Porzellanmarken, Nathusius Porzellanfabrik in Althaldensleben (1826 – 1847)

Abb.1 Porzellan-Markentafel der Porzellanfabrik von Gottlob Nathusius, Althaldensleben (3.Entwurf)
 
Abb.2 Etikett der Tabakfabrik von Gottlob Nathusius mit Fabrikmarke
 
Abb.3 Teile eines Services mit unterglasurblauer Marke N, 3mm hoch
 
Abb.4 Auszug aus Graesse, Guide de lámateur de Porcelaines et de Poteries, 1864 /49/
 
Abb.5 Tasse mit Unterschale, Ansichten Althaldensleben, kleine, 3mm, Strichmarke
(1.Überarbeitung/Ergänzung 13.06.2010) Die erste private Porzellanfabrik Preußens in Althaldensleben war zu ihrer nur 21 jährigen Produktionszeit (1826 bis 1847) über die Grenzen hinaus bekannt und wurde dann beinahe vergessen. Eine Aufarbeitung hat es in der Vergangenheit nicht gegeben und schriftliche Unterlagen der Fabrik sind bis auf Preislisten nicht überliefert. Das gilt leider auch für die Kennzeichnungen des Porzellans. So ist nicht verwunderlich, wenn auftauchende Stücke aus Unkenntnis anderen Produzenten zugeordnet werden.
Im Zusammenhang mit dem 250.Geburtstag von Gottlob Nathusius und der Sonderausstellung im Museum Haldensleben www.museumhaldensleben.de vom 16.05. bis 24.10.2010 wird nachfolgend der 3.Entwurf einer Markentafel (Abbildung 1) vorgestellt, der sich aus Literaturquellen, der Analyse von Ausstellungsobjekten und aus aktuellen und vergangenen Kunstauktionen ableitet:


Erläuterungen zur Markentafel

Der Grossbuchstabe des lateinischen „N“ wurde in der Porzellanindustrie national und international häufig in Verbindung mit einer Krone, weiteren Buchstaben oder Zeichen verwendet und ist in seiner graphischen Gestaltung sehr unterschiedlich. In Althaldensleben steht der Buchstabe alleine ohne weitere Zeichenergänzungen, ist bereits in der Magdeburger Zeit vor 1810 nachgewiesen und wird von Nathusius als „meinen Nahmen und Fabriquen Siegel“ bezeichnet (Abbildung 2). Seine spezifische Form ist durch zwei dünnere vertikale Striche und einen dickeren schräg liegenden Strich gekennzeichnet. Im Zusammenhang mit Porzellan erwähnt 1844 erstmals der Direktor der französischen Porzellanmanufaktur von Sèvres (Amtszeit von 1800 bis 1847), Alexandre Brongniart, den Großbuchstaben „N“ und beschreibt: „Porzellan und cremefarbenes Steingut wird in Althaldensleben von Gottlob Nathusius seit 1810 hergestellt“/35/. In der Markentafel sind drei Varianten aufgeführt.


Marke Nr. 1
R.G. Haggar verweist in /39, S.25/ auf Brongniart /35/ mit dem Zusatz: „The mark of the factory was the letter „N“ impressed“. Das “impressed“ kann im Sinne von Einpressen (Pressmarke) aber auch im Sinne von Stempelung interpretiert werden. Obwohl Nachweise für die Pressmarke bisher nicht vorliegen, wurde sie vorbehaltlich zukünftiger Erkenntnisse in die Tafel aufgenommen.



Marke Nr. 2
Den typischen Grossbuchstaben in Aufglasur gibt es in den Ausführungen Hand- und Druckschrift. Die Familie Nathusius und von Nathusius ist im Besitz eines Tellers, in deren Spiegelmitte das handschriftliche „N“ aufgetragen ist. (siehe http://www.nathusius.org/extern/porzellan.htm). Es kann sich hierbei um das Monogramm für den persönlichen Gebrauch im Hause Nathusius handeln. Die Anbringung als Fabrikmarke ist jedoch nicht auszuschließen.
Die Druckschrift-Variante wurde nicht sichtbar am Boden, aber auch an sichtbarer Porzellanoberfläche festgestellt. Vor Jahren hat das Museum in Haldensleben ein Mokkaservice /27, S.32/ mit dem Zusatz erhalten, es stamme aus der Fabrik von Nathusius. Im Boden ist die Marke verwendet worden. Die Teile des Services haben klassische Formen, die durchaus als Kopie in Althaldensleben hergestellt worden sein könnten. Sichtbar ist der Buchstabe auf den Fußhälsen zweier Prunkdeckelvasen unterhalb polychromer Schlachtenszenen, vgl./40, S.147, Nr.298/ . Weil die beschriebene Quellenlage für ein definitives Urteil nicht ausreichend erscheint, wurde die Marke in der Tafel als „nicht auszuschließen“ charakterisiert.


Marke Nr. 3
Bei Weiß /29/ wird die Marke mit der Beschreibung „Althaldensleben (Preußen), 1826 Nathusius“ zwar ausgewiesen, eine nähere Beschreibung fehlt. Die dort skizzierte Form des Buchstaben weicht von der beschriebenen ab, indem der rechte vertikale Strich ebenfalls dick ausgeführt ist. In gleicher Weise verfährt Danckert /41, S.4/. Er beschreibt: „Alt-Haldensleben (Deutschland, Preußen). Hier gründete Nathusius 1826 eine Porzellanfabrik“ und zeigt als Marke zusätzlich zum Buchstaben die Strichmarke (Markentafel Nr. 4). Auch hier fehlt jeglicher Hinweis auf die Ausführungen. Genauer wird Bandoly: „Das Fabrikationszeichen der Porzellanmanufaktur von Nathusius ist ein blaues lateinisches N“ /8, S.20/. Bisher gibt es nur einen Beleg für die tatsächliche Anwendung der unterglasurblauen Buchstabenmarke. Die Schwiegertochter von Gottlob Nathusius, Marie Nathusius, geb. Scheele, (1817-1857, Lebenswerk siehe ausführlich unter /27/, hat der Nichte von Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), Auguste Bös, zur Hochzeit 1846 ein umfangreiches Service aus der Fabrik von Nathusius geschenkt. Alle Teile verbindet der Dekor mit unterschiedlichen Ansichten im Umdruckverfahren unter Glasur. Drei Unterschalen dieses Services tragen eine nur 3mm „große“ N-Marke mit dem dicken Querstrich (Abbildung 3).
Röntgen bestätigt 2007 den Buchstaben als Unterglasurmarke mit dem Zusatz „Blau“ /28, S.22, Nr.39/ und zeigt den Buchstaben aber auch mit dickem rechten Schenkel. Der seltene Nachweis dieser Marke und die Nähe zur Kennzeichnung in früheren Jahren auf Tabaketiketten erlaubt die Schlussfolgerung einer kurzzeitigen sehr frühen Marke nach 1826.


Marke Nr. 4
In anerkannten älteren Nachschlagewerken über Porzellanmarken wird die Strichmarke nur in Zusammenhang gebracht mit der Porzellanfabrik von Nathusius. So zeigt 1864 kein Geringerer als der Direktor der Porzellansammlung und des Grünen Gewölbes in Dresden, Dr. J.G. Théodore Graesse (1814 – 1885) die Strichmarke /49, S.29, Nr.155/. Auf nur zwei Seiten werden die zu jener Zeit bedeutendsten deutschen Manufakturen und ihre Marken vorgestellt. Der Strich von Nathusius befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Marken von KPM Berlin, Nymphenburg, Fürstenberg und Höchst (Abbildung 4).
Auch später 1878 bei Jaennicke /43, S. 76/, dann 1910 bei Graesse, Jaennicke /42, S.180, Nr.6/ und dann 1967 bei Danckert /41, S. 4/ wird sie aufgeführt. Der in dieser Literatur ausgewiesene Strich ist gerade, aber ohne weitere Spezifizierung. In der Praxis sind sehr unterschiedliche Strichmarken, sowohl in Größe, Farbintensität als auch Dicke festzustellen. Die Abbildung zur Marke Nr.4 zeigt deshalb drei Grundtypen, nämlich der kleine nur 3mm lange und die größeren bis zu 15mm langen Striche mehr oder weniger dick. Während die längeren Striche wiederholt auf Porzellan nachweisbar sind, gibt es für die 3mm lange Variante bisher nur einen Beleg. Das in Abbildung 5 gezeigte Ansichtenporzellan trägt auf beiden Teilen die kurze Marke.
Es gibt weiterhin Modifikationen bei der Ausführung des Striches. Farblicher Intensitätswechsel weist auf neuen Pinselansatz oder nebeneinanderliegende Striche mit unterschiedlicher Länge auf eine Korrekturzeichnung hin. Da die Marken 3 und die kurze Strichmarke in der Höhe mit 3mm identisch sind, wird der kurze Strich als frühe Anwendung und die längeren Ausführungen als spätere Form gewertet.

In neuerer Zeit wird die Strichmarke auch anderen Herstellern zugeschrieben. Erstmals mit der Aufarbeitung der Porzellanmanufaktur von F.A.Schumann in Berlin Moabit für den Zeitraum 1835-1837 wird die Marke genannt /6, S. 461/. Die Zeichnung für Schumann /6, S. 460/ zeigt einen geraden Strich, annähernd dem von Nathusius. Aus einer Beschwerde von Frick 1835 (Direktor KPM Berlin 1832 – 1848) über die Schumannsche Strichmarke zitiert /6, S. 30/: „daß die neue in Moabit bei Berlin entstandene Privatporzellanfabrik eines gewissen pp. Schumann ihre Fabrikate mit einem blauen Strich unter der Glasur zeichnen laße, der dem Zepter, dem Fabrikzeichen der Königlichen Porzellanfabrik, oft täuschend ähnlich sehe“ . Es ist nicht bekannt, dass die Strichmarke von Nathusius in eben solcher Weise unter Kritik stand. Auch ist die gerade Ausführung nicht geeignet, auf die Zepter-Marke der KPM zu schließen. Vielmehr liegt die Vermutung einer beabsichtigten Modifikation der Marke bei Schumann vor:Da die Strichmarken von Hand ausgeführt wurden, konnten kleine Unregelmäßigkeiten auftreten, zum Beispiel in Form kleiner Häkchen, die durch das An- oder Absetzen des Pinsels zustande kam.“ /6, S. 461/. Es ist zu vermuten, dass Röntgen deshalb 2007 die klare Unterscheidung zwischen den Herstellern zeigt, indem er für Schumann einen ungeraden Strich /28, S.42, Nr. 271/ und für Nathusius einen geraden Strich /28, S. 22, Nr. 38/ abbildet.
Auch die Manufakturen von Ilmenau und Krister werden als Anwender neuerdings beschrieben /6, S.461/. Das gilt es zukünftig mit der weiteren Aufarbeitung von Nathusius kritisch zu hinterfragen.
Trotz der eindeutigen Quellenlage ist bei der geraden Strichmarke eine große Unsicherheit in den Auktionshäusern auffällig. Nur selten wird Althaldensleben beschrieben. In unmittelbarer Vergangenheit tauchten bei den Zuschreibungen auf: Pirkhammer, Deutsch, Berlin, Ilmenau, Waldenburg.

Marke Nr. 5
In einschlägiger Literatur wird diese Marke nicht beschrieben. Nachschlagewerke über Porzellanmarken, die gleichzeitig die Strichmarke und das N ausweisen /28/ und /41/, haben die Verbindung beider Marken nicht ausreichend erkannt. Drei in Privatbesitz befindliche Porzellanobjekte tragen die Marke und sind in dem Preis-Verzeichnis von 1828 /44/ abgebildet. Dazu gehören zwei Brotkörbe und ein komplettes Kaffee- und Teeservice, das dort als „Service c, Roccoco Englische Form zu 6 Personen“ bezeichnet ist (Abbildung 6). Zu dem Geschirr ist ein handschriftlicher Nachweis vorhanden, der es als Hochzeitsgeschenk 1842 an die Ururgroßeltern des Besitzers ausweist.
Obwohl das Porzellan über Jahre im Produktionsprogramm gewesen sein könnte, wird in Bezug auf das Alter der Preisliste, ca. 1828, eine Anwendung der Marke eher vor 1837 angenommen.


Marke Nr. 6
Auch Marke Nr.6 wird in einschlägiger Literatur nicht beschrieben. Die Anwendung ist nach 1837 anzunehmen, weil das Vorbild der preußischen Privatmanufakturen, die KPM Berlin, in diesem Jahr unter das Zepter den Zusatz KPM in ihrer Marke setzte. Als Ursprung der Buchstabenfolge können die Anfangsbuchstaben von Nathusius Porzellan Manufaktur angenommen werden. Abbildung 7 zeigt Serviceteile aus dem Besitz der Familie Nathusius und v. Nathusius, die in besonderer Weise gleich drei Porzellanmarken tragen: Strichmarke (Marke Nr. 4) auf einer Tasse, Strichmarke über NPM (Marke Nr.6) auf einer Tasse und einer Unterschale und NPM (Marke Nr.7) auf einer Unterschale. Der Zusammenhang der Marken zum gleichen Hersteller Nathusius darf als gesichert angenommen werden.

Marke Nr. 7
Bei dem Ursprung wird auf die Ausführungen zur Marke Nr. 6 verwiesen. Bisher konnten diese Buchstaben bei einem Fensterkörbchen und in der Abbildung festgestellt werden. Ob es sich dabei tatsächlich um eine gesonderte Porzellanmarke handelt oder nur der darüber liegende Strich (Marke Nr. 6) nicht mitgedruckt wurde, müssen weitere Recherchen zeigen.

Ohne Marke
Wiederholt sind zusammengehörige Porzellane festgestellt worden, von denen nur ein Teil eine Marke trägt. Wegen vielfacher Übereinstimmungen und unter Ausschluss eines Hausmalers muss oft der gleiche Hersteller Althaldensleben angenommen werden. Die Zuordnung solcher Stücke wird zukünftig sicherlich nicht eindeutig beantwortet werden können. Aus einem Bericht des Modelleurs Uffrecht ist bekannt, dass in der Porzellanfabrik viele Teile nach klassischen Vorbildern kopiert wurden /45, S.47/. Er berichtet aber gleichzeitig von eigenen Entwürfen /45, S. 48/.

Kontakt: bpm-porzellan@t-online.de

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Literatur
/6/ Ponert, Ditmar Jürgen, Die Porzellanmanufaktur F.A.Schumann in Moabit bei Berlin, Scherrer 1993
/8/ Bandoly, Sieglind, Vom mittelalterlichen Töpferhandwerk zum volkseigenen Großbetrieb, Jahresschrift des Kreismuseums
Haldensleben, Band II, Haldensleben 1961
/27/ Puhle, Matthias, Die Seele möchte fliegen, Mitteldeutscher Verlag 2007
/28/ Röntgen, Robert E., Deutsche Porzellanmarken von 1710 bis heute, Battenberg 2007
/29/ Weiß, Gustav, Ullstein Porzellanbuch, Verlag Ullstein, Frankfurt-Berlin-Wien, 1964
/33/ Jourdan, Pokorny, Trautmann, Sammlertassen, Battenberg 1996
/35/ Brongniart, Alexandre, Traité des arts céramiques ou des Poteries, Paris, Bechet Jeune und Mathias, 1844
/39/ Haggar, Reginald, The Concise Encyclopedia of CONTINENTAL POTTERY AND PORCELAIN, New York Hawthorn Books,
1960
/40/ Ehret, Gloria, Battenberg Antiquitäten-Kataloge Porzellan,Battenberg Verlag München 1979
/41/ Danckert, Ludwig, Handbuch des Europäischen Porzellans, Prestel Verlag München, 2.Auflage 1967
/42/ Graesse, Jaennicke, Führer für Sammler von Porzellan und Fayence, Schmidt & Co. 13. Auflage 1910
/43/ Jaennicke, Marken und Monogramme auf Fayence, Porzellan, Steinzeug, Paul Neff, Stuttgart 1878
/44/ Preiss-Verzeichniss von Nathusius Porcellan-u. Steingut-Fabrik in Althaldensleben über Porcellan-Geschirre, um 1828,
Kreismuseum Haldensleben
/45/ Jahresschrift der Museen des Ohrekreises, Band 2, Haldensleben-Wolmirstedt 1995
/49/ Graesse, Guide de l´amateur de Porcelaines et de Poteries, Schönfeld Dresden 1864
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3 Kommentare
6
Nikolaus von Nathusius aus Bonn | 01.03.2010 | 18:52  
6
Michael Fuchs aus Bergisch Gladbach | 02.03.2010 | 05:03  
6
Frank Cziesla aus Bretthausen | 03.03.2010 | 11:28  
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