25 Jahre und kein bißchen leise, Polizeichor feiert Jubiläum
Marburg: Lutherische Pfarrkirche St. Marien Marburg | Zugegeben, ein 25jähriges Jubiläum bei einem Chor ist nichts Ungewöhnliches. Chöre können teilweise auf 100 und mehr Jahre zurückblicken. Die Gründungsväter um Polizeidirektor Ludwig Gorol konnten auch nicht nur annähernd einschätzen, welche Entwicklung der Chor nehmen sollte. Der Slogan „Musik verbindet“ zieht sich wie ein roter Faden durch die 25jährige Vereinsgeschichte. Bereits bei der Gründung stand dieser Pate. Bei einem Besuch von Polizeibeamten aus Northampton in Marburg trat damals ein kleiner Chor zur Unterhaltung Gäste auf. Dann kam mit der Gegeneinladung ein Problem. „Bitte bringt den Chor mit“, so stand es in der Einladung. Das war die Geburtsstunde des Polizeichors Marburg. Anfänglich galt es viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Als Pate zeichnete sich besonders der damalige Gisselberger Ortsvorsteher Dieter Elmshäuser aus. Die ersten planmäßigen Proben fanden im Bürgerhaus Gisselberg statt. 1989 ging es auf Vermittlung von Chorleiter Heinz Pontow nach Ungarn. Im Spätherbst glich Ungarn einem Tollhaus. Zu unserer Unterkunft gehörte auch ein Campingplatz. Überall Ostdeutsche, die sich in den Westen absetzen wollten. Das Konzert in der Budapester Elisabethkirche vermittelte ein Gänsehaut-Feeling. Polizisten in der Kirche, nichts ungewöhnliches. Aber Polizisten, die in einer Kirche singen, das war bis dato unvorstellbar. Im Frühjahr 1990 konzertierte der Chor dann in Eisenach. Die dortige Elisabeth-Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch hier ging es uns auch mächtig unter die Haut. „Wir hatten schon immer Polizei in der Kirche, aber noch keine, die zu Ehren Gottes sang!“ so der Pfarrer bei der Eröffnung. Auf Vermittlung von Burkhardt Pontow dann die zweite Station in der ehemaligen DDR war Nordhausen, auch hier traten die „Westpolizisten“ auf. Das nachfolgende Mittagessen des ganzen Chores war ein Erlebnis, „ Planwirtschaft“ pur. Später gingen wir dann mit dem Polizeichor Magdeburg eine Partnerschaft ein. Intensive persönliche Kontakte entwickelnden sich. Als der in der Ukraine lebende Bruder der Magdeburger Chorleiterin Tanja Schemetow dringend eine Herzoperation benötigte standen die „Marburger“ ihr zur Seite. Mit einem Benefitskonzert wurde die Finanzierung der Herzoperation an der Universitätsklinik Marburg sichergestellt. Verschiedene gemeinsame Konzerte folgten.
Den Polizeichor Marburg, mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen, zog es mit seinem neuen Chorleiter Kurt Latzko, auch in die große weite Welt. Prag, Budweis und Prachatice waren die nächsten Stationen, bevor es 1994 es in die USA ging. Höhepunkte waren dort die Konzerte mit deutschstämmigen Chören in und um San Franzisco. Zwei Jahre später dann ein Konzert in der Georg-Gaßmann-Halle. Über 2000 Zuhörer, Elmar Gunsch als Moderator und ein Gastchor aus der Ukraine. Über 4 Stunden Musik, eine Herausforderung nicht nur für die Zuhörer.
Jahre später, in Marburger demonstrierte man gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“, reiste der Chor in die Ukraine. Eine nahezu unglaubliche Gastfreundschaft schlug den Marburgern entgegen. Höhepunkt der Reise war der Auftritt in der Oper. Beim Festakt zur „Befreiung Charkows von der Deutschen Besetzung“ vor mehreren tausend Gästen im Saal sowie einer Live-Übertragung im Fernsehen, wurde nicht zur Stolperfalle. Lang anhaltender Applaus unterstrich die Besonderheit des Moments.
Weitere Auslandreisen folgten -auch immer wieder auch mit Gegenbesuchen verbunden. So konnten Chöre aus Eger (Ungarn) und Bratislava (Slowakei) in Marburg begrüßt werden. Natürlich gab es auch weiterhin Kontakte mit Northampton. Zusammen mit Oberbürgermeister Vaupel besuchte man 2005 Marburgs Partnerstadt. In der Cityhall wirkte der Polizeichor Marburg zusammen mit dem Polizeichor Northampton bei einer Benefizveranstaltung mit. Einen weiteren Auftritt gab es in Stadtallendorfs Partnerstadt St. Ives. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche konnten die Marburger Polizisten überzeugen.
Neben den Auslandsreisen war man natürlich auch „national“ unterwegs., denn auch hier hatte der Wahlspruch „Musik verbindet“ Gültigkeit. Auch die „eigenen“ Konzerte ziehen immer wieder viele Besucher an. Zwischenzeitlich finden die Konzerte in der stets ausverkauften Evangeliumshalle Wehrda statt.
Das bevorstehend Jubiläum wird mit verschiedenen Veranstaltungen begangen. Zunächst findet am 11. Dez. um 10:00 Uhr ein Empfang im Marburger Rathaus statt. Oberbürgermeister Egon Vaupel wird die Laudatio halten. Musikalisch umrahmt wird die Feierstunde durch die Polizeikappelle Limburg.
Am späten Nachmittag findet ein weihnachtliches Singen in der Luth. Pfarrkirche statt. Mitwirkende beim Konzert, das um 18:00 Uhr beginnt, sind neben dem Polizeichor die Gruppen „Kesterburg-Folk“, „Halb Acht“ sowie die Nachwuchspianistinnen Clara Pilgrim und Jenny Li.
Mit einer Weihnachtsfeier im Welcome Hotel werden die Jubiläumsfeierlichkeiten abgeschlossen.
Natürlich soll zu einem solchem Anlass auch ein Ausblick gegeben werden: Höhepunkt im kommenden Jahr ist wieder das Herbstkonzert. Zusammen mit dem Polizeichor Hameln und dem Landes-Polizeiorchester Hessen wird ein anspruchsvolles Programm dargeboten werden.
Natürlich sind wir immer auf der Suche nach „neuen“ Sängern. Der Polizeichor Marburg lebt von der beruflichen Vielfalt. Der Slogan „Bürger und Polizei musizieren“ ist bei uns keine leere Hülse.



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