Gedichtserie. Heute: Freitag

Freitag

Freitag morgen, zehn Uhr dreißig
-ich war grad in der Werkstatt fleißig-
da kam ein Anruf aus dem Phon:
„Ich kenn Sie aus der „Weltbild“ schon“

Ich dachte mir, dich tritt ein Pferd,
von der Frau hab ich nie gehört.
Doch langsam dämmerts, ich werd wach,
ich hab ganz schnell mal nachgedacht:
ich habe ja vor vielen Wochen
an Lenz geschrieben, dieses Blatt,
das ältre Leute glücklich macht.

So ganz spontan und ohne Phrasen
ergab sich dann durch diesen Talk,
wir könnten mal nach Kassel rasen,
und nicht erst später, sondern bald.

Das Bald war dann der nächste Tag.
Wir trafen uns in Wülferode,
man weiß noch nicht,ob man sich mag.
Wir sprachen nicht nur über Mode.

Einmal nach Kassel und zurück,
dazwischen ein Besuch der Messe,
vielleicht beginnt ein neues Glück,
vielleicht krieg ich eins in die Fresse?

Wir trafen uns in Wülferode,
wir trennten uns auch dort.
Wir hatten manche gleiche Chose-
Ich hoff`´, das Ganze setzt sich fort.

Und heute schon kann ich berichten,
es folgen weitere Geschichten.
Denn, kaum zu Hause angekommen,
hab ich den Hörer gleich genommen,
die Nummer kannte ich ja schon.

Ich hörte gleich am Gegenton
daß sie ja wohl gewartet hatte, so,
als wäre ich schon längst ihr Gatte.

Wenn ich die Situation bedenk,
dann war der Tag wie ein Geschenk.
Nach langer,langer Einsamkeit
macht sich ein Hauch von Glück schon breit.

Ein Treffen auf der Autobahn
das regt zu weitren Taten an.
Doch wir gehören zu den Alten,
da ist alles etwas verhalten.

Mal sehn, ob in den nächsten Wochen
das Blut in uns beginnt zu kochen.
Denn neue Liebe, neues Glück
das bringt der Frühling doch oft mit.

Ich werde Weiteres berichten,
doch sicher keine Bettgeschichten.
Denn wie sagt weiland Schiller schon:
Dis-kretion gehört zum Ton.

Und weil wir auseinander wohnen,
müssen wir Recourcen schonen.
Sie lebt bei Uelzen, ich in Breem,
wir können uns nicht täglich sehn.

Doch Gott sei dank, die Technik bringts,
man klickt nur auf die rechten Links
und schon, so wie von Geisterhand,
bin ich bei ihr, und sie bei mir.
Das nennt man „beamen“ hier im Land.

Man kann das Leben kaum verstehn,
wie Dinge wenden sich und drehn.
Wir beide sind vom Stamm der Jungfrau
und haben uns noch nie gesehn,
wir sind fast auf den Tag genau
geborn, im gleichen Jahr ist es geschehn,
und haben beide schon entdeckt,
daß Reisen uns besonders schmeckt.

Es muß nicht immer Bali sein,
auch Goslar oder Suhl ist fein.
Im Juni wollen wir versuchen,
das Balticum mal zu besuchen.

So wie vorher in andern Ländern
möcht ich die Situation dort ändern,
indem ich, mit dem SES,
beruflich dort die Leute fördre,
damit es ihnen besser geht
und Mensch zu Mensch sich gut versteht.

Es ist zwar nicht normale Art,
daß man dann aufkreuzt mit `nem Part,
doch läßt`s sich regeln dann und wann
und man erscheint als Frau und Mann.

Soweit sind wir zwar jetzt noch nicht
auf unsre Kinder muß man hören,
es hat erhebliches Gewicht
wenn die sich an uns stören.

So`n Quatsch, was gehn die Görn uns an,
wir machen das, was uns gefällt,
und ,wenn die Lust uns überfällt
bereisen wir die ganze Welt.

Wir haben uns durch „Lenz“ gefunden,
„der“ Lenz verspricht uns schöne Stunden,
und wenn es wieder Winter wird
kann man vielleicht schon sagen:
Das Abo hat sich doch gelohnt,
auch andre sollten`s wagen.

Zum Schluß möcht ich noch kurz erklären,
warum Sie jetzt schon von uns hören.
Zwar hat sie einen Brief geschrieben,
doch der wird noch bei „Lenz“ jetzt liegen.
Aus dem Computer nahm sie sich
von meiner Homepage frank und frei
die Anschrift. Jetzt sind wir dabei
zum dritten Male uns zu sehn.
Man kann der Post auch Schnippchen drehn.

WS
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