1598 Erlass des Toleranzediktes von Nantes durch den franz. König Heinrich IV.
28. Oktober 1626 Fall der Festung La Rochelle. Verlust des letzten Sicherheitsplatzes der französischen Reformierten
1681 Beginn der Dragonaden, Bekehrung durch Einquartierung
18. Oktober 1685 Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes durch den französischen König Ludwig XIV. und Flucht von 200.000 bis 250.000 Hugenotten in alle Welt
29. Oktober 1685 Aufnahmeedikt von Potsdam durch den Großen Kurfürsten,
neue Heimat in Deutschland

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war zu der Zeit, da die Hugenotten ihre Heimat verließen, kein Zentralstaat wie beispielsweise Frankreich oder England. Im 17. und 18. Jahrhundert war Deutschland ein Konglomerat von über 300 souveränen Herzogtümern, Kurfürstentümern, weiteren weltlichen und geistlichen Fürstentümern, Grafschaften, Stiften und freien Reichsstädten etc.

Die Entscheidung über die Aufnahme von hugenottischen Glaubensflüchtlingen lag nicht in der Hand des katholischen deutschen Kaisers, sondern allein bei den souveränen Fürsten und freien Reichsstädten.

Die Rechtsgrundlage für die Ansiedlung stellten Edikte, Privilegien, Konzessionen oder Kapitularien dar, die von 1554 bis 1732 datiert sind.

Das von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 29. Oktober 1685 (alter Zeitrechnung) unterschriebene Edikt von Potsdam ist das bekannteste Aufnahmeedikt innerhalb Deutschlands.

Dieses Edikt, zu dessen 300. Jubiläum die Deutsche Bundespost sogar eine Briefmarke herausgab, war zweifellos das Privileg mit der größten Folgewirkung hinsichtlich der Anzahl der Zuwanderer.

In vierzehn Artikeln regelte es nicht nur die kirchlich-religiösen, rechtlichen sowie wirtschaftlichen Vergünstigungen für die Réfugiés, sondern gab genaue Anweisungen für die Einreise in seine Länder und die damit verbundenen Unterstützungen.

Freilich war der brandenburgische Kurfürst nicht der erste Souverän, der ein Aufnahmeedikt für die französisch-reformierten Glaubensflüchtlinge erließ. So waren ihm der in Celle regierende Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf Karl von Hessen-Kassel zuvorgekommen.

Längst nicht jeder Träger eines französischen Familiennamens ist automatisch ein Nachkomme von französisch-reformierten Glaubensflüchtlingen. Beispielsweise ist der ehemalige saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine, im Gegensatz zu dem ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten der DDR Lothar de Maizière, kein Hugenottennachkomme.

http://www.hugenotten.de/
http://www.hugenotten-waldenserpfad.eu/
http://www.ebsdorfergrund.de/
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4 Kommentare
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Hans-Rudolf König aus Marburg | 15.08.2014 | 15:02  
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Volker Beilborn aus Marburg | 15.08.2014 | 15:15  
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CHRISTINE Stapf aus Amöneburg | 15.08.2014 | 19:33  
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