GPS-Messungen zeigen In Norddeutschland kippt der Boden 9.5.2015

Trockenfallende Häfen, verrutschende Flüsse, knarzender Untergrund: Der Boden kippt entlang einer Linie in Norddeutschland - mit erstaunlichen Folgen. Erdöl wandert, die Tage werden kürzer, Skandinavier leichter.

Hohenzieritz hat 490 Einwohner, liegt in der Idylle Mecklenburgs und ist eine Sensation; noch dazu eine unsichtbare. Das Dorf steht auf einer geologischen Linie, die nordwestwärts zieht: über Ostholstein, knapp vorbei an Flensburg nach Dänemark. Die Bewohner der Orte auf der Strecke eint eine Besonderheit: Sie leben auf der Kante.

Daten zeigen erstmals genauen Verlauf

Nordöstlich hebt sich das Land, Südwestlich senkt es sich, nur die Kantenbewohner leben in konstanter Höhe. Unveröffentlichte Daten von Holger Steffen vom schwedischen Landesvermessungsamt zeigen erstmals den genauen Verlauf der geologischen Linie. Auf Grundlage von GPS-Navigationsdaten hat der Geophysiker Veränderungen der Landschaft am Computer nachvollzogen. Hunderte GPS-Sensoren in Nordeuropa registrieren millimetergenau ihre Position.

Die sogenannte Nulllinie: Unveröffentlichte Daten des Geophysikers Holger Steffen vom Landesvermessungsamt Schweden zeigen erstmals den genauen Verlauf der Linie, entlang der das Land kippt. Nordöstlich hebt sich das Land, südwestlich senkt es sich, nur die Kantenbewohner leben in konstanter Höhe. (Quelle: Holger Steffen)

Hohenzieritz: Das 490-Einwohner-Dorf in Mecklenburg steht direkt auf der geologischen Linie. (Quelle: dpa)

Die Alster in Hamburg: Die Stadt liegt südlich der Kipplinie - sie sinkt um etwa einen halben Millimeter pro Jahr ab, ähnlich wie... (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)


Luleå in Nordschweden: Teile des Ortes mussten zurück ans Wasser gelegt werden, weil die Ostsee sich aufgrund der Landhebung zurückzieht. (Quelle: imago/Westend61)

Gletscher: Vor 18.000 Jahren lasteten drei Kilometer hohe Eismassen auf Skandinavien, sie drückten den Boden bis zu 900 Meter tief in die Erde. Eiszungen standen bis nach Holstein und Vorpommern. Dann schmolz das Eis - seither federt das Land zurück. Südlich der Gletscherlinie, auf der anderen Seite der Wippe, sinkt der Boden ein. (Quelle: dpa)


Die sogenannte Nulllinie: Unveröffentlichte Daten des Geophysikers Holger Steffen vom Landesvermessungsamt Schweden zeigen erstmals den genauen Verlauf der Linie, entlang der das Land kippt. Nordöstlich hebt sich das Land, südwestlich senkt es sich, nur die Kantenbewohner leben in konstanter Höhe. (Quelle: Holger Steffen)

Hohenzieritz: Das 490-Einwohner-Dorf in Mecklenburg steht direkt auf der geologischen Linie. (Quelle: dpa)

Die Alster in Hamburg: Die Stadt liegt südlich der Kipplinie - sie sinkt um etwa einen halben Millimeter pro Jahr ab, ähnlich wie... (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)


Luleå in Nordschweden: Teile des Ortes mussten zurück ans Wasser gelegt werden, weil die Ostsee sich aufgrund der Landhebung zurückzieht. (Quelle: imago/Westend61)

Gletscher: Vor 18.000 Jahren lasteten drei Kilometer hohe Eismassen auf Skandinavien, sie drückten den Boden bis zu 900 Meter tief in die Erde. Eiszungen standen bis nach Holstein und Vorpommern. Dann schmolz das Eis - seither federt das Land zurück. Südlich der Gletscherlinie, auf der anderen Seite der Wippe, sinkt der Boden ein. (Quelle: dpa)

Folge der Eiszeit - Ortschaften auf der Kippe

Die Aufzeichnungen bestätigen einen grundlegenden geologischen Befund: Der Boden kippt wie eine Wippe. Skandinavien taucht weiter auf, das Meer zieht sich zurück. In Nordschweden müssen Hafenstädtchen wie Luleå der schwindenden Ostsee hinterherziehen - der Ort wurde verlegt. Auch Gävle in Mittelschweden schob seinen Hafen weiter raus in die Bucht, in den alten Docks Hunderte Meter landeinwärts wohnt mittlerweile die Schickeria.

Ursache des Kippens

Weite Teile Schleswig-Holsteins und Niedersachsens hingegen sinken, Ostfriesland und Hamburg etwa um einen halben Millimeter im Jahr. Für die Küste wird die Wippe zum Problem: Zusätzlich zum Anstieg des Meeresspiegels kommt die Landsenkung - das Meer rückt also schneller vor als anderswo.

Im Norden hingegen, wo sich das Land hebt, wirkt die Wippe dem Meeresspiegelanstieg entgegen. Etwa 250 Kilometer nördlich der Kippkante, entlang einer Linie von Norddänemark über den südlichsten Teil Schwedens, heben sich beide Effekte auf: Die Landhebung verläuft genauso schnell wie der Meeresspiegelanstieg.

Es sind die Nachwehen der Eiszeit, die das Land kippen lassen. Vor 18.000 Jahren lasteten drei Kilometer hohe Eismassen auf Skandinavien, sie drückten den Boden bis zu 900 Meter tief in die Erde. Eiszungen standen bis nach Holstein und Vorpommern. Dann schmolz das Eis, seither federt das Land zurück. Zunächst mit bis zu zwölf Zentimetern im Jahr. Heute mit bis zu einem Zentimeter wie in Umeå in Nordschweden.


Quelle:http://www.t-online.de/nachrichten/wissen/id_73930...
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2 Kommentare
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Karin Franzisky aus Bad Arolsen | 09.05.2015 | 22:29  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 10.05.2015 | 02:30  
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