Najmodin, der Afghane

 
Zeichen für Hilfsorganisation im Islam, gleichbedeutend mit Roter Halbmond
 
Alle auf der Flucht?

Dies ist mein zweiter Roman, veröffentlicht als Printbuch ISBN 978-3-7418-5715-7 sowie 978-3-7418-5576-4 oder e-book 978-3-7418-5631-0



Dieses Buch hat 230 Seiten.

Najmodin, der Afghane, ist die Geschichte der Flucht einer jungen Afghanischen Familie ,ausgehend von Kundus über Kabul, Kandahar und Herat in den Iran. Weiter geht es, teils zu Fuss, teils mit Auto oder Eisenbahn in die Türkei, dann über die Balkanstaaten bis vor die Stacheldrahtverhaue mancher Länder, bis sie nach drei Monaten in Deutschland ankommen.

Inhalt:

Prolog; Die Gotteskrieger; Die Flucht, das letzte Mittel zum Überleben; Fluchtgedanken; Im Iran oder Persien; Durch die Türkei; Griechenland; Mazedonien; Montenegro, das Land der Skipetaren; Bosnien-Herzegowina; Kroatien; Slowenien; Deutschland, wir kommen; Epilog

Leseprobe von Najmodin: Durch die Türkei.


Die Grenzsperrung ist natürlich wie ein gefundenes Fressen für einige Einwohner aus Urmai. Sie verdienten sich nicht wenige Rial von illegalen Grenzgängern zu ihrem kargen Verdienst dazu. Wenn sie überhaupt Arbeit haben, denn viele Menschen hier sind arme Tagelöhner.
Auch wir mussten zahlen, aber dafür kam ein kundiger Iraner mit und führte uns in weitem Bogen am türkischen Grenzort Esendere vorbei. Nach mehreren Kilometern durch wild wachsenden Wald und Sümpfe erreichten wir die Hauptstraße Nr. D 400, wo der Mann uns anderen Schleppern aus der Türkei übergab. Sie arbeiten Hand in Hand. Es sind kurdisch-stämmige Türken, die für ein autonomes Kurdistan kämpfen. Sie brachten uns in einem Auto bis Van am Vansee, wo wir in einer verborgenen Hütte für zwei oder drei Tage Unterschlupf finden sollten.
Eine Notunterkunft, nur zu erreichen auf geheimen Pfaden. Sie diente manchmal auch Kurden als Versteck und Zuflucht, die ihr Recht auf Eigenstaatlichkeit erkämpfen wollen und deshalb an Anschlägen beteiligt waren. Die Schlepper, die uns hierher gebracht haben, erzählten uns das. Sie kennen sich im Grenzgebiet aus und sprechen etwas Farsi.

Wir können es zwar kaum verstehen, schon gar nicht unterstützen, dass blutige Attentate verübt werden und dabei auch immer wieder Zivilisten ums Leben kommen. Doch davon sagten wir nix, wir wollten uns die Gastfreundschaft dieser Leute keinesfalls verderben. Andererseits haben wir Verständnis, wenn ein Volk aus seiner Unterdrückung herauskommen will. Wir, die wir vor den Taliban flüchten, erleben es gerade am eigenen Leib, wie schwer es ist, keine Selbstbestimmungsrechte zu besitzen.
Von den Schleppern wurden wir sogar mit Lebensmitteln versorgt - das wäre im Preis mit drin, wie sie lachend erklärten. Es ist eine überschaubare Summe, die wir gezahlt haben. Mehr oder weniger nur eine finanzielle Unterstützung für ihren Kampf gegen den türkischen Präsidenten Erdogan, der sich immer eindeutiger zu einem Diktator unter demokratischem Deckmantel entwickelt.
Einen eigenen Staat werden die Kurden kaum bilden können, denn dazu leben sie zu zerstreut in Teilen der Türkei, von Syrien und dem Irak. Doch man könnte ihnen autonome Selbstverwaltung einräumen, das würde vermutlich ihre Aggressivitäten eindämmen und sie befrieden.
Wir fühlten uns trotz der einfachen Ausstattung in der Hütte wohl. Indessen mussten wir uns ruhig verhalten, nicht von der Unterkunft entfernen, allenfalls hinter hohen Büschen in der Sonne liegen. Die Verhaltensregeln, auf die wir im eigenen Interesse eingeschworen werden, kamen uns sehr entgegen.
In gewisser Weise erinnern wir uns hier an die Heimat. Die Tage hier reichten aus, uns physisch, aber auch psychisch zu erholen. Wir rekelten uns in der Sonnenwärme und träumten von einem angenehmen Leben ohne Bombenattacken.
Nach drei Nächten ging es dann weiter, man brachte uns auf einem verschlungenen Pfad, den wir alleine nicht gefunden hätten, an die Anlegestelle der Eisenbahnfähre. Sie dient gleichzeitig als Eisenbahn, -Auto und Personenfähre über den großen See. Angst vor Entdeckung brauchten wir in der Abgeschiedenheit des Kurdenverstecks nicht zu haben, und daher traten wir unbehelligt die Überfahrt wie vorgesehen an.
In Tatvan bekamen wir problemlos ein Ticket zur Hauptstadt Ankara, zwar wieder in einem Bummelzug der 3. Klasse, der auf jeder Station einen Aufenthalt hat, aber es ging voran gen Westen. Nach den vielen Teilabschnitten, die wir zu Fuß zurücklegen mussten, konnten wir jetzt mal eine längere Strecke mit einem schnaufenden Zug fahren. Auch an die Schnelligkeit der Fahrt hatten wir uns mittlerweile gewöhnt.
Fast 1000 Kilometer betrug die Entfernung bis Ankara, wir würden zweimal umsteigen müssen, in Elãszig und in Kayseri. In der Provinzhauptstadt kamen wir in der Nacht nicht weiter, in einem Bahnhofwartesaal schlugen wir uns die Stunden um die Ohren. Aber wir haben wenigstens ein Dach über dem Kopf, denn draußen regnete es stark und unaufhörlich. Es gab auch frisches Wasser und Toiletten. Wir setzten, keinesfalls ausgeschlafen, am folgenden Morgen die Fahrt nach Ankara fort. Einige Proviantreste aus dem Schlepperentgelt haben wir noch nicht verzehrt, das war jetzt unser Frühstück.
Stunden sind wir wieder unterwegs, trotz des immerwährenden Rüttelns konnten wir zwischendurch zeitweise schlafen. Weichenüberfahrten und die ständigen Schienenstöße ließen uns aber immer mal aufschrecken. Wenn wir die Strecke zu Fuß oder mit Autostopp - and -go hätten bewältigen müssen - wir würden nie in Europa ankommen. Auf wessen Rat haben wir uns eigentlich verlassen, als wir vor lauter Verzweiflung die Flucht planten?
Ich meine, mich zu erinnern, dass es ein deutscher Soldat war, der uns die grobe Route beschrieben hat. Die Details mussten wir uns anschließend selbst zusammenstellen. Dabei hat uns der Familienrat geholfen.
In Afghanistan bestehen noch starke Familienbande, ganz besonders auf den Dörfern. Der Rat eines Familienältesten wird respektiert; auch wenn sich herausstellen sollte, dass der Hinweis falsch gewesen ist. Die Respektsperson wird nicht dafür verantwortlich gemacht. Dann war es eben Allahs Wille!
Ankara ist bekanntlich die Hauptstadt der Türkei. Wir hörten über das Internet, dass hier in letzter Zeit immer wieder Bombenattentate verübt werden............................
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