Deutschland geht es gut?

  Marburg, Ende November 2013

Diesem Beitrag liegt der Wochenbrief von Joachim Jahnke zugrunde. Der Beitrag soll den Wochenbrief von Joachim Jahnke bekannter machen. Er liefert Woche für Woche - in aller Regel - präzise Informationen rund um die Themen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Fünf tiefe Risse in der deutschen Soziallandschaft


Es gibt viele Risse durch die deutsche Soziallandschaft. Besonders fünf davon verstärken sich ständig. Erstens trennen sie Menschen mit primärem Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen von denen mit Arbeitseinkommen, zweitens innerhalb der Menschen mit Arbeitseinkommen die in den höheren Leistungsgruppen von denen in den niedrigeren sowie Frauen von den Männern, drittens Menschen mit eigenem Einkommen von den auf Sozialhilfe und Hartz-4 Angewiesenen, viertens Rentner von Menschen mit Arbeitseinkommen und schließlich die ausreichend Gebildeten von denen mit niedriger Bildung. In dem Maße, wie die Gräben mit dem Abbau der Sozialen Marktwirtschaft tiefer werden, verdunkelt sich Deutschlands Zukunft.

1. Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen gegen Arbeitseinkommen

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen haben (BIP-inflatorbereinigt) seit dem Jahr 2000 um mehr als 38 % zugelegt. Dagegen pendeln die Nettolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer (verbraucherpreisbereinigt) immer noch bei minus 0,3 gegenüber dem Jahr 2000 (Abb. 14849).

Hier sind zudem noch die Einkommen der besser- und bestverdienenden Arbeitnehmer bis zum Chef der Deutschen Bank inbegriffen (siehe nächster Riss). Die Normaleinkommen durchschnittlicher Arbeitnehmer dürften sich noch weit schlechter entwickelt haben.

2. Arbeitseinkommen in den höheren Leistungsgruppen gegen die in den niedrigeren sowie die der Frauen gegen die der Männer

Der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Nominallohnindex spiegelt die Veränderung der Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wider. Diese Entwicklung war sehr unterschiedlich je nach Leistungsgruppen.

Während sich für die leitenden Angestellten ein realer Anstieg um 1,3 % ergab, war es für normale Fachkräfte ein Abstieg um 0,8 %. Über den gesamten Zeitraum seit 1. Quartal 2007 konnten die leitenden Angestellten real bereits um fast 9 % zulegen, während es für Fachkräfte nur 1,2 % waren und für angelernte Arbeitnehmer sogar ein Abstieg um 0,9 % (Abb. 10002, 17821). In den deutschen Medien wird dieser Riß durch die deutsche Soziallandschaft weitgehend verschwiegen

3. Menschen mit eigenem Einkommen gegen die auf Sozialhilfe und Hartz-4 Angewiesenen

Deutschland hat zwar derzeit einen vergleichsweise niedrigen Anteil an Arbeitslosen insgesamt, jedoch im internationalen Vergleich unter vergleichbaren Ländern mit rund 46 % einen der höchsten Anteile an Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen, in der Tat den höchsten, wenn man von den Eurokrisenländern Portugal, Italien, Griechenland und Irland absieht (Abb. 13479).

Die soziale Absicherung von Langzeitarbeitslosen nach Niedrigeinkommen fällt in Deutschland mit durchschnittlich 48 % des letzten Arbeitseinkommens besonders niedrig aus (Abb. 15160).

4. Rentner gegen Menschen mit Arbeitseinkommen

Durch die berüchtigte Rentenformel der Rürup-Kommission in der rot-grünen Koalition unter der Agenda 2000 ist das Brutto-Rentenniveau gemessen am letzten durchschnittlichen Arbeitsentgelt immer weiter abgesunken. Lag es anfangs der 80er Jahre noch bei 58 % und 2012 noch bei 50 %, so soll es bis 2030 noch auf 43 % absinken (Abb. 17862). Die auf ihre Sozialrente Angewiesenen haben gegenüber den Menschen mit Arbeitseinkommen immer mehr das Nachsehen. Auch hier sind besonders Frauen die Leidtragenden.

5. Ausreichend Gebildete gegen Menschen mit niedriger Bildung

Unter allen westlichen Ländern produziert Deutschlands Bildungssystem mehr Absteiger als Aufsteiger (Abb. 15954).

In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande: Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielten durchschnittlich 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindestens ein Elternteil einen (Fach-)Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief vorweisen konnte.

Nur in den USA ist dieser Abstand noch größer (Abb. 17890). Da also Eltern mit wenig Bildung in Deutschland durchschnittlich oft auch Kinder mit wenig Bildung produzieren, verstärkt sich auch dieser Riss durch die deutsche Soziallandschaft, demgegenüber das deutsche Schulsystem ziemlich ohnmächtig ist.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 29.11.2013 | 00:18  
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