OSTWÄRTS UM DIE GANZE WELT: TEIL 26 - DIE STADT, DIE NIEMALS SCHLÄFT: “THE BIG APPLE”

Abendstimmung auf dem Hudson
 
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Noch sind die Häupter Manhattans verhüllt

New York City ist immer für eine Überraschung gut. Tatsächlich gestaltet sich unsere Ankunft anders als erwartet. Ein starkes Tief mit viel Regen hat die Ostküste der USA vor uns herziehend gründlich gewaschen. Zurück geblieben ist ein dicker Nebel, wie wir ihn schon im Mississippi Delta kennen gelernt hatten.

Wieder werden wir früh vom Nebelhorn der „Amadea“ geweckt, die langsam an Long Island vorbei in die Hudson-Bucht gleitet. Die Sicht ist schlecht und lässt uns bangen, dass wir die Freiheitsstatue an Backbord nicht sehen und fotografieren können. Doch je weiter wir in die Bucht gleiten, desto dünner wird der Nebel. Dann, ganz plötzlich, schält sich die „Liberty“ aus dem Dunst und die Fotoapparate an Deck klicken heftig. Dann taucht auf Steuerbord voraus die Südspitze von Manhattan auf. Staten Island auf Backbord ist noch nicht zu sehen. Macht nichts, denn alle Passagiere blicken sowieso nach Steuerbord. Denn da liegt Manhattan, wo die Spitzen der Wolkenkratzer noch im Nebel stecken, der sich langsam erhebt.

Jetzt taucht vor uns das Intrepid Sea-Air-Space Freiluft-Museum mit seiner Original „Concorde“ auf, und schon macht unser Schiff am nächsten Pier auf Höhe der 48. Straße fest. New York, die europäischste Stadt der USA, die Hauptstadt der Welt, erwartet uns. Es macht noch keinen Sinn, die Aussichtsterrasse auf dem Rockefeller Centre zu besuchen, da diese noch im Nebel steckt. Wir pilgern deshalb zunächst 35 Blocks Richtung „Uptown“, schlendern dort durch den „Central Park“ und verbeugen uns vor dem „Dakota“-Haus, in dem John Lennon lebte und vor dem er erschossen wurde. Er lebte den Rock and Roll:
„live fast – die young!“

Die Aussicht gen Himmel wird immer heller, und wir bummeln bis zum Rockefeller Centre, fahren jedoch noch nicht hinauf. Statt dessen sehen wir „Carnegie Hall“, „Radio City“, „Museum of Modern Art“, das „Chrysler Building“, „St. Patrick’s Cathedral“, „UNO“, „Waldorf Astoria“, den „Times Square“ und „Morgan Library & Museum“. Schließlich betreten wir die aus vielen Hollywood Filmen bekannte Halle des „Great Central Terminal“. Mit der Stadtkarte in der Hand werden wir immer wieder von freundlichen New Yorkern angesprochen, die uns gerne den Weg weisen wollen. Doch wir kommen wunderbar zurecht, denn die Orientierung auf dem Schachbrett dieser City ist sehr einfach.

Es ist schon früher Nachmittag als wir das „Empire State Building“ erreichen. Wir betreten die wunderschöne Empfangshalle aus echtem Lahn-Marmor und stellen uns in der Menschenschlange zum Lift an. Als wir die Aussichtsplattform betreten, zerreißen die letzten Nebelfetzen und die Sonne kommt heraus. Dieser Ausblick in die Straßenschluchten ist immer wieder atemberaubend schön. Doch der Hunger quält uns hinab ins Getümmel und in einen „Fast-Food-Laden“ mangels Restaurants hier in Midtown. Unglaublich, wie viel Müll hier für die Verpackung von Müll benutzt wird. Alles ist Wegwerfware. Für Männlein und Weiblein gibt es nur eine vor Dreck starrende Toilette, vor der natürlich eine lange Warteschlange steht. Wir erinnern uns: die amerikanische Gesundheitsbehörde schikanierte die Besatzung unseres Schiffes, um uns Europäern Hygiene beizubringen!

Unsere Beine werden schwerer und schwerer. Mit einem Taxi fahren wir quer durch Manhattan bis zum „Ground Zero“. Ich erinnere mich, dass ich 1996 auf dem Südtower stand und filmte. Wir laufen hinüber durch die Wall-Street zur alten Brooklyn Bridge (die gerade renoviert wird) und schnappen uns die kostenlose Fähre nach Long Island und zurück. Tausende von Pendlern schieben uns durch das Gedränge. Ein Taxi bringt uns gegen Abend zurück zum Schiff. Auf den geplanten Abendausflug verzichten unsere müden Füße gerne, denn Morgen haben wir noch fast einen ganzen Tag für den „Big Apple“.

Der nächste Morgen erwartet uns mit strahlendem Sonnenschein. Heute werden wir nicht so viel laufen! Chinatown erreichen wir per Taxi. Exotische Waren werden in unglaublich verdreckten Geschäften, die seit Jahren nicht gereinigt wurden, feil geboten. Ältere Chinesen, die wir ansprechen, können kein Englisch und verstehen nur „Bahnhof“. Wir flüchten zu Fuß bis „Little Italy“, wo es zur Belohnung einen guten Espresso gibt.

Das Taxi bringt uns zum Washington Square in Greenwich Village, dem Künstlerviertel, aus dem Peter, Paul & Mary, Bob Dylan, Joan Baez und viele andere hervor gingen und Weltkarriere machten. Zum Abschluss sehen wir noch die „Penn-Station“, den „Madison Square Garden“ und das dortige „Pennsylvania Hotel“. Abschluss und Bonbon noch einmal „Times Square“. Ich setze mich mitten auf den berühmten Platz auf einen der dort verfügbaren Stühle und lasse meine Frau shoppen gehen, denn dazu ist sie nie zu müde. Ich beobachte die Menschen aus aller Welt und höre die unterschiedlichsten Sprachen. Dies ist die Hauptstadt der Welt und ich sitze inmitten ihres Herzens. Bilder der hinter uns liegenden Weltreise, die jetzt langsam ihrem Ende entgegen geht, steigen in mir auf. Oh Mann, was ist diese Welt (noch) so schön!

Unsere „Amadea“ und ihre Passagiere genießen am späten Nachmittag den sonnigen Abschied von NYC, die Ausfahrt den Hudson-River hinab, vorbei an New Jersey, Alice Island und der Freiheits-Statue.

Goodbye USA – Adiós America.

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14 Kommentare zum Beitrag
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen am 28.11.2011 um 19:45 Uhr  
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Johannes Linn aus Marburg am 28.11.2011 um 21:32 Uhr  
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