"Was ist das denn für eine Haltung?" - Erdogan empört sich über de Maizières Vorschlag 4.9.2015

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat einen Plan: Er will ein Flüchtlingslager in der Türkei aufbauen, damit schon dort entschieden wird, wer Asyl erhalten darf. Das kommt beim türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan gar nicht gut an und liefert sogleich eine Steilvorlage für seinen Wahlkampf für die Parlamentswahlen im November.
Nach seinem Eindruck will der deutsche Minister, dass sich Deutschland unter syrischen Flüchtlingen in der Türkei einige zur Aufnahme aussuchen könne, sagte Erdogan dem US-Fernsehsender CNN. "Was ist das denn für eine Haltung? Das kann man nicht verstehen", sagte er, ohne de Maizière beim Namen zu nennen.
Wie sein Land könnten auch europäische Staaten die ankommenden Flüchtlinge aufnehmen, wollten dies aber verhindern, "koste es, was es wolle". Europäische Politiker sollten gemeinsam handeln und den Flüchtlingen "eine Chance geben, sich zu retten".
Flüchtlinge zu Fuß auf der Balkanroute


Mehr als drei Wochen sind die Familien unterwegs. In Damaskus gehörten sie zur Mittelschicht. Video
In dem Interview sagte Erdogan auch, er habe beim Anblick des Fotos des toten Flüchtlingskinds Aylan geweint. Er habe das Bild des toten Aylan zum ersten Mal im Kreis seiner Familie mit seinen Kindern und Enkelkindern gesehen. "Wir waren am Boden zerstört", sagte er. "Wir fragten uns: Wo ist das Gewissen der Menschheit? Es ist ein dreijähriges Kind." Die Leiche des Jungen war nach dem Untergang eines Flüchtlingsboots am Mittwoch an einen türkischen Strand gespült worden. Das Bild des toten Kinds löste weltweit Bestürzung aus.
Registrierungszentrum in der Türkei
De Maizière hatte vorgeschlagen, die EU solle ein großes Flüchtlingslager in der Türkei bauen und finanzieren, um auf türkischem Boden entscheiden zu können, welche Hilfesuchende nach Europa kommen dürften.

Die Türkei selbst betreibt bisher 25 Flüchtlingslager, die teilweise von der UNO finanziert werden. Die finanzielle Unterstützung für die Flüchtlinge übernehmen die türkischen Behörden.
"Europa hat das Mittelmeer in einen Grab verwandelt"
Nach dem Verlust der Regierungsmehrheit bei den Parlamentswahlen im Juni setzt Erdogan für die Neuwahlen im November diesmal offenbar auf emotionale Themen. Bereits am Donnerstag sagte er: "Im Mittelmeer sind nicht nur Flüchtlinge ertrunken. Im Mittelmeer ist unsere Menschlichkeit ertrunken, unsere Menschlichkeit!"
Erdogan bekräftigte in dem Interview, er gebe der westlichen Welt die Schuld an der Flüchtlingskrise. "Europa hat das Mittelmeer in einen Grab verwandelt und trägt eine Mitschuld an dem Tod jedes einzelnen Flüchtlings. Wir haben zwei Millionen Hilfesuchende innerhalb weniger Wochen aufgenommen und werden es weiter tun." Bei seinen Wählern kommt das gut an.
3000 neue Flüchtlinge in Ungarn
Indes sind in Ungarn in den letzten 24 Stunden mehr als 3000 neue Flüchtlinge angekommen. Das teilte die Polizei in Budapest mit. Etwa 500 protestierende Flüchtlinge haben die Nacht am Bahnhof im ungarischen Bicske im Zug verbracht. Sie wehren sich seit Donnerstagmittag gegen ihren geplanten Transport in ein Flüchtlingslager. Nach Polizeiangaben nehmen sie das von den Beamten angebotene Essen und Trinken weiterhin nicht an.
Elf Schlepper seien im selben Zeitraum festgenommen worden. Ungarn will den neuen Zaun an der serbischen Grenze vom 15. September an verstärkt mit Militär und Polizei kontrollieren. Am Freitag sollte das Parlament über entsprechende Gesetzesänderungen abstimmen.
UNO fordert Verteilung von 200.000 Flüchtlingen auf EU-Staaten
UN-Flüchtlingskommissar António Guterres hat die Europäische Union aufgefordert, bis zu 200.000 Flüchtlinge auf ihre Mitgliedstaaten zu verteilen. "Menschen, die einen anerkannten Schutzanspruch haben, müssen von einem Massenverteilungsprogramm profitieren, an dem sich alle EU-Staaten verpflichtend beteiligen", sagte Guterres.
In der EU herrscht derzeit Uneinigkeit über die Verteilung der Flüchtlinge. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Mitgliedstaaten vorschlagen, weitere 120.000 Flüchtlinge umzuverteilen.
Ein Plan der EU-Kommission, erste 40.000 Flüchtlinge, die in Italien und Griechenland ankamen, über verpflichtende Quoten auf alle EU-Staaten zu verteilen, war im Juni am Widerstand einer Reihe osteuropäischer Staaten und Großbritanniens gescheitert. Vereinbart wurde im Juli lediglich die Verteilung von 32.000 Menschen auf freiwilliger Basis.
Quelle: http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/...
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2 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 04.09.2015 | 15:43  
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Heinz Kolb aus Gelsenkirchen | 04.09.2015 | 17:41  
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