WELTREISE 2013 - TEIL 30: “I LEFT MY HEART IN SAN FRANCISCO” (TONY BENNETT)

Unter der Golden Gate Bridge (links Sausalito)
 
Rückblick : die kalifornische Küste mit der schneebedeckten Sierra östlich von L.A.
Zum Einstimmen: http://www.youtube.com/watch?v=b9ZkMUv3_5U
Nachdem wir früh morgens den Hafen von L.A. verlassen haben, dampfen wir zwischen der kalifornischen Küste und den vorgelagerten Inseln Avalon, Santa Catalina, Santa Cruz, Santa Rosa und San Miguel nordwärts. Die Dünung wird heftig, als wir aus dem Schutz der Inseln heraus kommen. Doch das Schiff hat gute Stabilisatoren, die unseren „Sensibelchen“ an Bord zu Gute kommen.

Am nächsten Morgen kommen schon bei Sonnenaufgang viele Passagiere an Deck, um die sensationelle Passage unter der “Golden Gate Bridge” hindurch in eine der schönsten Buchten der Welt, der San Francisco Bay, zu genießen. Wir haben Glück: kein Nebel, strahlende Sonne und ruhige See. Wieder stelle ich fest, dass es keine bessere, ja fast zärtliche Möglichkeit gibt, sich einer Stadt zu nähern, als mit einem bedächtig dahin ziehenden weißen Traumschiff. Alle Sinne sind wach und nehmen dieses Erlebnis unauslöschlich auf. Selbst die ewigen Anstreicher auf der Brücke jubeln, pfeifen und klatschen uns begeistert zu, als wir mit halber Fahrt fast lautlos unter der Brücke hindurch gleiten, hinein in die „Bay“, in deren Mitte die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz liegt.

Das Schiff macht am Pier 34 fest. Zu viert fahren wir (ohne Blumen im Haar) mit einem Taxi auf den „Telegraph Hill“, um von dort die Aussicht auf „Downtown“ und die Bucht mit den beiden Brücken „Golden Gate“ und „Bay Bridge“ zu genießen. Dann schlendern wir bei strahlendem Sonnenschein aber kühlen Februar-Temperaturen hinab in die City. In Chinatown machen wir Mittagspause und rumpeln anschließend mit dem antiken aber liebenswerten „Cable-Car“ durch die Hauptstrassen der City.

Beim „Café Latte“ auf dem „Market Square“ kommt mir dann die unglaubliche und tragische Wild-West-Geschichte von dem Schweizer Abenteurer Johann August Suter in den Sinn, dem eigentlich noch heute die gesamte Bay-Aera einschließlich der Städte Sacramento, Oakland und San Francisco gehört. Diese wahre Geschichte wird bis heute bewusst tot geschwiegen. Besonders in den USA will sie keiner hören, was wohl verständlich ist.

Suter hatte im Jahre 1840, als San Francisco noch ein unbedeutendes mexikanisches Fischerdorf war, das rieisge Gebiet von „Yerba Buena“ (gutes Gras) erworben, um in seinem neu gegründeten „Neu-Helvetien“ erfolgreich europäisches Obst zu züchten. Nach dem gewonnenen Krieg gegen Mexiko rissen die Vereinigten Staaten sowohl Kalifornien als auch Texas an sich.

Beim Bau einer Sägemühle auf Suters riesiger Finca fanden im Januar 1848 Arbeiter sehr viel Gold im Sand der Baugrube, und Suter wurde von einem Moment auf den anderen zum reichsten Mann der Welt. Doch er und seine Familie wurden vom anschließend ausbrechenden weltweiten Goldrausch überrannt. Seine Rechte und sein Eigentum wurden von dem herbei strömenden Pöbel ignoriert und ausgeraubt. Das Oberste Gericht der USA bestätigte alle seine Besitzrechte und sprach ihm Entschädigungen zu. Das gierige Abenteurer-Pack ermordete jedoch seine Familie und trieb ihn rücksichtslos in die Armut. Als Bettler trat er schließlich völlig verzweifelt seine Ansprüche an die Gemeindeverwaltung ab, die ihm eine lächerliche Fantasie-Uniform verpasste, und ihn anschließend von einem Beamten zum anderen weiter reichte. Man ließ den Unbequemen jahrelang warten und machte ihn lächerlich wo er ging und stand. Schließlich starb der verzweifelte Suter am Nachmittag des 17. Juli 1880, auf den Stufen des Kongresspalastes ohne Erben und Hoffnung.

1906 wurde San Francisco von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 heimgesucht und mehr als 3000 Menschen fanden den Tod. Besonders durch die während und nach dem Beben ausbrechenden Feuersbrünste wurde der größte Teil der Stadt zerstört und neu aufgebaut.

Das heutige San Francisco dagegen ist eine der entspannten Wohlfühlstädte der Welt.
Hier ist der Kontinent zu Ende. Westwärts gibt es nur noch viel Wasser bis Japan. Hektik wäre also völlig unangebracht. Während man in New York mit seinen gläsernen Gebäudeschluchten und hektischen Geschäftsleuten das Gefühl hat, ständig atemlos unter Starkstrom zu stehen, wirkt die fast mediterrane Atmosphäre San Franciscos beruhigend und entspannend auf den Besucher.

Jack Kerouac („On the Road“), die Beatnik- und Folk-Szene der 50-er, Flower-Power und Hippies der 60-er liegen weit zurück, haben aber immer noch spürbare atmosphärische Spuren hinterlassen. Eben eine perfekte Stadt zum „Chillen“ mit einer traumhaften Umgebung, die heute jedoch nicht auf unserer Agenda steht. In gut einer Woche werden wir noch einmal die „City by the Bay“ anlaufen. Dann werden wir uns die kalifornische Traumküste südlich der „Bay“ erfahren. Doch jetzt packen wir erst einmal die Winterkleidung aus, denn unser angelegter Kurs heißt Nord.

Fortsetzung folgt.

Siehe auch: http://www.myheimat.de/marburg/freizeit/weltreise-...

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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.11.2013 | 08:41  
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Silvia B. aus Neusäß | 18.11.2013 | 12:03  
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