Mit Hartz, doch ohne Verstand
So alt waren sie, Edda und Franz, eigentlich noch nicht. Sie war Mitte Fünfzig und er zwei Jahre älter. Sie hatten sich in ihrem Leben nichts zu Schulden kommen lassen, außer, dass er mit vierundfünfzig arbeitslos wurde. Das ist nun drei Jahre her. Die Aussicht auf eine neue Stelle war schlecht. Das Alter, sein Alter. Also ging er zum Amt. Arge hieß die Stelle, die ihn mit dem Nötigsten versorgen sollte. Ein bitterer Weg. Nummer ziehen, warten. Dann Fragen, gestellt von einer mürrischen, müde wirkenden Mitarbeiterin. Formulare mussten ausgefüllt werden. Ein mühsames Unterfangen für jemanden der gewohnt war, anzupacken, der den Bleistift meist nur zur Hand nahm, um einen Lottoschein auszufüllen. Doch auch diese Hürde schaffte er. Pünktlich zum Ersten des Monats bekamen sie, Edda und Franz, ihre “Stütze”, wie sie die Zuwendung nannten, aufs Konto überwiesen.
Sie schämten sich. Niemandem erzählten sie von ihrem Los, obwohl auch andere davon betroffen waren.
Doch dann eines Tages erhielten sie Post von der Arge.
Man teilte ihnen mit, dass sie umzuziehen hätten.
Edda und Franz waren zunächst sprachlos - und dann entsetzt! Beide!
Sicher, das Geld für die Miete hatte das Amt zusätzlich zu dem, was für den Lebensunterhalt gedacht war, stets mit überwiesen. Das sollte sich nun ändern, teilt die Behörde mit.
“Entweder Sie versuchen unterzuvermieten, oder Sie sprechen mit Ihrem Vermieter, dass er Ihnen einen bestimmten Betrag von der Miete erlässt, oder Sie suchen sich eine neue Wohnung.”
Lapidar formuliert, unpersönlich in der Anrede. Behördensprache. Die Obrigkeit.
Franz, der den Brief geöffnet hatte, ließ das Schreiben sinken. Wie unter einem Zwang folgte sein Kopf.
“Melden Sie bitte Ihre Bemühungen umgehend Ihrer Betreuerin”, hatte er noch vor Augen. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Betreuerin, dachte er und überlegte, was damit gemeint sein könnte. Er war zwar regelmäßig zum Amt gegangen, hatte vorgesprochen, wie es so schön heißt, er hatte auf die Wand mit den vielen Zetteln geschaut, versucht, sich einen passenden Job zu suchen. Doch stets stand dort geschrieben: “... suchen wir einen jüngeren Mitarbeiter / jüngere Mitarbeiterin.” Franz war, wie gesagt, siebenundfünfzig. Eigentlich kein Alter um sich auszuruhen.
Aber dennoch: zu jung für die Rente, zu alt für einen Job.
Und für die Kiste..?
Edda, sie hatte drei Kinder geboren und großgezogen, war nie wirklich berufstätig gewesen, wenn man von kleineren Tätigkeiten mal absah, saß niedergeschlagen am Küchentisch. Sie war völlig durcheinander, konnte keinen klaren Gedanken fassen. In ihrem Kopf drehte sich alles: Miete - Geld - ausziehen - keine Wohnung!
Im Alter drohte nur die Obdachlosigkeit, dachte sie.
Die Kartoffeln, die auf dem Herd standen, brannten an. Den Geruch bemerkte keiner der beiden. Erst als es wirklich zu spät war, als nichts mehr zu retten war, merkten sie es.
Sie öffneten das Küchenfenster, um den Gestank hinaus zu lassen.
Es war draußen schon recht kühl geworden. Nun drang die Kälte in ihre Wohnung. Edda schloss das Fenster.
Beide vermieden, sich anzusehen. Was hätten sie auch sehen sollen? Es gab nichts zu sehen. Und was hätten sie sagen sollen? Es gab auch nichts zu sagen. Was hätten sie tun können? Gab es noch was zu tun?
Sie hatten einen Gasherd in der Küche.
Im Haus gab es kaum Kontakt. “Guten Tag und guten Weg”, mehr war nie gesagt worden.
Es dauerte seine Zeit, bis das Amt den nächsten Brief schickte. Nur, der erreichte weder Edda noch Franz.
Die Nachbarn sagten später dem Journalisten, als das Fernsehen da war, sie, die hier gewohnt hätten, seien eigentlich ganz ruhige, nette Leute gewesen. Nein, erklären könnten sie sich das nicht. Einfach sich davon machen. Aber so ist das nun mal. Nichts dran zu ändern.
Der Pfarrer, dem wie immer in solchen Fällen das Letzte oblag, fand kaum Worte. Woher hätte er sie auch nehmen sollen.
Und das Amt, die Arge?
Das Amt schloss den Vorgang, brachte die Akte ins Archiv.
Ein ganz normaler Vorgang, wie er jeden Tag vorkommen kann.
Mehr? Dann "www.eulenspiegeleien.de"
Traurige Geschichte!
So könnte es tatsächlich zugehen :-(
In was für einer Welt leben wir?!
Menschen die 30 oder 40 Jahre am Stück gearbeitet haben werden vom Staat zum Sozialfall gemacht.
Einfach so!
Ob 30 Minuten oder 30 Jahre sollte dabei keine Rolle spielen...
Also das sehe ich ja doch differenzierter.
Menschen die jahrzehntelang gearbeitet und die Kassen durch ihre Hilfe mit aufgefüllt haben, haben es alle mal mehr verdient besser unterstützt zu werden als die genügend Arno Dübel´s die in unserem Land leben.
Warum haben sie es mehr verdient?
Dachte, es ginge um soziales Verhalten und Hilfe bei Bedürftigkeit. Das muss man sich also verdienen?
Und wo die Grenze ziehen?
Und was sind "Arno Dübels"?
Dann google doch mal nach Arno Dübel.
Dann weißt Du was ich meine, kleines Anderl :-))
*rumgoogle*
Ach, sowas... k.A. ob der echt ist und wenn, was hinter seiner Geschichte steckt... aber mit dem willst du Leute vergleichen, die z.B. aus Krankheitsgründen kaum arbeiten konnten oder Eltern, die zuhause blieben und nie gearbeitet haben...?!?
Lies das was ich wirklich geschrieben habe und dreh mir nicht die Wörter um.
Das bezog sich doch auf deine Aussage "Menschen die jahrzehntelang gearbeitet und die Kassen durch ihre Hilfe mit aufgefüllt haben, haben es alle mal mehr verdient besser unterstützt zu werden" ;)
Besser unterstützt zu werden als die sogen. Arno Dübel´s die überhaupt nicht wollen und keinen Bock haben zu nix.
Die von Talkshow zu Talkshow rennen und sich damit auch noch brüsten wie spitzfindig sie doch seien.
Du kannst doch nicht einen Arno Dübel mit einem Familienvater oder Mutter vergleichen der 2-3 Kinder großgezogen hat und 30 Jahre in ein-und derselben Firma gearbeitet hat und plötzlich vor dem Nichts steht.
Die Arno Dübels dieser Welt sollen ihre Grundsicherung bekommen aber die von mir angesprochene Seite sollte mehr bekommen.
Das wäre mehr als gerecht!
Von Kranken oder Schicksalsgebeutelten Menschen habe ich hier gar nicht gesprochen.
Ich kenne aber deren Hintergrundgeschichte nicht!
Ist der "Arno" wirklich so ein Arsch?
Ist dein Beispielfamilienvater wirklich so nett (oder wonach auch immer du urteilst), dass er deshalb sogar mehr verdient hat?
Keiner weiß das!
Und wieso über mehr und weniger, wenn es doch um Bedürftigkeit und soziales Miteinander und Hilfe geht?
Bedürftigkeit ist Bedürftigkeit und das Ermitteln sollte nicht von persönlichen Vorlieben abhängig sein, sonst kommt es schnell zu ideologischen Ungleichbehandlungen - heute bekommt der Willi mehr als der Arno - morgen vielleicht schon der Christ mehr als der Jude oder der Weiße mehr als der Schwarze.
Ich kann nachvollziehen, dass man den angeblich Netten den Flachbild-Fernseher gönnt und dem Fiesen nicht mal die Wurst auf dem Brot - aber das kann schnell ausufern - s.o.
Also Du bringst hier ja wieder Argumente die ich nicht nachvollziehen kann!
Ich will auch mit Dir darüber nicht diskutieren, weil es uns nicht nach vorne bringt :-))
Was Du schon wieder schreibst, habe ich nie gesagt noch gedacht.
Aus und Platz.......!
Ich weiß nicht, was du nicht nachvollziehen kannst - aber es zwingt dich ja auch niemand dazu ;)
> "Was Du schon wieder schreibst, habe ich nie gesagt noch gedacht."
Aber ich. Ist halt meine Meinung zu dem Thema ;)
GG Art.1
Die Würde des Menschen ist unantastbar......
...doch dieser Staat und all dessen willigen "Helfer" in all diesen Ämtern trampeln Tag für Tag auf diesem Grundrecht herum.
Silke und Andreas ringen so ziemlich allein auf weiter Flur ellenlang um im Grunde nebensächliche Formulierungen und kleine Empfindensunterschiede ...
warum nur? Waldemar sagt es doch in dem einen von ihm zitierten Satz.
Wenn die Mißachtung der Menschenwürde in Deutschland als Straftat gewertet würde - die Knastkapazität wäre unendlich zu gering und die Büros bestimmter Ämter leer. Die in den Regierungszentren zuvorderst.
> "Silke und Andreas ringen so ziemlich allein auf weiter Flur ellenlang um im Grunde nebensächliche Formulierungen und kleine Empfindensunterschiede ...
warum nur? Waldemar sagt es doch in dem einen von ihm zitierten Satz."
Puh, das ist ja ewig her ;) *nachles*
Es gehört doch auch zur Würde, gerecht behandelt zu werden... und wenn es um Grundsicherung und Existenzminimum geht, sollte das sachlich geregelt werden und eben alle gleich behandelt werden... ob jemand nun Kinder hat oder nicht oder ob er 10 oder 40 Jahre gearbeitet hat, spielt doch im Notfall gar keine Rolle... das Brot bei Aldi wird nicht billiger, weil man kürzer gearbeitet hat...
> "Wenn die Mißachtung der Menschenwürde in Deutschland als Straftat gewertet würde - die Knastkapazität wäre unendlich zu gering und die Büros bestimmter Ämter leer. Die in den Regierungszentren zuvorderst."
Ja, wahre Worte.
Aber wir wollen es ja so... wir lassen sie gewähren... wir sind ja schließlich auch mit diversen Vorurteilen gesegnet - und die Behörden leben das halt nach...
Irgendwie kann ich nur immer leise mein Haupt hin- und herbewegen, wenn ich unablässig lese: WIR wollen es ja so ....
Für mich kann ich mit Bestimmtheit sagen: Ich will es nicht so!
> "Für mich kann ich mit Bestimmtheit sagen: Ich will es nicht so!"
Sag ich auch immer ;)
Hartz4 hat nun endlich auch jemanden aus unserer Familie erwischt!
Wer in dem Rädchen dieser Machenschaften nicht einmal selbst Erfahrungen gemacht hat, weiß überhaupt nicht was da so alles läuft!
Jedenfalls ist dieser Fall in der Familie so unglaublich, dass wir versuchen werden es öffentlich zu machen!
Macht es öffentlich
traut Euch
und wenn Fragen auftauchen
oder Unklarheit herrscht
meldet Euch
getrost bei mir
> "Wer in dem Rädchen dieser Machenschaften nicht einmal selbst Erfahrungen gemacht hat, weiß überhaupt nicht was da so alles läuft!"
Wenn man sich in die Lage versetzt, kann man das auch so nachvollziehen.
Hingegen werden jene, die meinen "für die faulen Säcke sei Hartz noch zu human", sicher nur durch eigene Erfahrungen schlauer.
Aber manche auch dann nicht... die heulen zwar rum wenn es sie auch erwischt, aber lernen nicht dazu und hetzen weiter gegen andere Arbeitslose (sie selbst sind ja völlig unverschuldet Hartzer ;))




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