Draghi feuert seine zweite "Dicke Bertha" ab 10.12.2014

Am Donnerstag setzt die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken in der Währungsunion ihre zweite milliardenschwere Geldspritze in diesem Jahr. EZB-Chef Mario Draghi muss dann hoffen, dass die Institute das viele Geld zu neuen Krediten machen und damit die Wirtschaft ankurbeln.
Soweit die Theorie. In der Praxis hat schon Draghis erste "Dicke Bertha" im September nicht den gewünschten Wirkungstreffer erzielt. Vor drei Monaten orderten die Banken 82,6 Milliarden Euro bei der EZB. Von Reuters in dieser Woche befragte Geldmarkthändler gehen für die zweite Salve von 130 Milliarden aus. Das ist mehr als im September, aber weniger als die selben Händler noch vor zwei Wochen erwartet hatten.
Mit ihren TLTRO genannte Geldspritzen will die Euro-Notenbank die Geldinstitute flüssig halten und die auslaufenden Dreijahreskredite ersetzen, die Draghi 2011/2012 auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in Anlehnung an ein deutsches Kriegsgeschütz "Dicke Bertha" getauft hatte. Die Kredite sind so gestaltet, dass Banken nur dann das ultrabillige Geld der EZB für vier Jahren zum Minizins behalten dürfen, wenn sie mehr Kredite an Firmen vergeben als zuletzt. Dabei reicht rechnerisch schon ein Euro mehr. Das Kalkül der Europäischen Zentralbank: Sie gibt den Bankern Liquidität, mit der sie auch zu ihrem eigenen Vorteil spekulieren dürfen, so lange sie zugleich einen Teil an Mittelständler in den Euro-Ländern weiterreichen.
Machen die Banken mit?
Machen die Kreditinstitute mit, schlägt die EZB zwei Fliegen mit einer Klappe: mehr Kredite und liquidere Banken. Allerdings ist fraglich, ob angesichts der nicht zuletzt von der Notenbank und ihrem Präsidenten selbst angeheizten Spekulation auf noch viel umfangreichere Eingriffe in die Märkte, besonders viele Banken zugreifen. Bleiben Zahl und Summe überschaubar, steigt auf jeden Fall der Druck auf die EZB, noch mehr billiges Geld zu drucken. Dafür dürfte sie dann ab kommendem Jahr Staatsanleihen kaufen - Fachleute nennen diese Art von Geldpolitik Quantitative Easing (QE).
Während QE in den USA, Großbritannien und Japan zumindest teilweise erfolgreich war und als eine Art Super-Heilmittel der Geldpolitik gilt, ist es in Deutschland umstritten: einerseits wegen Risiken und Nebenwirkungen, andererseits wegen rechtlicher Bedenken, die insbesondere die Bundesbank hegt. Doch noch ist es nicht soweit: Erst wird Draghi noch Milliarden an die Banken verteilen.
Weil klar ist, dass das nicht reicht - selbst die optimistischsten Schätzungen waren einmal von maximal 400 Milliarden Euro ausgegangen - , kauft die EZB seit einigen Wochen Pfandbriefe und Kreditverbriefungen am Sekundärmarkt. Sie will damit ihre Bilanzsumme auf ihr Niveau von Anfang 2012 ausweiten. Damals lag sie gut eine Billion Euro höher. Um diese ungeheuere Summe auf die Beine zu stellen, dürfte aber weder der Kauf von Pfandbriefen oder Kreditverbriefungen ausreichen, noch die Nachfrage der Banken nach neuem ultrabilligem Geld, meinen Experten. QE könnte, so gesehen, nur noch eine Frage der Zeit sein. Und die TLTROs, die es bis 2016 alle drei Monate geben soll, nur ein Zwischenschritt dorthin.

Quelle:http://wirtschaftsblatt.at/home/boerse/europa/4614...
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