Filmbesprechung „Spectre“, UK 2015

Anmutig: Monica Belluccis kurzer Auftritt. (Foto: Pressefoto Sony Pictures)
Nach „Skyfall“ ist es eine Herausforderung. Für den Regisseur, für das Publikum. Dieser Film von 2012 ist von vielen Kritikern als bester Bond bezeichnet worden; sie verdienen meine Zustimmung. 50 Jahre „James Bond“ – wäre es nicht besser gewesen, einen Schlussstrich zu ziehen? „Skyfall“ als Abschluss einer Filmikone? Möglich. Sam Mendes hat dennoch die Fortführung gewagt.
Daniel Craig hat Bond in einen Menschen verwandelt, der sich von den Darstellungen der Vorgänger grundlegend unterscheidet. War Bond vorher noch eher eine Karikatur seiner selbst, werden seit „Casino Royale“ (2006) Seele und Geist des Agenten auszuloten versucht. Sicher, alles ist absolut unrealistisch, aberwitzig und kann nicht ernst genommen werden: die Actionszenen, die Spielereien, die Frauengeschichten. Aber nicht nur äußerlich unterscheidet sich Craig, er zeigt Gefühle, er verliebt sich. Eine unglückliche Liebe, die sich nun wie ein roter Faden durch seine künftigen Abenteuer ziehen wird.
James Bond muss in „Spectre“ gegen den altbekannten Bösewicht Blofeld (Christoph Waltz) antreten, den Kopf aller terroristischen Super-Fieslinge. Unterstützt wird er von der Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux), Tochter des ehemaligen Spions White (Jesper Christensen), der sich gegen Blofeld aufgelehnt hat und sterben wird. Das alles ist routiniert in Szene gesetzt, es reicht nicht an die Geschlossenheit von „Skyfall“ heran, ist aber in einzelnen Aspekten schön anzusehen. Monica Bellucci wird mit ihrem Auftritt in einer prunkvollen, von Cappuccino-braunem Licht durchströmten römischen Villa zu Beginn ein filmisches Gemälde gesetzt, das geradezu atemberaubend wirkt. Die Actionsequenzen sind nicht durchgedreht und überzogen, sondern kalkuliert, kühl, stilvoll. Hier geht es nicht um hirnloses Geballere, hier zählen die Aktionen und Reaktionen des Protagonisten.
Ralph Fiennes muss als M in die Fußstapfen der legendären Judi Dench treten, die in „Skyfall“ den Filmtod gestorben ist; er macht seine Sache nicht schlecht. Ben Wishaw ist ein Gewinn in der Rolle des Q, man möchte noch mehr sehen von diesem weltfremden, schwulen Computergenie. Die Autoren haben klugerweise beide Rollen etwas ausgebaut: M und Q agieren nicht mehr im Hintergrund mit Handy oder PC, sie unterstützen Bond am Ende ganz aktiv in seinem Kampf. Christoph Waltz‘ Auftritt ist souverän, in ein paar wenigen Augenblicken fesselnd. Er scheint einen festen Platz als Filmschurke in Hollywood gefunden zu haben.
Über allem schwebt jedoch die Frage: Wie ist das zu toppen? Wie soll es weitergehen? An Originalität und Rasanz ist „Skyfall“ nicht zu übertreffen, dies hat „Spectre“ bewiesen. Ein eindrucksvoller Film, der aber zu einer Fortsetzung verkommt, die nicht aus der Reihe heraussticht.
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