Berufsschul-Gebäude in Aue wird Asylbewerber-Unterkunft 26.11.2015

Von Mario Ulbrich
erschienen am 26.11.2015

Aue. Zwei Busse, 100 Personen: So viele Asylbewerber kamen bis Anfang November jede Woche im Erzgebirgskreis an. Derzeit sind es drei Busse mit 150 Männern, Frauen, Kindern. Ab Montag werden daraus voraussichtlich 200 Menschen, in der Woche vor Weihnachten 250. Im Januar erwartet der Landkreis dann rund 300 Personen wöchentlich - sechs Busse voll. "Was uns im Februar bevorsteht, wissen wir noch nicht", sagte Frank Reißmann, der für Asylfragen zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt. Es war ein dramatisches Bild, das er am Dienstagabend auf einem Bürgerforum im Kulturhaus Aue zeichnete.
Weil derzeit noch 1000 Unterbringungsplätze fehlen, setzt der Landkreis zunehmend auf große Notunterkünfte. Auch in Aue ist es soweit. Ab der 52. oder 53. Kalenderwoche werde man das leerstehende Haus 2 des Beruflichen Schulzentrums für Technik "Erdmann Kircheis" als Heim für 150 Asylbewerber nutzen, kündigte Reißmann an. "Wie lange, dazu können wir keine ehrliche Aussage treffen", sagte er.
Des weiteren überlegt der Landkreis, die ehemalige Kfz-Zulassungsstelle an der Bahnhofsbrücke zur Asylbewerberunterkunft auszubauen. Beide Immobilien gehören dem Kreis. "In Aue haben wir zurzeit diese beiden Objekte im Blick, keine anderen", versicherte Reißmann.
Dennoch gibt es in der Stadt Gerüchte über weitere Großunterkünfte. Zum einen geht es um das ehemalige Schwesternwohnheim auf dem Zeller Berg, die sogenannte Hummelburg, an der bereits Bauarbeiten laufen. Eigentümer Michael Weichhold sagte der "Freien Presse" gestern, dass an diesem Gerücht nichts dran sei. "Ich lasse hier 20 Wohnungen einrichten - behindertengerechte, altersgerechte und herkömmliche. Eine Asylbewerberunterkunft wird es definitiv nicht."
Das zweite Gerücht betrifft den früheren Praktiker-Baumarkt an der B 169. Auch in diesem Gebäude wird derzeit gearbeitet. Stadtsprecherin Jana Hecker bekräftigte gestern, dass sich an den Plänen für den Baumarkt nichts geändert hat: Im Winter soll hier eine Filiale des Sonderpostenmarktes "Jawoll" öffnen.
Während des Bürgerforums am Dienstagabend hatte der Auer Stadtrat André Harzer (Freie Wähler) an die Teilnehmer appelliert: "Wenn Sie etwas hören, hinterfragen Sie es. In den sozialen Netzwerken wird oft unglaublicher Mist verbreitet."
Das Forum ging auf einen Vorschlag des Auer Stadtrats Tobias Andrä (parteilos) und des Schwarzenberger Landtagsabgeordneten Alexander Krauß (CDU) zurück. Moderiert wurde es durch einen Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung. Jede Meinung war erlaubt, solange sie nicht gegen das Grundgesetz verstieß. Diese Gefahr bestand nie, aber die Fragen waren kritisch: "Warum sagen Sie nicht einfach Nein zu den Vorgaben aus Berlin, weil die Bürger, die Sie gewählt haben, Nein sagen?", wollte ein Mann von den anwesenden Politikern wissen.
"Das Problem ist, dass die Menschen da sind", antwortete Landtagabgeordneter Krauß. "Wir können nicht sagen, ihr kriegt nichts zu Essen. Aber wir müssen ein Zeichen in die Welt senden, dass wir nicht einladen." Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) sagte: "Wir sind auch Teil der Exekutive. Wenn wir uns nicht an Gesetze halten, wer dann?" Klar sei aber auch, dass man das Jahr 2015 nicht noch mal wiederholen könne, weder aus wirtschaftlicher Sicht noch von der Akzeptanz der Bevölkerung her.
Quelle: http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/AUE/B...
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