AFN Frankfurt – eine Legende!

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Seit mehr als 60 Jahren gibt es amerikanische Radiostationen in Deutschland, die in erster Linie für die Unterhaltung und Information der damaligen Besatzungstruppen eingerichtet wurden. Diese AFN Kette (American Forces Network) war für die "Nachkriegsjugend" reiner Kult und hat deren Musikgeschmack und den aller nachfolgenden Generationen erheblich beeinflusst.

Dieser Tage hatte ich Besuch von einem Freund, der genauso verrückt auf Musik ist, wie ich. Und schon surften wir gemeinsam mit einer guten Flasche Rotwein auf unserer Erinnerungswelle zurück in die 50-er und 60-er Jahre. Da fiel mir plötzlich ein, dass ich noch Original-Mitschnitte von Radiosendungen des AFN Frankfurt von damals besitze. Oh Mann, ich hatte diese Aufnahmen seit vielen Jahren nicht mehr gehört, und unsere Begeisterung trug uns hinweg auf eine wunderbare musikalische Zeitreise. Da ich den „Sound“ von damals hier bei „myheimat“ nicht einstellen kann, möchte ich Euch wenigstens ein wenig über unseren damaligen Kultsender erzählen.

Zunächst einmal ein paar geschichtliche Fakten: das American Forces’ Network wurde am 4.Juli 1943 in London für die US-amerikanischen Luft- und Bodentruppen gegründet. Diese Rundfunkversorgung für die amerikanischen GIs wurde dann auch im besetzten Deutschland ausgebaut. Es gab AFN Sender in Bremen, Berlin, Stuttgart, Nürnberg, München, Kaiserslautern und Frankfurt.

Wir Hessen hörten natürlich AFN Frankfurt, dessen Studio sich zunächst in einem beschlagnahmten Haus in der Inckussstrasse 11 befand. Am 1. Oktober 1946 bezog AFN dann das Höchster Schloss, das sich im Laufe der Zeit zu dem bekanntesten und beliebtesten AFN Standort in Deutschland entwickeln sollte. 1963 zog man dann in die Bertramstrasse und die Sendeanlage wurde nördlich von Frankfurt in Oberursel-Weißkirchen errichtet. Wenn wir nach Frankfurt fuhren, grüßten wir „unsere“ Sendemasten von der Autobahn.

AFN war für uns „Kriegskinder“ der beste Botschafter Amerikas, den es nach dem Krieg in Deutschland geben konnte. Dort hörten wir als Alternative zu den öffentlich-rechtlichen deutschen „Rundfunk-Anstalten“ Musik, die uns „umwarf“, die in den Bauch ging, die uns bewusst machte, dass wir lebten und voller Gefühle steckten. AFN eroberte im Handumdrehen unsere Herzen, traf genau unser junges Lebensgefühl durch eine leidenschaftliche und uns total begeisternde Präsentationsform, die wir noch nie in dieser freien und lockeren Art gehört hatten. Durch Sendungen wie „American Music Hall“, „Jim Pewter Show“, „Wolfman Jack Show“, „Stickbuddy Jamboree“, „Golden Record Gallery“, „Music off the Record“, „The Young Sound“, „Teen-Thirty“, „OBG-Show“ und „Pop Chronicles“ wurde unser Musikgeschmack geprägt, denn hier hörten wir nicht die tote Popmusik der Erwachsenen, sondern frechen Jazz, erdigen Blues, melodiöse Country & Western Music und (last not least) den „rotz“-frechen Rock and Roll. AFN war Entertainment pur, so faszinierend, dass wir plötzlich alle Englisch lernen wollten und jährlich bis zu 300.000 Fanbriefe an AFN sandten. Davon konnten deutsche Radiosender nur träumen. Es begann – von unseren Erwachsenen kaum bemerkt – ein jugendlicher Befreiungsschlag, eine Kulturrevolution, die in den späten 60-ern ihren Höhepunkt fand und bis heute anhält.

Seit Mai 2004 gibt es kein AFN Frankfurt mehr. Der Sender heißt jetzt AFN Hessen und wird in den neuen Studios in Wiesbaden produziert. Aus Copyright-Gründen darf ich hier keine Fotos einstellen, deshalb dieser Link:
http://www.offshore-radio.de/HansKnot/images/afn/i...

Abschlussbild: Ein Freitagabend 1959, 19.05h. Das Grundig Tonbandgerät TK15 ist startklar: http://www.radiomuseum.org/dsp_picture.cfm?Image_I...
Das magische grüne Auge des Vorkriegs-Röhrenradios erstrahlt stramm wie immer. Ich drehe den linken Knopf zur Senderwahl auf AFN Frankfurt und…Army Sergeant Chuck Spencer sagt:
„Tonight the American Music Hall presents: TOP SOUNDS OF THE FIFTIES“
und die packende Titelmelodie „Driving Guitars“ der Ventures lässt das alte Röhrenradio wie bei einem Bombenangriff erbeben. Die Eltern flüchten unter heftigem Gezeter (nein, nicht mehr in den Keller!) sondern nur in die Küche. Ja! DAS war’s doch! THANK YOU AFN!

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20 Kommentare zum Beitrag
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg am 03.01.2009 um 15:52 Uhr  
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Willi Hembacher aus Gersthofen am 03.01.2009 um 15:55 Uhr  
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Angelika Huber aus München am 03.01.2009 um 17:48 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 03.01.2009 um 18:01 Uhr  
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Angelika Huber aus München am 03.01.2009 um 18:18 Uhr  
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Beate Sh. aus Garbsen am 03.01.2009 um 18:39 Uhr  
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Wolfram Schwarz aus Hannover-Mitte am 03.01.2009 um 19:36 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 03.01.2009 um 22:39 Uhr  
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Friederike Haack aus Marburg am 03.01.2009 um 23:54 Uhr  
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Willi Preis aus Seeg am 04.01.2009 um 12:03 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 04.01.2009 um 12:13 Uhr  
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Urte Langer aus Olching am 04.01.2009 um 22:38 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 04.01.2009 um 23:07 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 11.01.2009 um 17:14 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 12.08.2009 um 23:44 Uhr  
2.897
Heidi K. aus Schongau am 13.08.2009 um 03:13 Uhr  
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Hans-Rudolf König aus Marburg am 13.08.2009 um 10:32 Uhr  
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