Burgwaldschüler im Anatomischen Museum der Uni Marburg: 10b sehr interessiert

 

Marburg/Lahn: Marburg | Das kleine, aber sehr feine Anatomische Museum im obersten Stockwerk des Pathologie zwischen der alten Augenklinik und dem Anatomiegebäude in der historischen Altstadt unweit des Bahnhofes war das Ziel einer biologischen Exkursion der Klasse 10b der Burgwald-Realschule.

Die kurz vor ihrem Physikum stehenden Medizinerinnen Ronja Hollstein und Lisa Foltz führten die Realschulabsolventen zusammen mit ihrem Biolehrer Hans-Friedrich Kubat mehrere Stunden lang durch die acht Räume, nachdem die Jugendlichen (Klassenlehrer ist seit drei Jahren Wilfried Ernst) bereits einen eigenen Rundgang durch die gesonderte Ausstellung in den Gängen der Anatomie der Universitätsklinik und die Hörsäle unternommen hatten.

Bereits im frühen 18. Jahrhundert hatten Mediziner der Philipps-Universität Marburg mit dem Aufbau der wissenschaftlichen Sammlung menschlicher und tierischer Präparate begonnen, erst 1920 wurde sie als abgeschlossen betrachtet.

Neben sehr vielen tierischen und menschlichen Skeletten und Schädeln mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern bekamen die Schüler sämtliche inneren Organe der Menschen, Gliedmaßen, Sinnesorgane,
eine große Bogengängesammlung (Gleichgewichtsorgane) des menschlichen Innenohres oder auch Präparationen von Blutgefäßen, Nerven oder Muskeln zu sehen.

Studentin Ronja erklärte, wie sich die Sammlung seit Jahrhunderten entwickelt habe und
welch große Rolle die lange Zeit „von der Kirche verbotenen Präparationen“ für Studenten, angehende Ärzte und die Wissenschaft gespielt hätten.

Gespannt vernahmen die Realschüler die Geschichte rund um eine ausgestellte Frau, das „Marburger Lenchen“, die im späten 19. Jahrhundert in der Universitätsstadt hochschwanger Selbstmord begangen hatte.
Der Sagittalschnitt durch Kopf und Rumpf zeigt Querschnitte der inneren Organe sowie den komplett erhaltenen Fötus.
Es schloss sich der Rundgang durch die spannende Abteilung für Geburtshilfe an.

Heiterkeit rief bei den Abschlussschülern der 10b die Betrachtung des „Langen Anton“ hervor, eines Soldaten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit einer Körperlänge von 2,44 Metern. Er gilt als einer der längsten Menschen, die je in Europa lebten. Er litt vermutlich unter einer Störung der Hypophyse.

Auf großes, nachdenkliches Interesse stießen bei den Burgwaldschülern auch die ausgestellten „Siamesischen Zwillinge“ (Ischiopagus), mehrere Hydrocephalus-Kinder, der von einer Südamerika-Exkursion mitgebrachte Schrumpfkörper eines Indianers oder auch schädel von Flusspferden und Gerippe von Riesenschlangen.
Eine eigene Ausstellung widmet sich dem Wirken des berühmten Anatomen Christian Heinrich Bünger, der von 1810 bis zu seinem Tode 1842 an der Medizinischen Fakultät lehrte, forschte und heilte.

Ein Besichtigungsrundgang durch die Marburger Altstadt rundete eine lehrreiche Exkursion in die schöne Nachbarstadt Marburg ab, wo 2007 das Elisabethjahr begangen und gefeiert wurde.
Vor der Rückreise mir der Bahn traf sich die Klasse 10b zu einem Gruppenbild vor dem
Seitenportal der wunderbaren Elisabethkirche..

Foto: Kubat

Die 10b nach dem Besuch des Anatomischen Museums in der Marburg Altstadt neben dem Westportal der Elisabetkirche

Weiterveröffentlichungen:

Frankenberger Zeitung | Erschienen am 27.03.2010
Waldeckische Landeszeitung | Erschienen am 27.03.2010
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