Flüchtlinge: Behörden rechnen wohl mit bis zu 1,5 Mio. 5.10.2015

Neue Schätzung laut "Bild"
Behörden rechnen mit 1,5 Millionen Flüchtlingen

Flüchtlinge kommen über viele Weg nach Europa - und viele von ihnen nach Deutschland. (Quelle: dpa)
Fast doppelt so viele wie bislang erwartet: Deutsche Behörden halten es angeblich für möglich, dass im laufenden Jahr bis zu 1,5 Millionen Asylbewerber nach Deutschland kommen könnten. Das berichtet die "Bild"-Zeitung und beruft sich auf eine interne Prognose nicht näher genannter Behörden.
Die Bundesregierung war bislang von 800.000 Neuankömmlingen für 2015 ausgegangen. Zum Vergleich: 2014 waren bei der zuständigen Bundesbehörde 202.000 Asylanträge eingegangen. Allein im letzten Quartal 2015 sei mit der Ankunft von bis zu 920.000 Menschen auf der Flucht zu rechnen. Demnach sei bis zum Winter kein spürbarer Rückgang der Flüchtlingszahlen zu erwarten.
Das Bundesinnenministerium hält die Schätzung von 1,5 Millionen Flüchtlingen in diesem Jahr dagegen für zweifelhaft. Man könne auf Basis der großen Zahl von Neuankömmlingen im September keine Hochrechnungen anstellen, erklärte ein Sprecher des Ministeriums als Reaktion auf den "Bild"-Bericht.
"Wir gehen noch davon aus, dass die Wintermonate dazu führen werden, dass sich der Migrationsdruck verringern wird", fügte er hinzu. Mit Blick auf die aktuellen Gespräche zwischen der EU und der türkischen Regierung über eine Begrenzung des Andrangs, sagte er, es sei auch möglich, dass die Ergebnisse konkrete Auswirkungen auf die Zahl der Asylbewerber haben würden.
"Zusammenbruch der Versorgung"
In dem internen Bericht, auf den sich die "Bild" bezieht, soll zudem vor einem "Zusammenbruch der Versorgung" gewarnt werden. Schon jetzt würden dringend benötigte Hilfsmittel wie Wohncontainer und sanitäre Einrichtungen fehlen. Städte und Gemeinden sehen sich am Rande ihrer Möglichkeiten. "Wenn der Zustrom weiter so anhält wie jetzt, werden die Kommunen in Deutschland mit Versorgung, Unterbringung und Integration der Flüchtlinge überfordert sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse" voraus.
Genaue Zahlen schwer zu ermitteln
Der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier (CDU), hatte zuvor schon der "Welt am Sonntag" gesagt, er erwarte in diesem Jahr 1,2 bis 1,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte wiederholt betont, es sei derzeit sehr schwer, genaue Zahlen zu ermitteln. Es gebe Unsicherheiten, weil sich ein "nicht unerheblicher Teil" der Flüchtlinge der Registrierung entziehe oder trotz Registrierung an einen anderen Ort weiterziehe.
In der innenpolitischen Debatte warf die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth indes der CSU vor, sie wolle die deutsche Asylpolitik am Vorbild Ungarns ausrichten. "Die CSU betreibt die Orbanisierung der deutschen Asylpolitik", sagte die Bundestags-Vizepräsidentin der Zeitung "Die Welt" in Anspielung auf den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. In den Reihen der CSU waren zuletzt Grenzzäune an deutschen Grenzen und eine Änderung des Asylrechts ins Gespräch gebracht worden.
Gespräche mit der Türkei
Spitzenvertreter von katholischer und evangelischer Kirche in Deutschland äußern Bedenken gegen geplante Verschärfungen der Asylgesetze. "Da sehen wir einiges kritisch", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der "Süddeutschen Zeitung" in einem gemeinsamen Interview mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm. Grundsätzlich unterstützten beide aber den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik.
Die Europäische Union setzt in der Flüchtlingskrise inzwischen vor allem auf die Türkei. Am heutigen Montag reist Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen mit EU-Spitzenpolitikern nach Brüssel. Zwischen der EU und der Türkei gibt es in einigen Punkten Unstimmigkeiten. So fordert die Türkei, dass die EU die Visa-Liberalisierung schneller umsetzt. Die EU-Staaten wollen ihrerseits Flüchtlinge ohne Bleiberecht in die Türkei zurückschicken können. Kein Land hat mehr Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufgenommen als der Nachbar Türkei.
Quelle:http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/ges...
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