Wie der Flüchtlingsstrom sich auf den Arbeitsmarkt auswirkt 26.08.2015

Wie Flüchtlinge sich auf den Arbeitsmarkt auswirken. Lange Verfahren bei den Asylanträgen von Flüchtlingen verhindern eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt. Lange Verfahren bei den Asylanträgen von Flüchtlingen verhindern eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt.
Flüchtlinge dürfen laut Gesetz eigentlich nach drei Monaten arbeiten. Doch die Bürokratie ist langsam. Das führt zu mehr Kosten für das Hartz-IV-System und erhöht die Zahl der Arbeitslosen. Auch deswegen wird Deutschland wohl im Herbst eine symbolträchtige Marke verfehlen.
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Die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge benötigen nicht nur eine Unterkunft - auch am Arbeitsmarkt sollen sie unterkommen. Beamte im Bundesarbeitsministerium und eine Arbeitsgruppe in der Bundesagentur für Arbeit (BA) versuchen mit Hochdruck, die Kosten für das Hartz-IV-System und den Bedarf an zusätzlichen Jobvermittlern zu errechnen.
Nur ein kleiner Teil arbeitet tatsächlich
Allein auf den Etat von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) könnten 2016 Mehrausgaben von mindestens einer Milliarde Euro zukommen. Experten sehen mit Sorge, dass die Integration in den Arbeitsmarkt nur langsam gelingt. "Von den erwarteten 800.000 Flüchtlingen kommt nur ein relativ kleiner Teil am Ende im Arbeitsmarkt an", sagte der Zuwanderungsexperte Herbert Brücker. "Das ist natürlich auch ein Problem."
Der Flüchtlingsstrom etwa könnte dafür sorgen, dass der Arbeitsmarkt im Herbst eine symbolträchtige Marke verfehlt, die er seit 24 Jahren nicht genommen hat. Spätestens im Oktober fällt die amtliche Arbeitslosenzahl erstmals seit 1991 wieder unter die Marke von 2,7 Millionen, wenn der Rückgang der Erwerbslosigkeit von Juni bis Oktober ähnlich hoch ausfällt wie in den Vorjahren. Doch nun suchen Monat für Monat Zehntausende Flüchtlinge Zuflucht in Deutschland vor Krieg und Vertreibung oder vor wirtschaftlicher Armut in ihrer Heimat. Ein Teil von ihnen vergrößert die Zahl der Arbeitslosen.

Erst inländischer Bewerber, dann Flüchtling
Trotzdem könnte es mit weniger als 2,7 Millionen Menschen registrierten Arbeitslosen noch klappen. Das liegt auch daran, dass es eine Weile dauert, bis Flüchtlinge in der Statistik als Arbeitslose auftauchen. Zwar sind über 70 Prozent der Neuankömmlinge im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Doch frühestens nach drei Monaten dürfen sie sich nach einem Job umsehen, den sie auch nur bekommen, wenn sich dafür kein inländischer Bewerber findet. Einen unbegrenzten Arbeitsmarktzugang haben nur anerkannte Asylberechtigte und Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht - etwa ein Drittel der Asylerstantragsteller.
Im Herbst wird die Bundesregierung ihre neue Prognose für die Entwicklung des Arbeitsmarkts 2016 vorstellen, die auch die steigenden Flüchtlingszahlen berücksichtigt. Von der "Bild" am Mittwoch verbreitete Zahlen wurden im Arbeitsministerium als veraltet zurückgewiesen - sie entstammten der Konjunkturprognose vom April und dienten als Grundlage für die Aufstellung des Haushaltsentwurfs 2016.
Für die neue Prognose werden die Flüchtlinge weitaus weniger bedeutsam sein als die für die deutsche Exportwirtschaft wichtigere Entwicklung der Wirtschaft in China und der Geldpolitik in den USA. Womöglich heißt es im kommenden Jahr: Steigende Arbeitslosigkeit trotz gleichzeitig weiter zunehmender Beschäftigung, weil mehr Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Schlechte Qualifizierung macht Probleme
Zur Bewältigung des drohenden Fachkräftemangels als Folge des Bevölkerungsschwunds können Flüchtlinge vorerst wenig beitragen. Über die Hälfte von ihnen hat nach früheren Untersuchungen keinen Berufsabschluss. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der seit Monaten ein Einwanderungsgesetz zur gezielten Fachkräfte-Zuwanderung fordert, sagte am Dienstag bei einer Diskussion in Magdeburg: "Hier sind auch Analphabeten dabei, nicht nur gut ausgebildete Ingenieure."
Der Zuwanderungsexperte Brücker plädiert für eine schnellere Integration der Flüchtlinge. "Das Beunruhigende ist eigentlich, dass so viele Menschen vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden", sagt der Wissenschaftler des IAB-Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit (BA). "Der Teil, der im Arbeitsmarkt ankommt, ist eher gering. Das ist das, was mich eher besorgt."

Bundesagentur rät Unternehmen zur Beschäftigung von Flüchtlingen
Die Kosten für die Haushalte steigen mit der Zahl der Monate und Jahre, in denen Flüchtlinge nicht erwerbstätig sind. "Je länger sie vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden, um so mehr gewöhnen sie sich wie alle anderen Arbeitslosen an den Leistungsbezug, und um so schwieriger wird es, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren", warnt Brücker.

Die BA hat Unternehmen zur Beschäftigung von Flüchtlingen geraten. Sie brächten oft berufliche und soziale Kompetenzen aus ihren Herkunftsländern mit. Diese Potenziale sollten Firmen nutzen, betonte die Bundesagentur in einer Broschüre. "Nur durch eine arbeitsmarktliche Integration kann auch eine gesellschaftliche Integration von Dauer sein", erklärte BA-Vorstand Raimund Becker.
Quelle:http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_75193996...
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4 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 27.08.2015 | 17:49  
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Elfie Haupt aus Einbeck | 27.08.2015 | 19:44  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 27.08.2015 | 23:03  
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