Fäkalsprache macht sich in der Werbung breit.
Ein bekannter Baumarkbetreiber fällt seit Wochen durch einen Slogan in seinen Werbebeilagen auf, dessen Vokabular unterhalb der Gürtellinie zusammengesucht wurde. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, ob den Werbe-Managern dieses Unternehmens auf der Suche nach einem “geilen Werbespruch“ nicht mehr als dieser Geistesblitz eingefallen ist.
Möglicherweise glauben die Werbestrategen auch herausgefunden zu haben, dass Baumarktkunden nur über einen reduzierten Wortschatz verfügen und man sich mit ihnen am wirkungsvollsten mit ein paar Brocken aus der Fäkalsprache verständigen kann. Und was um alles in der Welt sind Knallerpreise? Falls mit den Knallern die menschlichen Spontangeräusche aus einer bestimmten Körperöffnung gemeint sein sollen, könnte man leicht auf eine eher anrüchige Preisgestaltung in den Werbeheften schließen.
Auf jeden Fall wird es vielen Heimwerkern unheimlich stinken, von den Machern dieses Baumarktes ein derart primitives Niveau unterstellt zu bekommen. Auf diese Angebote kann der mündige Verbraucher gut und gern verzichten – er ist nämlich nicht blöd!
Wie Recht Du hast Karlo. Diese nicht besonders schöne Art von Werbung hat ja schon vor Jahren mit dem Spuch " ICH BIN DOCH NIICHT BLÖD" einer großen Elektromarktkette begonnen. Das fand ich schon immer für die Kunden beleidigend.Im Vergleich zu Deinem Beispeil ist das ja noch "human".
Wie heißt es doch so schön: Ohne Scheiß kein Preis. Finde die Werbung auch nicht sehr originell, auch wenn sie dadurch zum Gesprächsthema wird. Finde den TOOM-Baumarkt in Dillingen trotzdem klasse, vor allem wegen der netten und schnell verfügbaren Beratung, um einiges besser als die Konkurrenz (Bawa) am anderen Ortsende. Ich denke, die Baumärkte beim Namen zu nennen, lüftet kein großes Geheimnis, kurzes Googeln würde die Sache eh klären.
Sprache ist immer auch Ausdruck des Zeitgeistes. Selbst Mozart bediente sich gern der Vulgärsprache, weil sie zu seiner Zeit in Mode war ...
Ja, Axel. Und mehr muss dazu nicht gesagt werden :)
Im Duden findet man: "Scheiß, der; - (derb für unangenehme Sache; Unsinn)..."
Also an sich schon ein völlig normaler Begriff - und "Ohne Scheiß" ist doch ein weit verbreiteter und ganz alltäglicher, umgangssprachlicher Ausdruck.
Wer seine eigene Sprache also tw. als sogenannte Fäkalsprache bezeichnen will, muss das ja nicht benutzen.
Mir ist bei Werbung wichtig, gut und korrekt informiert zu werden. Ob da nun "Ohne Unsinn" oder "Ohne Scheiß" steht, ist mir da scheißegal ;)
Wenn Du ''ördinär" statt "gewöhnlich" benutzt, wirst Du auch verwundert angesehen, Andreas :)
Das Wort Schei... rutscht mir schon ziemlich oft im Privatleben raus. Im Beruf ist das völlig ausgeschlossen. Alle anderen Ausdrücke dieser "Sprache" sind mir zuwider.
Unterhalten sich 2 junge Mütter über dieses Thema. Sagt die eine: "Ich habe meiner achtjährigen Tochter das Wort geil verboten". Besagte Tochter kommt um die Ecke und ruft ihrer Mutter zu: "Ich muss mal kackern". "Der zweijährige", sagt die andere Mutter, "spricht noch nicht. Der spielt immer nur mit den Familienhunden und ist total sprachfaul". Kommt die Achtjährige wieder und nimmt dem Zweijährigen das interessante Spielzeug aus der Hand. Schreit der Kleine: "Scheiße, aus, aus, Scheiße, aus, aus" ...
> "Wenn Du ''ördinär" statt "gewöhnlich" benutzt, wirst Du auch verwundert angesehen"
Ja, bei dem eher ungewöhnlichen "ördinär" würde ich auch blöd gucken ;)
Da möchte man die Werbeblätter wieder umdrehen, wie früher die >Schulschwestern, damit die Kinder die Werbung nicht sehen und zum Vorbild nehmen
Carlos, Deine Ironie ist herrlich, denn an ihrer Sprache könnt ihr sie erkennen!
Deutsche regen sich ja sooo gerne über die Engländer und ihr Four letter word "f..." auf. Da kann ich nur sagen: "Kehrt erst 'mal vor der eigenen Tür!" (siehe oben)
Erstaunlich, dass Spanier es nicht nötig haben, sich derart herab zu lassen:
sind eben stolze Spanier, die sich nicht selbst erniedrigen!
Der komplette Wortschatz der Jugend ist schon lange völlig den Bach runter.
> "Der komplette Wortschatz der Jugend ist schon lange völlig den Bach runter"
Du meinst, man sollte sie nicht in den Duden gucken lassen?! ;)
Auch wenn uns das Wort "Scheiße" umgangssprachlich gelegentlich aus dem Mund rutscht, würde ich dennoch zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort unterscheiden. Auch wenn in der Werbung ein flotter Spruch die nötige Aufmerksamkeit für die hoffentlich korrekte Information schaffen soll, glaube ich, dass ein origineller und Intelligenter Slogan länger in den Köpfen der Menschen bleibt, als einach nur ordinärer Scheiß.
Wie Axel schon weiter oben bemerkte orientiert sich die Wirtschaft und der Markt an der Stimmungslage des Konsumenten. "Geiz ist geil", "Ich bin doch nicht blöd" und wie die Sprüche alle heissen - sie füllen letzten Endes die Kasse und das ist der zweckorientierte Sinn dieser Kanpagnen. Und möge noch so am Verstand der McDonalds-Kunden gezweifelt werden, sie existieren ganz real. Wer am Rad der Zeit mitdrehen will, muss mit dieser Zeit gehen oder mit den "alten Werten" als Robinson auf der Insel leben. Die Erkenntnis, dass nicht alles so ganz richtig war, wird auch bei dieser Jugend folgen, wenn Sie dann Bänker, Ingenieure und Doktoren sind.
> "Auch wenn in der Werbung ein flotter Spruch die nötige Aufmerksamkeit für die hoffentlich korrekte Information schaffen soll, glaube ich, dass ein origineller und Intelligenter Slogan länger in den Köpfen der Menschen bleibt, als einach nur ordinärer Scheiß."
"Ohne Scheiß" kommt sicher besser an, als "Ohne Betrugsabsichten" - und damit ist ja das Ziel dann erreicht, mit einem intelligenten, orginellen Slogan den Konsumenten zu schnappen ;)
Du musst das aus Sicht der Wirtschaft sehen - die haben andere Prioritäten als du ;)
>Du musst das aus Sicht der Wirtschaft sehen - die haben andere Prioritäten als du<
Woher meinst Du meine Prioritäten zu kennen?
Nur, DIE Sicht der Wirtschaft gibt es nicht. Es gibt individuelle Sichtweisen der jeweiligen Akteure. Welche mehr oder weniger richtig lagen, entscheiden am Ende des Tages diejenigen, die die Kassen füllen sollen. Um sie sollte man sich mehr kümmern, als nur ihr Vokabular nachzuplappern.
Befragt man zum Beispiel die Kunden von Baumärkten, die sich heute aus allen gesellschaftlichen Schichten rekrutieren, so wird man schnell feststellen, dass sie sich selbst allesamt ganz anders sehen - sogar die, die umgangssprachlich das angesprochene Vokabular verwenden. Sie erwarten mehr als ein paar dumme Sprüche aus der unteren Schublade.
Dass Werbeblättchen, wie das oben gezeigte, dennoch ihr Ziel erreichen, liegt weniger am "Scheiß- Spruch", sondern vielmehr an der Attraktivität der beworbenen Produkte und ihren "Knallerpreisen".
Wer am Rad der Zeit erfolgreich mitdrehen will, schaut nicht nur dem Volk aufs Maul, sondern - das ist zwar etwas aufwändiger - ein wenig in seine Kassenfüller hinein, um zu erfahren, wie sie ticken. Nur so kommen intelligente und überaus erfolgreiche Kampagnen wie "Geiz ist geil" zustande. Sie zeigen ohne Scheiß, dass vermeintlich alte Werte nach wie vor Bestand haben - der Klang mag sich nur etwas verändert haben, das ist halt der Gang der Zeit.
Franz, Du hast es auf den Punkt gebracht: bevor ich mich gemein mache, möchte ich mit den "alten Werten" als Robinson auf der Insel leben. Ich bin glücklich und froh, dass meine Kinder nicht in Deutschland aufwuchsen, denn das hat zur Folge, dass alle (deutschen!) Touristen meine Kinder und ihre Höflichkeit bewundern und schätzen.
> "Woher meinst Du meine Prioritäten zu kennen?"
Aus dem Artikel.
> "Nur, DIE Sicht der Wirtschaft gibt es nicht"
Prioritäten! Nicht Sicht.
Zwei sind Kostenreduzierung und Profitmaximierung.
> "Nur so kommen intelligente und überaus erfolgreiche Kampagnen wie "Geiz ist geil" zustande. Sie zeigen ohne Scheiß, dass vermeintlich alte Werte nach wie vor Bestand haben"
Wo siehst du denn da alte Werte? Billigen Ramsch zu kaufen, weil man geizig ist und Geiz geil ist, ist ein alter Wert?!? *staun* ;)
Eine im Preis reduzierte teure Waschmaschine, bei der Du zig Euro sparen kannst, ist in deinen Augen also billiger Ramsch? Menschen, die nach den von Dir selbst genannten einfachsten ökonomischen Prinzipien handeln, indem sie günstig einkaufen, um den finanziellen Spielraum für ihre paar Kröten zu maximieren, leiden demnach unter Werteverlust? Wirklich ein interessanter Aspekt:-)))
Dabei ging es doch nur um die Frage, ob menschliche Ausscheidungen nun wirklich die ultima Ratio zeitgeistiger Werbetexte sind.
Hier zeigt sich halt, dass die Werte sich eben nicht geändert haben - das will das Plakat ja gerade zum Ausdruck bringen. Die Angebote auf dem Plakat sind gut und es wird kein Blafasel darum herum gemacht. Es sind einfach ohne Scheiss gute Angebote. Das sagt die Werbebotschaft und benutzt dafür die - siehe Axels Kommentar weiter oben "Vulgärsprache, weil sie zur Zeit in Mode war ..."
> "Eine im Preis reduzierte teure Waschmaschine, bei der Du zig Euro sparen kannst, ist in deinen Augen also billiger Ramsch?"
Die haben nichts zu verschenken - also war schon der vorherige Preis nicht angemessen (wenn er nicht eh vor der Reduzierung passend erhöht wurde ;))
> "Menschen, die nach den von Dir selbst genannten einfachsten ökonomischen Prinzipien handeln, indem sie günstig einkaufen, um den finanziellen Spielraum für ihre paar Kröten zu maximieren, leiden demnach unter Werteverlust?"
Nö, ich sagte nichts von Verlust, sondern hinterfragte deine Aussage bezüglich der alten Werte, die angeblich hinter der besagten Kampagne stecken ;)
> "Dabei ging es doch nur um die Frage, ob menschliche Ausscheidungen nun wirklich die ultima Ratio zeitgeistiger Werbetexte sind"
Es ist ein umgangssprachliches Synonym: "Ohne Scheiss" = "Ohne Unsinn / Betrugsabsicht / u.ä."
Und es wird die Zielgruppe schon erreichen. Denn wenn nicht haben sich Werbefirme und Werbung eh erledigt ;)
Ausserdem ist mir das wirklich scheißegal ;) Sprache ist bunt - warum soll man sich über manche Begriffe dann aufregen?
Ausserdem finde ich manche Sachen, wie z.B. Mord, Totschlag, Falschparken u.ä., viel schlimmer, als das Benutzen von Worten ;)
Ich kann ja nicht sagen, "Andreas, mach' kein' Scheiss", weil das rein physisch einfach nicht hinhaut, Alter :)
Ihr kennt doch den neuen "modernen" Satzbau: Subjekt, Prädikat, Beleidigung, Alter! ;)
Ich verbreite meinen Namen ungern im Internet... Online -Datenschutz ist ja eher heikel, weiß das Medienkind :)
> "Ich verbreite meinen Namen ungern im Internet... Online -Datenschutz ist ja eher heikel, weiß das Medienkind"
Gesunde Einstellung ;)
Der Handel umwirbt mit der Fäkalsprache die Generation der Erwachsenen, die jetzt den Baumarkt wegen Heirat und der damit verbundenen Wohnungsbeschaffung entdeckt.
Unsere Jugendlichen sind sprachlich inzwischen schon weiter. Diese Gruppe hat zwischenzeitlich gleich mal eine eigene Sprache entwickelt. Hier ein paar Beispiele:
Schnitzelhusten = Schweinegrippe,
Nippelwetter = nass-kaltes Wetter,
Klappkaribik = Sonnenbank,
Arschfax =Unterhosenetikett,
flateradlabern = quasseln
und
Abwrackprämie = Rente.
Wir sollten uns also nicht wundern, wenn in ein paar Jahren diese Generation zur Zielgruppe der Werbung geworden ist, dann deren Deutsch auch in der Werbung zu hören oder lesen ist.
Da werden wir noch viel zu lachen kriegen, wenn die Generation Doof an die Kettensägen drängt: Jappadajajippijippijeeeh!!!
Wer sich so für die Pflege unserer Sprachen einsetzt, wie Du, Karl-Heinz, verdient einen Orden.
Die Sprache ist ja immer gewissen Wandlungen unterworfen. Aber die Deutschen neigen - mal ganz abgesehen von der Fäkalsprache - scheinbar besonders dazu, dieser Wandlung freien Lauf zu lassen. Es müssen wohl Minderwertigkeitskkomplexe sein, die uns veranlassen, Worte aus den Sprachen der Mächtigeren oder der Sieger zu übernehmen. - Im Mittelalter wurden die Namen lateinisiert und die Priester meinten, sie würden mehr Eindruck machen, wenn sie mit ihren Schäfchen lateinisch sprechen, auch wenn die wahrscheinlich kaum etwas davon verstanden haben. - Z.Zt. Napoleons und auch schon früher, haben wir den Franzosen nachgeäfft und Teile von deren Sprache übernommen. Und jetzt werden wir mit "Denglisch" (!) überflutet, dass man nicht glauben kann, dass man sich in Deutschland befindet. Viele Minderwertigkeitsgeschädigte glauben, sie würden in ihrem Ansehen bei ihren Mitbürgern aufsteigen, wenn sie möglichst viele englische Worte um sich werfen; auch wenn dafür nicht die geringste sachliche Notwendigkeit besteht.
Bei mir zeigt das keine Wirkung, eher Mitleid.
Und wer gar nichts, da oben vorzuweisen und bei dem ein Gehirnschlag ein Schlag in`s Leer ist, der macht mit der Fäkalsprache auf sich aufmerksam. Dass uns im Alltag bei entsprechendem Ärger ein solcher Ausdruck gelegentlich über die Lippen geht, ist zwar auch unschön, sollte aber kein Grund zur Aufregung sein.
Wenn man aber Fäkalsprache in das offizielle Schriftdeutsch übernimmt, geht das zu weit.
Wir sollten - da wo es möglich ist - solche Werbung pp. boykottieren, was leider in größerem Umfang nicht immer möglich ist. Aber das würde gegebenen-falls Wirkung zeigen.






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