Im Weserbergland auf den Spuren der Zeit

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Im Wesertal, umgeben von waldreichen Bergen und Hügeln, können Urlauber geschichtsträchtige Orte und Stätten, die in recht kurzer Entfernung voneinander liegen, entdecken. Fachwerkidylle in den Ortskernen, Schlösser, Kirchen, Klöster, Museen, Kunst und Handwerkskunst, das alles können Urlauber in entspannter Atmosphäre erleben.

Eine historische und gleichzeitig moderne Stadt ist Einbeck mit 150 schönen, restaurierten Fachwerkhäusern, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen. Die malerische Altstadt ist teilweise noch von der alten Stadtmauer mit Wall und Graben umgeben. An die Stadtmauer wurden seit 1500 zahlreiche Häuser direkt angebaut, besonders gut ist das im Bereich der Hullerschen Mauer erkennbar. In Einbeck kann man entweder einen gut ausgeschilderten Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten selbst unternehmen oder sich von einer als Braumagd kostümierten Stadtführerin kenntnis- und anekdotenreich begleiten lassen. Frau Bartels ist eine solche Stadtführerin, die viel erzählen kann über die alte Hansestadt Einbeck, das berühmte Einbecker Bier, das schon Martin Luther schätzte, Bockbier und Braukunst, aber auch über das Eikesche Haus, ein Juwel der Fachwerkkunst, das alte Rathaus, die Marktkirche St. Jacobi mit der ehemaligen Türmerstube und vieles mehr. Im historischen Brodhaus, dem ehemaligen Gildehaus der Bäcker, oder einer anderen traditionellen Gaststätte sollte man unbedingt ein oder zwei Gläser Einbecker Bier probieren, das zu schmackhaften Gerichten, die oft mit Einbecker Senf verfeinert werden, besonders gut schmeckt.

Seit 2014 gibt es in Einbeck ein ganz besonderes Highlight. In einem erweiterten, denkmalgeschützten, ehemaligen Kornspeicher von 1899 ist eine einzigartige, modern präsentierte Erlebnisausstellung zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Mobilität auf Rädern entstanden. Beeindruckend wird im PS. SPEICHER auf 6 Etagen mit ca. 4000 m² Ausstellungsfläche gezeigt, wie sich Menschen seit 130 Jahren auf Rädern bewegen. In einer Zeitreise erkunden die Besucher 300 einzigartige historische Fahrräder, Motorräder und Automobile aus einer der größten privaten Sammlungen der Welt, die von dem Einbecker Kaufmann und leidenschaftlichen Sammler K.-H. Rehkopf in Jahrzehnten zusammengetragen wurden und werden. Dadurch, dass die Fahrzeuge in einen Kontext gestellt werden, lässt sich während es Rundgangs durch die Ausstellung auch Geschichte erleben. Ganz oft hört man von den Erinnerungen der Besucher an die 50er, 60er, 70er Jahre bis zur Gegenwart. Sonderausstellungen, geplant ist für November eine zum Thema Rennsport, ergänzen die ständige Ausstellung des PS.Speichers, der als Kulturstiftung gegründet wurde und nicht nur faszinierende Technik sondern gleichzeitig Zeitgeschichte rund um die wertvollen Exponate erzählt und inszeniert. Zahlreiche Motorrad- und Oldtimer-Clubs, aber auch Tausende anderer Besucher, darunter auch Familien, sind begeistert von diesem attraktiven neuen Reiseziel. Es gibt den Gastronomiebereich „Genusswerkstatt“ mit Außengastronomie, ein moderner Hotelkomplex mit Tagungsräumen und Wellnessbereich entsteht zur Zeit auf dem Gelände des PS.Speichers. Der PS.Speicher liegt fußläufig nur wenige Minuten von der Altstadt mit dem StadtMuseum und dem besonders gut erhaltenen Fachwerkensemble der Tiedexer Straße entfernt.

Von Einbeck sind es nur 12 Kilometer bis in den Erholungsort Dassel. Dort ist der Besuch des am Ortsrand gelegenen Technikmuseum Blankschmiede Neimke sehr zu empfehlen. Die historische Hammerschmiede von 1727 liegt neben dem Museum Grafschaft Dassel und wurde bis zum Tod des letzten Schmiedemeisters im Jahr 1985 über viele Generationen von der Familie Neimke betrieben. Die Schmiede konnte so lange existieren, weil es in der Nähe Eisenerztagebau gab, sowie leichten Zugang zu Holz aus dem Solling. Wichtig war auch, dass sie sich weiter entwickelte und durch den Einsatz von Wasserkraft Spaten, Hacken, Schaufeln und andere Werkzeuge herstellte. Blank und scharf geschliffen wurden die qualitativ hochwertigen Werkzeuge, in der von Wald- und Forstwirtschaft geprägten Region, gebraucht. Dazu kamen Nebenerwerbe, wie die eigene Landwirtschaft. 1988 gründete sich ein Förderverein, der in mehrjähriger Arbeit das Gebäude restaurierte, die Wasserwirtschaft rekonstruiert und somit ein bedeutendes Kulturdenkmal Niedersachsens erhalten hat. An jedem ersten Sonntag von April bis Oktober ist die Blankschmiede nachmittags geöffnet. Für Gruppen öffnen die engagierten Mitglieder des Fördervereins, wie die Eheleute Koch, nach vorheriger Anmeldung an fast allen gewünschten Tagen. Führungen durch die Schmiede sind hochinteressant für Erwachsene und Kinder, die an Besuchertagen nicht nur den Vorführungen des Schmiedes zuschauen sondern unter Anleitung mitmachen und durchaus auch beim Dengeln helfen dürfen. Die Schmiede und die anderen Räume des alten Hauses vom Stall bis zu den Wohnräumen sind ein spannendes und erlebnisreiches Ausflugsziel für Familien und Schulklassen.

Wer kennt ihn nicht, den Baron von Münchhausen? Er ist der berühmteste Sohn der Stadt Bodenwerder, die direkt an der Weser liegt und seit 2013 den amtlichen Titel „Münchhausenstadt“ trägt. Das Geburts- und Sterbehaus des Freiherren von Münchhausen, im Stil der Weserrenaissance, ein ehemaliger Gutshof, ist heute Sitz des Rathauses. Daneben befindet sich in der „Schulenburg“ einer ehemaligen Zehntscheune von 1300 das Münchhausenmuseum und im Dachgeschoß das Heimatmuseum. Im Münchhausenmuseum, erfährt man viel über den weltweit bekannten Geschichtenerzähler, der vermögend, gebildet und weit gereist war. So einer kann viel erzählen und das hat er getan. Wenn man aus dem Fenster des Museums schaut, kann man am Waldrand einen Pavillon sehen, dort erzählte Münchhausen im Kreise seiner Jagdgäste von seinen phantastischen Abenteuern. Aufgeschrieben und vieles dazu gedichtet haben andere die Münchhausen Geschichten, die man in fast allen Sprachen der Welt übersetzt hat. Wie es zu dem Titel Lügenbaron kam, erfährt man am einfachsten bei einer Führung durch das Museum, in dem auch einige seiner Möbel und Gegenstände, wie Geldkasse, Reisetruhe und sogar sein Taufstein zu sehen sind. Weltweit bekannt ist Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Aufgrund seiner Lebensgeschichte gab und gibt besonders viele Kontakte nach Russland, die im Museum dokumentiert sind. Auch außerhalb von Rathaus und Museum erinnert viel in Bodenwerder an Münchhausen und seine Abenteuer.

Beim Rundgang durch den Park vor dem Geburtshaus Münchhausens und in der Stadt, die ursprünglich auf einer Weserinsel entstanden ist, sieht man immer wieder Skulpturen und einen Brunnen in der Nähe der Stadtkirche St. Nikolai, in deren Turm bis heute eine Glocke von 1471 befindet, die an die Abenteuer des Freiherrn erinnern. Auch in Bodenwerder kann man bei einer Stadtführung den Ort und die Geschichte der Stadt besonders gut kennen lernen. Wer will kann eine Schifffahrt auf der Weser oder eine Radtour auf dem Weser-Radweg unternehmen. In Bodenwerder gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Eine davon ist das Parkhotel Deutsches Haus mit einem kleinen Park an der Weser gelegen, das gerne von Radtouristen aufgesucht wird, weil man über die nahe gelegene Weserbrücke einen guten Zugang zum Weser-Radweg hat. Es ist ein familiengeführtes Haus mit dem Charme der 80er Jahre. Das Restaurant hat zwar eine optisch etwas gewöhnungsbedürftige Speisekarte, aber das Wichtigste ist, das Essen schmeckt lecker und der Service ist aufmerksam.

Westlich von Bodenwerder liegt das Staatsbad Pyrmont mit dem Schloss, das 1184 als Burganlage errichtet, dann als Festungsanlage ausgebaut, später in eine Schlossanlage aus der Renaissancezeit und von 1706 bis 1710 in eine barocke Sommerresidenz umgebaut wurde. In den Räumen des Schlosses befindet sich das Museum im Schloss Pyrmont. Hier wird Geschichte groß geschrieben. Die Dauerausstellung zur Stadt- und Badgeschichte präsentiert sich seit Juli 2015 in neuer Weise. Durch ein modernes Farbkonzept, eine originelle Präsentation und Inszenierung der Exponate und durch den Einsatz kreativer Medientechnik wird die Geschichte Bad Pyrmonts und seiner Heilquellen in all ihren Facetten auf spannende und unterhaltsame Weise neu erleb- und erfahrbar. Das beginnt schon im Eingangsbereich, der wie ein eleganter Salon des 18./19.Jahrhunderts gestaltet ist und die Besucher mit dieser Atmosphäre auch musikalisch passend empfängt. Ein besonders schön gestalteter Raum ist der Kur-, Natur- und Kulturraum. Im Schlosshof finden zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen statt. Seit Pyrmont ab 1728 zum Bad aufstieg, besuchten und besuchen Heilung und Erholung suchende Menschen diesen Ort im „Tal der sprudelnden Quellen“. Bis 1950 trank man das Heilwasser direkt aus der Hauptquelle Hylliger Born, heute wird das Wasser in der Wandelhalle angeboten. Bekannt ist Bad Pyrmont für seine gepflegten Kurparks, Hotels und Restaurants. Wer nicht nur vom Heilwasser leben will, findet in Pyrmont, bei einer großen Auswahl an Restaurants und Cafés eine stilvolle Art einzukehren in der Brasserie im Hotel Fürstenhof. Bei gutem Wetter hat man von der Terrasse einen schönen Blick auf den Brunnentempel vom Hylligen Born und die Wandelhalle.

In der Nähe von Bad Pyrmont liegt der malerische Ort Lügde am Ufer der Emmer. Er ist von einer 1,5 Kilometer langen Stadtmauer mit zwei noch vorhandenen Wehrtürmen und Teilen der ursprünglichen Wallanlage umgebenen, denn der Ort wurde im 13. Jahrhundert als Festungskleinstadt geplant. Im Gemäuer eines der Wehrtürme haben in diesem Jahr sogar Nilgänse und Turmfalken friedlich, zeitgleich und erfolgreich gebrütet. Die Stadtmauer ist komplett, aber nicht in voller Höhe, erhalten. Sie schützt den Ort bis heute vor eventuellem Hochwasser. Von Bad Pyrmont kommend, fällt den Besuchern zunächst das große Gebäude des ehemaligen Franziskanerklosters auf, in dem sich heute u.a. der Klostersaal, ein Veranstaltungsraum für „Kultur im Kloster“ befindet. Lügde war eine Ackerbürgerstadt, bei einem Rundgang im blumengeschmückten, gepflegten Ort entdeckt man viele gut erhaltene Fachwerkhäuser. Die ältesten davon stehen in der „Hinteren Strasse“. Das geschichtlich bedeutende Vierständer-Fachwerkhaus von 1799 beherbergt seit 1986 das Heimatmuseum von Lügde. Es zählt zu den niederdeutschen Hallenhäusern, die ihren Ursprung im Mittelalter haben. Außen- und Innenwände wurden in Fachwerkbauweise errichtet, wobei die Balken aus Eichenholz bestehen. Die Restaurierung des Hauses und die Gestaltung wurde in größtmöglicher Annäherung an die Traditionen von engagierten Mitgliedern des Fördervereins Lügde unterstützt. Bis heute setzten sich Mitglieder des Vereins vorbildlich für die Belange des Heimatmuseums ein. Im Museum gibt es in der ersten Etage ein Café, in dem der Kuchen hervorragend schmeckt. Der Besuch lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht. Eine lange Tradition in Lügde, die auch Stadt der Osterräder genannt wird, hat der Lauf der brennenden Strohräder zu Ostern. Am Ostersonntag geht zunächst ein Umzug mit den zentnerschweren gewässerten Eichenrädern durch die historische Altstadt. Zunächst von Pferden, später von Treckern gezogene Wagen transportieren die schweren Räder auf den Osterberg. Die mit Roggenstroh und Haselnusszweigen gefüllten Räder, werden abends angezündet und rollen dann nacheinander funkensprühend nach einem alten Brauch den Osterberg hinunter. Kommen die Räder gut unten an, soll das auf eine gute Ernte im Jahr hinweisen. Den Abschluss der Veranstaltung bildet ein Höhenfeuerwerk. Der Osterräderlauf, wird von vielen Bürgern Lügdes, die dem Dechenverein angehören, ermöglicht und gefördert und wurde inzwischen zum Immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Dieses Ereignis zieht jedes Jahr sehr viele Besucher an. Nicht nur zu Ostern sondern das ganze Jahr über können Wanderer in Lügde Urlaub machen, da die kleine Stadt im Weserbergland, die zu Nordrhein-Westfalen gehört, eine hügelige, waldreiche Umgebung hat und viele Wanderwege von hier ausgehen oder vorbeiführen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Region Weserbergland sich attraktiv für die Besucher mit all ihren Schätzen aufgestellt hat. Wer sich auf einen Urlaub in Deutschland freut, findet hier eine gastfreundliche Region mit zahlreichen Möglichkeiten den Urlaub abwechslungsreich zu gestalten.

Bürgerreporter:in:

Christian Kolb aus Essen

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