Schön vom Scheitel bis zur Sohle - Neue Sonderausstellung im Rieser Bauernmuseum Maihingen betrachtet die Arbeit am guten Aussehen
Maihingen: Rieser Bauernmuseum | Menschen legten schon immer Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Um „Vom Scheitel bis zur Sohle“, so der Titel einer neuen Sonderausstellung im Rieser Bauernmuseum Maihingen (Landkreis Donau-Ries), elegant und gepflegt aufzutreten, war allerdings einige Anstrengung nötig. Bader beziehungsweise Friseur, Schneider, Hut- und Schuhmacher waren dazu unabdingbar, und so zeigt die Ausstellung von Mittwoch, 13. April, bis Sonntag, 6. November, deren Werkzeuge, Gerätschaften und fertigen Produkte – Kleider, Hüte und Schuhe in großer Zahl von etwa 1900 bis 1970.
Im Mittelpunkt steht dabei ein komplett eingerichteter Herren-Frisiersalon aus den 1930er Jahren. Das Haareschneiden bildete allerdings nur einen Teil des dortigen Angebots. Bereits der Bader, wie der Vorläufer des Friseurs hieß, war für die Bartpflege zuständig. „Die frühere Bartmode brachte aus heutiger Sicht so kuriose Dinge wie Bartbinden und spezielle Tassen hervor. Für die Rasur schlossen die Männer meist Abonnements ab“, erzählt Museumsleiterin Dr. Ruth Kilian. Hatten früher Friseure die Haare der Damen mit Brennscheren onduliert, verbrachten Frauen später manche Stunde mit Lockenwicklern unter der Trockenhaube. Nach langer Prozedur war das Haar schließlich füllig und gewellt, so dass der eigentliche Haarschnitt folgen konnte. Auch das Tressieren und Knüpfen von Haarteilen und Perücken zählte früher zum Handwerk und wird anhand von unterschiedlichen Objekten anschaulich vorgeführt.
Noch bis in die 1960er Jahre gehörte für die Damen ein modischer Hut zur Frisur. Aus Haar-, Wollfilz oder Stroh gearbeitet, begleitete er auch den gut gekleideten Herrn. Hauben waren ein unverzichtbarer Bestandteil der Tracht auf dem Land.
Jedoch machen erst Kleider Leute: Schneider stellten die Garderobe nach Maß her. Näherinnen fertigten vor allem Wäsche, aber auch Kinder- und Damenbekleidung. Die Kunden hatten bestimmte Vorstellungen oder brachten Modevorlagen mit, die Stoffe kauften die Schneider oft gemeinsam mit den Auftraggebern ein. Manche Tuchfabriken stellten den Handwerkern auch gleich Stoffmuster-Sortimente zur Verfügung. „Man hat schon fest schaffen müssen“, erinnert sich eine Schneidermeisterin im Rückblick: „Aber wenn dann was fertig war und es hat gut ausgeschaut, das hat dann Spaß gemacht. Ist halt was Kreatives, was aus einem selbst heraus kommt.“
Zum perfekten Auftritt fehlt dann nur noch das passende Schuhwerk.
Was heute Schuhfabriken in Massen produzieren, war bis in die 1950er Jahre noch vielfach handwerkliche Tätigkeit. Musterstücke veranschaulichen zum Beispiel die Entstehung eines genagelten Schuhs. Eine „Schuhparade“, hauptsächlich aus der Damenwelt, gewährt einen Überblick über 70 Jahre Modegeschichte. Bemerkenswert ist, dass selbst in Notzeiten zwar Reifenteile als Sohle dienten, die Arbeit am guten Aussehen aber dennoch elegante Schuhe hervorbrachte.
Fotos, Filme und Interviews sowie ein umfangreiches Begleitprogramm für Groß und Klein ergänzen die Themen und Ausstellungsobjekte.
Die Ausstellung „Vom Scheitel bis zur Sohle. Die Arbeit am guten Aussehen“, die Foto-Schau „Bäuerliche Arbeit im Ries heute“ und die Dauerausstellungen im Rieser Bauernmuseum Maihingen sind samstags und sonntags sowie dienstags bis donnerstags jeweils von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Von Mittwoch, 15. Juni, bis Donnerstag, 15. September, ist auch freitags und bereits ab 10 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es beim Rieser Bauernmuseum Maihingen, Telefon: (0 90 87) 92 07 17 – 0, Internet: www.rieser-bauernmuseum.de.





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