DOO-WOP, WAS IST DAS DENN?

von Hans-Rudolf König aus Marburg | am 17.05.2009 | 257 mal gelesen | 8 Kommentare | 0 Bildkommentare | 5 Bilder
Goodnight, sweetheart...
 
...it's time to go...

Im Nachgang zur hier bei myheimat eingestellten Musikarbeit meiner Tochter über den Rock and Roll im Allgemeinen, (siehe: http://www.myheimat.de/marburg/beitrag/94189/musik...) möchte ich heute auf eine der Wurzeln dieser Musik eingehen.

Die „schwarze“ Seele und somit auch der überwiegende Teil des Rock and Roll ist speziell in Deutschland kaum bekannt geworden. Zumal damals deutsche Versionen von amerikanischen Doo-Wop Songs bis zur Unkenntlichkeit musikalisch und textlich entstellt wurden. Bestes Beispiel: „Charly Brown“ von den deutschen „Honey Twins“. Sie brachten es fertig, aus einem ziemlich witzigen, schwarzen Doo-Wop Song einen faden Schlager zu machen. Und das ging so:

Das Original von den Coasters (eine zeitkritische Persiflage auf die amerikanische High-School, komponiert von Leiber & Stoller), begann mit einer typischen Nonsense-Einleitung: „fee-fee-fi-fi-fo-fo-fumm!“ Daraus machte dann ein schwachsinniger deutscher Texter die Frage: “Wer lernt die Vokabeln nicht” – Schwupps, und schon war der schöne Doo-Wop Song, dessen ganzer Charme auf den Nonsense Phrasierungen lag, zerstört. Zerstört von einem unsensiblen „Reim-Dich-oder-stirb –Texter aus der deutschen Provinz. Belassen wir es lieber bei diesem einen üblen Beispiel und gehen zum Ursprung zurück.

In den späten 40ern und frühen 50ern, als noch kaum eine amerikanische Familie einen Fernseher besaß, traf sich die Jugend der Großstädte gerne an der Straßenecke, um dort unter sich zu sein, zu quatschen, zu rauchen, den Mädchen (oder Jungs) nachzuschauen, denn das Taschengeld reichte kaum für Kino, Baseball- oder Football-Events.

Die musikalischen Kids (schwarz oder weiß) begannen an der Ecke in bester Barbershop-Tradition (Pop Vocal Harmonies) zu summen und zu singen, so wie es seinerzeit die erwachsenen Weißen taten, wenn sie in den 30er Jahren beim Friseur saßen. Gospel und Spirituals gehörten in die Kirche, also griff man auf weiße Harmonien von damals zurück. Fehlende Musikinstrumente (wer konnte sich schon eine Gitarre oder gar ein Saxophon leisten?) wurden durch vokale Imitationen ersetzt. Also wurde acapella intoniert und an Stelle des mangelnden Saxophons sang man zwischen den Textzeilen (oder gleichzeitig im Hintergrund): „doob-doo-wah“, „doo-doodoo-doo-doodoo-doo-doo“, statt Schlagzeug: „bum-buh-buh-bum-bum, statt Gitarre: „dit-lit-lit-lit-lit“ usw.

Es gab Gruppen von zwei bis zwölf Mitgliedern und folgende Stimmlagen waren vorherrschend: Ganz oben schwebte das Falsett, dann der Vorsänger, oft unterstützt von ein oder zwei Tenören, gefolgt vom zweiten Tenor, Bariton und Bass, wobei in der Bassstimmlage oft noch zusätzliche Sänger (innen) im Hintergrund herum murmelten, um den Klang abzurunden.

Natürlich gab es im Laufe der Jahre sich wandelnde Gesangsstile und viele wechselnden Einflüsse der unterschiedlichsten Musikrichtungen (bis hin zur Klassik), doch diese Details würden ein weiteres Buch über RnR und Co. füllen.

Deshalb möchte ich abschließend erwähnen, dass es hunderte, wenn nicht tausende solcher Doo-Wop-Gruppen in den USA gab. Aus guten Amateuren wurden oft berühmte Profis. Darunter so große Namen wie: Platters, Coasters, Drifters, Del-Vikings (mit Gus Bakus), Cleftones, Shirelles (fem.), Chantels (fem.), Five Satins, El Dorados, Dubs, Mellokings (weiss), Flamingos, Heartbeats, Paragons, Channels, Elegants (weiss), Skyliners (weiß), Marcels, Regents (weiss), Tokens (weiss), Bobettes (fem.), Four Lovers (weiss), Five Keys, Penguins, Crows, Five Discs, Impalas usw.usw.

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8 Kommentare zum Beitrag
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Fred Hampel aus Fronhausen am 17.05.2009 um 18:15 Uhr  
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Erwin Fischer aus Leun am 17.05.2009 um 18:38 Uhr  
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Horst Schmiedchen aus Wennigsen am 18.05.2009 um 07:18 Uhr  
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