Alte Marburger Geschichten - Teil 9: Der machtlose Schutzmann am Rudolphsplatz

Blick vom Rudolphsplatz, Standpunkt Schutzpolizist, in Richtung Fronhof (Ansichtskarte, Privatbesitz)
Marburg: Rudolphsplatz | Noch etwa zu Zeiten nach dem 2. Weltkrieg besaß ein Ockershäuser Schäfer eine Schafherde, die jedoch auf den Afföllerwiesen weidete. Um seine Schafherde zu beaufsichtigen, fuhr der Schäfer jeden Tag - sogar meist zweimal am Tag - mit seinen zwei Hunden mit seinem Motorrad von Ockershausen durch die gesamte Innenstadt zum Afföller. Der kürzeste Weg führte ihn über den Rudolphsplatz.

Seine beiden Hunde saßen auf dem Motorrad, einer auf dem Tank, einer auf dem Sozius. Er wurde jedoch von dem Schutzpolizisten, der am Rudolphsplatz den Verkehr regelte, zurückgepfiffen: es sei nicht gestattet, mit Tieren auf dem Motorrad am Straßenverkehr teilzunehmen.

Der Schäfer war nicht dumm und seine Hunde auch nicht. Er dressierte die Tiere so, dass sie etwa in Höhe des Fronhofs auf Pfiff vom Motorrad absprangen und bis zum Luisabad neben dem Motorrad fahrenden Schäfer nebenher liefen. Auf Pfiff sprangen die beiden Hunde dort wieder auf ihre angestammten Plätze. Dem Schupo war dieses Verhalten wohlbekannt, aber er konnte nichts dagegen tun. Denn seine Aufgabe war, den Straßenverkehr am Rudolphsplatz zu regeln - Ampeln gab es zu dieser Zeit in Marburg noch keine einzige.
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Werner Szramka aus Lehrte | 18.06.2016 | 10:23  
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