Grundstoff für 2,3 Tonnen Crystal sichergestellt - Hauptbeschuldigter ist ein 32-jähriger Chemie- und Pharmahändler aus Leipzig. 13.11.2014

Ermittler aus Deutschland und Tschechien haben einen Rauschgiftring gesprengt und rund 2,3 Tonnen eines Grundstoffs zur Crystal-Herstellung sichergestellt. Die Fahnder schlugen in Leipzig und Prag zu. Laut BKA hätte mit der beschlagnahmten Chemikalie eine Crystal-Menge mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von 184 Millionen Euro hergestellt werden können.
Die Ermittler durchsuchten am 5. und 8. November 19 Wohn- und Geschäftsobjekte in Leipzig und nahmen insgesamt acht Verdächtige fest. Dabei wurden unter anderem Bargeld, Munition, gestohlene Ausweise und Dutzende Mobiltelefone sichergestellt. Sieben weitere mutmaßliche Mitglieder der Bande wurden am 8. November von tschechischen Ermittlern festgenommen, dabei wurden auch Schusswaffen und Bargeld sichergestellt.
«Crystal macht schnell abhängig und ist extrem gefährlich», sagte BKA-Chef Jörg Ziercke. Wenn man berücksichtige, dass im vergangenen Jahr lediglich rund 80 Kilogramm Crystal aus dem Verkehr gezogen worden seien, stelle die Sicherstellung von fast drei Tonnen des zur Herstellung von Crystal (Methamphetamin) geeigneten Chlorephedrins einen «bedeutenden Ermittlungserfolg» dar.
Laut BKA schmuggelte die Bande die Chemikalie in kleinen Mengen zwischen 10 und 20 Kilogramm nach Tschechien, wo sie in illegalen Laboren zur Herstellung von Crystal verwendet wurde. Ein Teil des so produzierten Rauschgifts wurde schließlich wieder nach Leipzig geliefert und dort an Zwischenhändler und Konsumenten verkauft. Der Handel mit Chlorephedrin ist den Angaben zufolge zwar grundsätzlich erlaubt, die Chemikalie wird aber legal nur zu Forschungs- und Versuchszwecken genutzt.
Hauptbeschuldigter ist ein 32-jähriger Chemie- und Pharmahändler aus Leipzig. Dieser hatte dem BKA zufolge Chlorephedrin im europäischen Ausland produzieren und nach Deutschland liefern lassen. Gegenüber den Behörden täuschte er die Vernichtung der Substanz vor, um sie dann illegal zur Rauschgiftproduktion weiterverkaufen zu können.
Der Fall belegt die internationale Vernetzung des organisierten Rauschgifthandels und die Größe der kriminellen Gewinne, die dabei erzielt werden. «Wurden Chemikalien für die illegale Rauschgiftproduktion in großen Mengen bislang fast ausschließlich aus China bezogen, stellt dieser Fall einer Grundstoffproduktion durch einen deutschen Staatsangehörigen in Europa und deren Schmuggel in die Tschechische Republik ein Novum dar.
An der Zerschlagung beteiligt waren das Bundeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft Leipzig, das Landeskriminalamt Sachsen, die Polizeidirektion Leipzig, die Polizei in Thüringen, das Zollfahndungsamt Dresden und tschechische Behörden.
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