Wie viel Meinungsfreiheit verträgt Marburg?
Wenn man zur Zeit aufmerksam durch Marburg geht, sieht man vermehrt verschmierte Häuser und Schaukästen, insbesondere an Einrichtungen, die bisher nie von sich Reden gemacht haben. So stellt sich mir die Frage: wieso sind diese Einrichtungen Ziel der Anschläge geworden? Als ich der dort hinterlassenen Internetadresse „noplace.blogsport.de“ folgte, stellte ich fest, dass sich die Angriffe gegen den vom 20.-24 Mai stattfindenden Kongress „6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“, veranstaltet von der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) richten.
Neugierig geworden suchte ich im Internet nach APS und Marburg und fand folgenden Eintrag:
„Am 6. Mai kam es zu einem Eklat im Marburger Stadtparlament. Wie aus der Pressemitteilung der CDU-Fraktion hervorgeht, hat Franz Kahle, Mitglied der Grünen und Bürgermeister im Magistrat der Stadt Marburg, die Vertreter der Erklärung ‚Für Freiheit und Selbstbestimmung‘ Hasspredigern, Brandstiftern und Asozialen gleichgesetzt. In diesem Zusammenhang haben verschiedene Vertreter von Rot-Grün auch die christlichen Organisationen, die den APS-Kongress öffentlich unterstützen, scharf attackiert und versucht in eine fundamentale Ecke zu drängen. Damit setzt die Rot-Grüne Koalition sowie der hauptamtliche Magistrat die zahlreichen christlichen Gemeinden der Stadt Marburg, die ebenfalls den APS-Kongress unterstützen gleich mit Brandstiftern, Asozialen und Hasspredigern.“
Ist damit Herr Dr. Kahle indirekt für diese Schmierereien und Angriffe auf die Meinungs- und Forschungsfreiheit in dieser Stadt und darüber hinaus verantwortlich?
Klar zeigt die Diskussion im Internet, in den studentischen Versammlungen und insbesondere bei den Angriffen auf Eigentum, dass es den Gegnern des Kongresses bis heute nicht um Inhalte geht. Das Ganze ist zu einer Hetzkampagne geworden, auch gegen die Christen in Marburg.
Damit wird diese Diskussion um den Kongress, zu dessen Inhalten man erst mal stehen kann wie man will, immer mehr zu einem Angriff auf unsere Freiheitsrechte.
60 Jahre Grundgesetz und 20 Jahre friedliche Revolution in der ehemaligen DDR sollten uns nicht vergessen lassen, wie fragil unsere Freiheit wirklich ist: die Freiheit der Versammlung, der Meinungsäußerung und der Wissenschaft. Das ist nichts Selbstverständliches, so abwegig das auch klingen mag.
Deshalb sollte sich Bürger_innen von Marburg jetzt fragen, wo sie stehen, solches Vorgehen nicht tolerieren und ihren Mund auftun, wenn Gruppen (egal welcher Couleur) versuchen unsere freiheitlich-demokratischen Grundrechte zu beschneiden oder einseitig für sich ausnutzen. Ich wünsche mir jedenfalls ein Marburg ohne derartige Schmierereien, in dem sich Menschen aller Religionen, ethischen Zugehörigkeiten und sexuellen Orientierungen wohlfühlen können und sich in gegenseitiger Achtung, Respekt und mit Interesse an der Meinung des Anderen begegnen.

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