Besprechung der Inszenierung von „The Fairy Queen“ am 15. November 2015 im Staatstheater Mainz

Hört mich singen! Georg Lickleder steht als Bass einfach über den Dingen. (Foto: Pressefoto Staatstheater Mainz)
Wann bietet sich einem Theater die Möglichkeit, alle Register seines Könnens zu ziehen? Wenn es Henry Purcells „The Fairy Queen“ von 1692 auf die Bühne bringt. Eine Semi-Oper in fünf Akten, die leichtfüßig und verwegen uns ins antike Griechenland entführt, um eine Bearbeitung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ aufleben zu lassen. Sänger, Tänzer und Schauspieler des Staatstheaters ziehen an diesem Abend gemeinsam an einem Strang und bezaubern uns mit dieser Vorstellung.
Die Geschichte ist altbekannt: Das Elfenkönigspaar Oberon und Titania liegt im Clinch, und zwei liebeswirre Menschenpaare geraten mitten hinein in ihren magischen Streit. Oberon lässt seinen Knecht Puck walten, um Titania zum Narren zu halten, und nebenbei mischt er sich in die amourösen Verwicklungen der jungen Menschen ein. Dass dieses schon sehr oft adaptierte Stück immer noch frisch und frech daherkommen kann, beweist Regisseur und Choreograf Jo Strømgren. Die Schauspieler tragen mit ihrer komischen Darbietung zu einer gelungenen Symbiose mit den eindrucksvollen Tänzen und überzeugenden Gesängen bei.
Austoben darf sich beispielsweise Clemens Dönicke mit allerlei Slapstick-Einlagen in seiner Doppelrolle als Egeus und greiser Zettel. Klaus Köhler verwandelt Oberon mit seiner ihm ganz eigenen stimmlichen und sprachlichen Farbgebung in eine etwas durchgeknallte Zeichentrickfigur, während Andrea Quirbach mit ihrer Titania in manchen Momenten nichts anzufangen weiß. Die Hippolyta am Anfang und Ende steht ihr besser; ihre Titania verkommt ausschließlich zu einer sexbesessenen Megäre (als die man diese Figur vielleicht interpretieren kann, es aber nicht unbedingt muss). Alles in allem präsentiert sich hier aber ein starkes Ensemble, das viel Talent zur Komik beweist. David Schellenbergs leicht schwule Interpretation des Demetrius ist erwähnenswert, auch die gefühlsgeladene Hermia der stupsnasigen Lilith Häßle berührt mich.
Den lautesten Applaus an diesem Abend erntet jedoch keiner der Schauspieler, sondern Tänzer Mattia De Salve, der uns dank seiner körperlich-künstlerischen Präzisionsarbeit einen muskulösen, erotischen, animalischen, aber mittels seiner urkomischen Mimik auch einen dümmlichen, polternden, kindischen Puck vorgeführt hat. Ihm und den weiteren Tänzern gelingt mit ihren „begnadeten Körpern“ – so urteilte Stefan Schickhaus am 3. Oktober 2014 in der Frankfurter Rundschau – eine Lehrstunde in der Kunst des teilweise akrobatischen Tanztheaters. Intendant Markus Müller nutzte „The Fairy Queen“ damals als Einstand. Wahrscheinlich hat er damit ein Zeichen gesetzt. So abwechslungsreich und bunt, so anspruchsvoll wie ansprechend ist nicht nur „The Fairy Queen“ selbst, diese Adjektive dürfen auf das Programm der aktuellen Spielzeit angewendet werden.
Liegt jemand oben auf in dieser Vorstellung? Ich könnte jeden Solisten erwähnen, sie alle übertrumpfen sich aber nicht, sie ergänzen sich. Dabei kommt es zu interessanten Arrangements: So beweist nicht nur De Salve einen Hang zur schauspielerischen Komik, es zeigt sich auch Sänger Alin Deleanu in seiner Rolle des Lysander ausdrucksstarken Sprechauftritten gewachsen. Ein jeder ist eine Bereicherung für den anderen, um auf einer Bühne zu agieren, deren Szenenbild und Beleuchtung dem Auge schmeicheln. Ja, alles ist antik, die Säulen, die Kostüme, die parodistischen Haartrachten. Aber weder verstaubt noch maskenhaft inszeniert Strømgren den alten Stoff, sondern beschwingt, mit leise überzogenem Gezeter während des Liebesstreits, mit selbstironischen Verweisen auf das hohe Ross des Opernsängers und mit einer klaren Abgrenzung von einer verbiestert ernsthaft gespielten Komödie. Bravo.
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