Griechische Forderung nach Entschädigung - Der Bankraub der Nazis 02.02.2015

Bei einer Demonstration in Athen im Jahr 2011 wurden bereits Forderung nach Reparationszahlungen Deutschlands aus dem Zweiten Weltkrieg laut (Quelle: dpa)
In Athen kursieren Gedankenspiele, deutsche Schulden aus dem Jahr 1942 zurückzufordern. Doch nicht nur in Griechenland, überall in Europa haben die Finanzexperten der Nazis mit perfiden Methoden besetzte Staaten ausgeplündert.

1942 vergab die griechische Nationalbank eine Anleihe an das Deutsche Reich. 476 Millionen Reichsmark, die Deutschland nie zurückgezahlt hat. Immer mal wieder, und besonders seit in Griechenland die neue Regierung unter Alexis Tsipras an der Macht ist, kursiert in Athen die Idee: Könnte man das Geld nicht zurückfordern, so das Loch im griechischen Staatshaushalt stopfen und zugleich den unbeliebten Deutschen eins auswischen?
Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat den Wert der Anleihe inklusive Zinsen 2012 mit 8,25 Milliarden Dollar veranschlagt. Ein griechisches Regierungsgutachten kommt auf elf Milliarden. Diese Größenordnung würde reichen, um Tsipras zumindest eine Atempause zu verschaffen.

Die Bundesregierung vertritt jedoch den Standpunkt, alle Ansprüche Griechenlands auf Kriegsreparationen seien abgegolten oder erloschen, spätestens seit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990. Wirklich eindeutig ist die Rechtslage zwar nicht, aber gegen den Willen der Bundesregierung wird Tsipras zumindest kurzfristig nicht an das Geld kommen. Sein Haushaltsloch muss er anders stopfen.

Subtile Raubpolitik der Nazis
Doch die Debatte wirft ein Schlaglicht auf ein wenig bekanntes Kapitel der Nazi-Geschichte. Dass Deutschland die im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete mit unfassbarer Brutalität ausplünderte, darüber weiß inzwischen fast jeder Bescheid.
Doch neben Verschleppung, Zwangsarbeit, Enteignung und millionenfachem Hungertod gab es noch eine subtilere Raubpolitik der Nazis: Die Geld- und Finanzpolitik des Deutschen Reichs war systematisch darauf ausgerichtet, sich bei den Finanzministerien und Notenbanken der besetzten Staaten zu bedienen - und nebenbei deren Währungen zu ruinieren.
Die wichtigsten Instrumente bei diesen Weiße-Kragen-Verbrechen der Nazis waren:
Überhöhte Besatzungskosten
Die Haager Landkriegsordnung erlaubt es prinzipiell, besetzten Ländern die Kosten für die eigene Militärpräsenz aufzuerlegen. Doch nach Erkenntnissen des Historikers Götz Aly, Autor des Standardwerks "Hitlers Volksstaat", verlangten die Nazis vielfach drastisch überhöhte Besatzungskosten. In Griechenland beanspruchten die deutschen und italienischen Besatzungstruppen offiziellen deutschen Angaben zufolge 1941 etwa 40 Prozent der gesamten griechischen Wirtschaftsleistung für sich. Folge: eine dramatische Hungersnot unter den ärmeren Griechen.

Manipulierte Wechselkurse
Die Wechselkurse zwischen den Währungen der besetzten Staaten und der Reichsmark setzten die Nazis regelmäßig zu niedrig an. So wurde die tschechische Krone nach dem deutschen Einmarsch kurzerhand um ein Drittel abgewertet. Das erlaubte es deutschen Unternehmen, aber auch Wehrmachtssoldaten, besonders billig in diesen Staaten einzukaufen. Die Waren fehlten dann der einheimischen Bevölkerung.

Exportierte Inflation
Ähnlich wie die manipulierten Wechselkurse wirkte auch eine Parallelwährung, die Deutschland zur Bezahlung seiner Soldaten schuf: die Reichskreditkassenscheine. Sie lauteten auf Reichsmark, waren aber nicht im Deutschen Reich als Zahlungsmittel zugelassen, sondern nur in den besetzten Gebieten. Dort mussten die Banken sie zu den überhöhten Wechselkursen in die jeweilige Landeswährung tauschen, später gab es den Sold meist gleich in Landeswährung. Was selbst einfachen Soldaten zu einer gewaltigen Kaufkraft verhalf. Die Kriegsmemoiren von Heinrich Böll und Ernst Jünger sind voll von begeisterten Anekdoten darüber, was man sich für seinen Sold in Paris oder Odessa alles Schönes kaufen konnte. In der Folge wurden in den besetzten Gebieten schnell die Waren knapp, die verdeckte Inflation stieg. Diesen Inflationsdruck hätte stattdessen das Deutsche Reich erlebt, wenn die Soldaten in Reichsmark bezahlt worden wären und ihr Geld in der Heimat ausgegeben hätten.

Zwangskredite und -anleihen
Griechenland ist kein Einzelfall. Regelmäßig mussten besetzte Staaten und selbst das mit Deutschland verbündete Bulgarien Forderungen an das Deutsche Reich, zum Beispiel aus Exportüberschüssen, zwangsweise in Anleihen oder Kredite umwandeln. Laut Aly waren bis Mitte 1944 allein gegenüber Frankreich, Belgien und Dänemark an die 14 Milliarden Reichsmark Schulden aufgelaufen. Noch 1944 überlegte die Reichsbank, wie Deutschland diese Schulden wieder loswerden könnte. Man plante, die deutschen Kriegskosten im Rahmen einer "Friedenskonferenz" auf die anderen Staaten umzulegen und mit den Krediten zu verrechnen.

Es kam bekanntlich anders. 1953 verschob die Londoner Schuldenkonferenz die Frage deutscher Reparationszahlungen auf die Zeit nach einem Friedensabkommen - das es auch aus diesem Grund offiziell bis heute nicht gibt.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde lediglich "anstatt eines Friedensvertrags" geschlossen. Was den Wirtschaftshistoriker Albrecht Rietschl von der London School of Economics zu dem Fazit bringt: "Deutschland ist der größte Schuldensünder des 20. Jahrhunderts."

Quelle:http://www.t-online.de/wirtschaft/id_72737372/grie...
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2 Kommentare
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Giacomo D. aus Erlangen | 02.02.2015 | 15:42  
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Jana Behm aus Lößnitz | 03.02.2015 | 10:32  
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