Schatzsuche im Erzgebirge: Neue Bohrungen werden geplant 13.02.2015

Steht der Bergbau in der Region vor seiner Wiedergeburt? Derzeit laufen mehrere Projekte zur Erkundung - nun zeigt auch eine australische Firma Interesse.
Aue/Schwarzenberg/Marienberg. Die Australier kommen - die Firma Vital Metals Limited aus der Metropole Perth hat beim sächsischen Bergbauamt in Freiberg einen Antrag auf Erkundung von Erzen im Westerzgebirge gestellt. Auf 78 Quadratkilometern - einer Fläche fast viermal so groß wie die Ostseeinsel Hiddensee - will das Unternehmen zwischen Lößnitz, Aue und Schwarzenberg nach dem Metall Wolfram suchen.
Mehr als 15 Rohstoffe im Visier
Sollte das Bergbauamt eine Berechtigung erteilen, wäre es bereits die neunte Erlaubnis zur Schatzsuche in der Region. So darf beispielsweise Umbono Capital - eine internationale Firma mit Sitz in Südafrika und Kanada - eine riesige, 350 Quadratkilometer große Fläche zwischen Marienberg, Schlettau, Annaberg-Buchholz und Jöhstadt nach mehr als 15Rohstoffen durchforsten, darunter: Zinn, Wolfram, Indium, Schwerspat, Gallium, Germanium, Zink, Blei, Scandium, Silber, Gold und Flussspat. Die Erlaubnis für Untersuchungen wurde im Mai 2011 erteilt und ist bis zum 31. Mai kommenden Jahres befristet. Sollten erste Erkundungsergebnisse positiv ausfallen, ist geplant, ein Programm zu erstellen, das weitere Bohrungen bis zu einer Tiefe von 1000 Metern beinhaltet.
Und seit Anfang dieses Jahres zählt auch Ehrenfriedersdorf zu den neuen, potenziellen Bergbaugebieten. Die Sachsenzinn GmbH in Chemnitz erhielt eine Erlaubnis zur Suche von Zinn, Aluminium und weiteren Bodenschätzen.
Region als Lagerstätte begehrt
Das Interesse von Bergbauunternehmen am Erzgebirge ist seit Jahren ungebrochen. Das bestätigt auch der Chef des sächsischen Oberbergamtes, Bernhard Cramer. "Das Erzgebirge gilt als Deutschlands wichtigste Erzregion", sagt er. Auch international sei die Region als Lagerstätte von Zinn, Wolfram und Flussspat begehrt. "Der Name sagt es schon. Hier im Erzgebirge finden sich zahlreiche Vererzungen."
Bis auf ein Bergwerk in Niederschlag, das im Jahr 2013 in Probebetrieb ging, hat aber noch kein Erkundungsprojekt die letzte Hürde genommen. Ein Grund: Schwankende Preise am Rohstoffmarkt machen den Bergbau für Unternehmen riskant. Dennoch will die australische Firma Vital Metals in den nächsten fünf Jahren eine Million Euro unter Tage investieren.
Geplant sind Erkundungs- und Bohrarbeiten in mehreren Etappen. "Aue und Schwarzenberg haben für uns großes Potenzial", sagt Geologe Martin Griessmann, der das Projekt für die Firma koordiniert. Denn tausende Tonnen Wolfram könnten unter der Erde schlummern.
Bei der Stadt Aue sorgt das Projekt indes für Aufregung: "Das Erkundungsfeld ist ungewöhnlich groß und liegt in direkter Nachbarschaft zu Wohngebieten", sagt Stadtplaner Nicky Scheinfuß. Zwar sollen die Auswirkungen auf die Natur laut Unternehmen gering bleiben. Dennoch fürchtet man, dass die Arbeiten zu mehr Lärm, Staub und Straßensperrungen führen könnten, sollten die Bohrer eines Tages anrücken. Es gebe deshalb erhebliche Bedenken, so Scheinfuß. "Für unsere Wirtschaft ist das Projekt hingegen eine gute Nachricht."
Geologe Griessmann versucht zu beruhigen: "Ob es jemals zum Abbau kommt, ist noch völlig offen. Das hängt ganz davon ab, was wir finden." In einer ersten Phase wolle man zunächst alle historischen Erkundungsdaten auswerten, sagt er. Erst dann seien Bohrarbeiten vor Ort geplant.
Sachsen bei Bergbau außen vor?
Weil für bestimmte Arbeiten Bergbau-Experten in Sachsen fehlten, will das Unternehmen neben lokalen Firmen auch auf australische Spezialisten zurückgreifen. Das Problem bestätigt Oberberghauptmann Cramer: Zwar gebe es noch genügend Bergleute in Sachsen. "Aber das Wissen wird immer weniger", sagt er. "Uns fehlen 20 Jahre an Produktion von Erzen." In bestimmten Bereichen, wie bei der Zertifizierung von Lagerstätten, fänden sich häufig nur noch Experten im Ausland.
Quelle:http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAFT/WIRTSCHAFT-RE...
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