Auf dem Timmelsjoch streikte meine Mutter: „Ich fahre keinen Meter mehr weiter – weder ins Passeiertal runter noch zurück durch diesen furchtbaren Tun

Wir hatten einen schönen Urlaub in Kühtai gemacht mit täglichen Wanderungen in die Umgebung.

Sölden (Österreich): passhöhe | Wir hatten einen schönen Urlaub in Kühtai gemacht mit täglichen Wanderungen in die Umgebung. Kühtai liegt auf über 2000 m Höhe und unsere Wanderungen gingen alle bis über 3000 m hoch. War aber nichts dramatisches. Natürlich wenn man da mal einen Hang runtergekullert wären, wären wir auch tot gewesen aber die Wege waren gut zu erwandern.

Die bisherigen Ausflüge führten uns zum Piburger See, nach Ötz und nach Innsbruck.

Aus dieser Idylle mussten wir natürlich ausbrechen. Auf der Landkarte hatten wir erspäht, dass das Passeiertal eigentlich gar nicht so weit weg ist und wir die Familie von Karl mal besuchen könnten.

In der Früh machten wir uns auf. Zuerst ging es die Serpentinen hinunter nach Oetz. Die Fahrt führte weiter durch Oetz, Längenfeld und Sölden bis nach Zwieselstein und weiter Richtung Obergurgl. Unmittelbar nach Hochgurgl befindet sich die Mautstelle. Die Baumgrenze ist längst passiert, da Hochgurgl schon über 2000 m hoch liegt. Moränengeröll und Graslandschaft prägen das Bild. Wir kamen auf eine Hochebene, an deren Ende es nochmals in einigen Serpentinen hinauf auf die Passhöhe von 2509 m Höhe geht. Dort war zu unserer Zeit noch die Zollbaracke in Betrieb.

Wir machten auf österreichischer Seite noch eine Pause um etwas Essbares zu uns zu nehmen und die Wahnsinnsaussicht zu genießen. Ringsum erheben sich 3000er.

Nach Überqueren der Grenze begrüßte uns ein Schild „Südtirol - Alto Adige“.

Doch dann passiert es: Wir fuhren wohlgemut in einen Tunnel hinein. Im Tunnel wurde es richtig unheimlich, denn er war stockdunkel und ich hatte immer das Gefühl, gleich landen wir an der Tunnelwand. Meine Mutter saß völlig verkrampft und nach vorn gebeugt hinter dem Lenkrad und hoffte doch inständig, den hellen Punkt am Horizont zu treffen. Doch der schlimmste Schreck kam noch: Die Sonne blendete uns so stark bei der Ausfahrt aus dem dunklen Tunnel, dass wir kaum was sahen. Die Straße bog direkt nach dem Tunnel rechts ab und vor uns war plötzlich nichts mehr, nur noch Abgrund. Meine Mutter machte eine Vollbremsung und fuhr dann auf einen kleinen Parkplatz auf der linken Seite des Tunnelausgangs. Dort standen wir und es folgte der Satz: „Ich fahre keinen Meter mehr weiter – weder ins Passeiertal runter noch zurück durch diesen furchtbaren Tunnel“.

Der Tunnel ist 550 m lang, unbeleuchtet, schmal, der Belag ist löchrig und von oben tropft Wasser herunter.

Ich stieg aus und genoss das atemberaubende Panorama. Hinter mir der Abgrund.

Nach einer längeren Zeit und der Bemerkung von mir, dass auf dem Pass Nachtfahrverbot ist und wir hier auf unserem kleinen Platz hoch über dem Abgrund übernachten müssten, falls sie nicht jetzt irgendwohin fahren würde, entschloss sich meine Mutter dazu, doch den Weg wieder zurück durch den Tunnel zu nehmen.

Im Passeiertal war ich bis heute noch nicht.

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Ute Kohler aus Fürstenfeldbruck am 20.01.2010 um 23:09 Uhr  
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Detlev Müller aus Burgdorf am 21.01.2010 um 00:44 Uhr  
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