Der tragische Tod des Dichters Homer in den Klippen von Ios.

Suidas "Homehros"
 
Suidas "Homehros"

Bearbeitet 4.10. 2011 und 15.11. 2011.

Die beiliegenden Fotos zeigen jeweils zwei Seiten aus dem Lexikon des Suidas in der Ausgabe von Froben, Basel 1544.

Suidas stammte von der Insel Samothrake und wurde dort um 580 nach Christus geboren. Zusammen mit seinem Bruder bezog er vielleicht um 595 die Universität Alexandria/Ägypten und studierte bei Severianus, dem obersten Richter von Alexandria. Sicher hat er eine bedeutende Stellung an dieser Universität erlangt - vielleicht sogar als Bibliotheksdirektor. Die große Bibliothek dieser Stadt, die 45 v.Chr. vollständig verbrannt war, war damals durch Bestände aus Pergamon und anderswoher längst wiederhergestellt und vermutlich größer als vor dem Brand. In der Nachfolge seines Vorbildes, des Lexikographen Hesychios (etwa 420 v.Chr.), schuf er das vermutlich erste Universallexikon der Welt. In diesem finden wir das gesammte Wissen der Antike vereinigt.

Und in diesem findet sich der Artikel "Homehros ho Poiehtehs", den ich abbilde. Wer byzantinisch-kursiv zu lesen versteht, möge sich daran erfreuen.

Suidas scheint davon auszugehen, daß Homer in Smyrna an der jonischen Küste geboren wurde, und zwar 56 Jahre vor der ersten Olympiade, d.h. 404 Jahre nach dem Fall Trojas, also etwa 850 v.Chr.. Seine großen Epen, Ilias und Odyssee, habe er nicht in einem Stück, sondern als einzelne Rhapsodien geschrieben. diese seien dann später erst vom athenischen Diktator Peisistratos zu den großen Epen zusammengefaßt worden. Doch noch andere Werke würden ihm zugeschrieben. Z.B. Amazonia, Batrachomyjomachija (Kampf der Frösche und Mücken), Arachnomachia (Spinnenkampf), etc. Er wird als blind bezwichnet, doch nur in übertragenem Sinne: blind gegenüber schlechten Begierden. Deswegen, so Suidas, werden in seinen Epen auch nur einfache Speisen aufgetragen.

Der Text erzählt die Geschichte seines Todes. Als alter Mann ernährte sich Homer auf Samos, indem er die Kinder vermögender Elterrn unterrichtete. Im Text finden sich seine Reden an eine Hausfrau, deren Kinder er unterrichtete, an Töpfer, die gerade ihren Ofen anfeuern und ihn einen aufgeblasenen Dummschwätzer nennen (Antwort: seht bloß zu, daß euch das Haus nicht abbrennt!) und an Schiffsleute, die ihn nicht nach Chios mitnehmen wollen. Für die Kinder soll er die Batrachomyomachia geschrieben haben.

Auf Samos hielt es ihn nicht - wie gesagt, er wollte schon vorher nach Chios ausweichen - und er bestieg bei nächster Gelegenheit ein Schiff nach der Insel Ios. Auf der Überfahrt aber wurde er ernsthaft krank und in Ios angekommen, mußte er sich am Strand einige Tage hinlegen, da er nicht weiter gehen konnte.Da kamen Fischerskinder zu ihn, die ihn wohl erkannt hatten, und fingen ein Frage- Antwortspiel mit ihm an, das er aber nicht mehr verstand. Einige Zeit später starb er auf der Insel. Die Einwohner setzten ihm auf einer Steilküste einen würdigen Grabstein, auf den sie schrieben: "Hier verbirgt sein heiliges Haupt die Erde, den Schilderer heldischer Menschen, den göttlichen Homehros."

An anderer Stelle ist beim Suidas auch von Homehros die Rede: als von einem gewaltigen Kriegsherrn, der ganz Griechenland mit seinen Heeren in Furcht und schrecken versetzte, bis er vor einer thrakischen Stadt scheiterte, die sich fortan stolz "Homehromastix": Peitsche Homers nannte. vielleicht war es ja der Dichter und er mußte fliehen und sich, wie beschrieben, kärglich als Hauslehrer ernähren. Das würde auch seine Unrast, seine ständigen Aufbrüche selbst in hohem Alter erklären. Aus seinen Epen spricht ja auch eine geradezu intime Kenntnis militärischer Zusammenhänge.

In einer uralten Odysse-Ausgabe (Straßburg 1525) findet sich eine Biographie Homers, die dem "Vater der Geschichte", Herodotos, zugeschrieben wird. Jeder, der einmal Herodotos gelesen hat, sieht sofort, daß diese Zuschreibung falsch ist: der Text ist in attischem Griechisch verfaßt, Herodotos aber schrieb ionisch! Das ganze ist also sicher eine Fälschung. Das Buch enthält aber etliche Hymnen Homers an die Götter, die der Florentiner Ausgabe von Aldus entnommen sind, auch die "Batrachomyjomachija" findet sich dort im Volltext, ich habe oben ein Link dorthin gesetzt. Wie ich gestern feststellte, erwähnt Platon diese Götterhymnen (Hymnoj toijs theojs) am Anfang des letzten Viertels des zehnten Dialogs seiner Politäjaj ausdrücklich. Sie sind also mit großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich von Homer!

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