Mit Gisela nach Lothringen: Eine Reise nach Nancy

 
| Das, was wir in dieser Stadt sehen, ist kein Schloss, sondern die Innenstadt von Nancy. Kaum zu glauben! (Foto: dierk schaefer)
 
Schmiedeeisernen Gitter, welche die Gebäude miteinander verbinden. (Foto: Enslin)

Nanzig (Frankreich): Lothringen | Das, was wir in dieser Stadt sehen, ist kein Schloss, sondern die Innenstadt von Nancy. Kaum zu glauben!

Das architektonische Ensemble wurde von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Stanislaus König von Polen schuf eine Verbindung zwischen der Neustadt und der Altstadt und baute auf der Esplanate, welche die beiden Stadtteile trennte drei Plätze als eine verbindende Einheit: Place de la Carrière, Place Stanislas und Place d'Alliance.

Bis Mitte des 17. Jahrhunderts trennte ein großer, freier Platz Alt- und Neustadt von Nancy. Im März 1752 wurde dann offiziell der erste Stein des ersten Pavillons gelegt, und im November 1755 wurde der "Königsplatz" (heute Place Stanislas) feierlich eingeweiht. 1831 kam die Statue von Stanislas auf den Platz. Rings um den Place ließ der Baumeister Emmanuel Héré in derselben klassischen Form Pavillons errichten. Im Süden liegt das Rathaus, dessen Fassade mit dem Wappen von Stanislas und der Stadt Nancy geschmückt ist, im Osten das Grand Hôtel, und die Oper von Nancy und Lothringen, und im Westen der Pavillon Jacquet und das Museum der Schönen Künste. Im Norden, wo der Zwischenwall lag, hatte Emmanuel Héré aus Gründen der militärischen Sicherheit nur einstöckige Pavillons vorgesehen. Die schmiedeeisernen Gitter, welche die Gebäude miteinander verbinden, sind zusammen mit den Amphitrite- und Neptunbrunnen von der Form und dem Schmuckwerk her im Rokokostil gestaltet.

Der Place d'Alliance gehört zu dem auf Veranlassung von Stanislas von Emmanuel Héré erbauten Architekturensemble. Er wurde auf den Herzoglichen Gemüsegärten errichtet. In der Mitte des Platzes wurde ein barocker Brunnen angebracht. Er symbolisiert die Heilige Allianz zwischen Österreich-Ungarn und Frankreich und gab dem Platz den heutigen Namen.

Der Place de la Carrière entstand Mitte des 16. Jahrhunderts, als die mittelalterlichen Stadtmauern versetzt wurden. Ihr Name kommt von der Funktion als Reitplatz für Turniere, Wettstreite und andere Reiterwettkämpfe.

Erst Ende des 17. Jahrhunderts stellten die Franzosen bei einer Besetzung der Stadt eine Verbindung zur nahegelegenen Neustadt durch ein Stadttor her, das schon zu Ehren von Ludwig XIV. Porte Royale (Königstor) genannt wurde. Aber erst unter Stanislas Leszczynski König von Polen sollte die Idee, Alt- und Neustadt miteinander zu verbinden, eine gelungene Ausführung erfahren. Der Platz wird im Norden von dem von einer halbkreisförmigen Säulenhalle eingefassten Palais du Gouverneur- und im Süden von einem Triumphbogen geschlossen. Am Südende ließ Emmanuel Héré in Nachahmung des von Boffrand erbauten Hôtel de Beauvau-Craon das Hôtel de la Bourse (Börse) errichten.

Der Triumphbogen wurde zur selben Zeit wie der Place Stanislas zu Ehren von Ludwig XV. erbaut. Dieses Monumentaltor wurde mitten in die Stadtmauer, die Alt- und Neustadt trennte, hineingebaut. Es erinnert an die Triumphbögen, welche die römischen Herrscher zu ihrer eigenen Ehre errichten ließen. Die Fassade an der rue Héré ist von einem Mitteldurchgang durchbrochen. Dieses Schmuckwerk hat Krieg und Frieden zum Thema. Ein vergoldeter Medaillon mit Ludwig XV. als Profil schließt den Triumphbogen ab.

Die Altstadt, so wird der Stadtkern bezeichnet, der rund um die Herzogsburg errichtet wurde und im Mittelalter seine größte Ausdehnung erfuhr. Im 16. Jahrhundert wurde er befestigt und mit einem Netz von Bollwerken ausgestattet. Heute ist davon nur ein kleiner Überrest erhalten geblieben. Seit etwa 15 Jahren hat eine systematische Sanierung dieser historischen Stätte sie zu einem der Prunkstücke des touristischen Erbes werden lassen.

Das monumentale Stadttor Porte de la Craffe erinnert noch an den Schutzwall der Stadt, der Ende des 14. Jahrhunderts anlässlich der Stadterweiterung gebaut wurde. Ihre zwei mächtigen Rundtürme rahmen einen befestigten Mittelbau ein, dessen Tor, im 19. Jahrhundert seine ursprüngliche gotische Form wiederbekommen hat. Das Lothringer Kreuz auf der Fassade erinnert daran, dass dieses Emblem nach dem Sieg in der Schlacht bei Nancy übernommen wurde.

Die Porte de la Citadelle wurde von Karl III. bei Galéani in Auftrag gegeben. Sie sollte die Porte de la Craffe zusätzlich zu den sie umgebenden Bastionen verstärken. Dieses Viertel, eines der malerischsten von Nancy, veränderte sich gründlich, als im 19. Jahrhundert die Stadtgräben zugeschüttet wurden, und nur die Tore stehen blieben.

Mit dem Bau des Herzogspalastes wurde 1502 begonnen. Von dieser Residenz der Herzöge von Lothringen blieben nur das an der Grande-rue liegende Gebäude und die Porterie (der Monumentaleingang) erhalten. In einer Nische befindet sich die im 19. Jh. restaurierte Reiterstatue des Herzogs Anton.

Die Eglise des Cordeliers wurde zum Gedenken an den Sieg über Karl den Kühnen in der Schlacht bei Nancy errichtet. Die nüchterne Franziskanerkirche und ihr Kloster wurden 1487 bzw. 1482 von René II gestiftet. In der Kirche, die heute kein Gotteshaus mehr ist sondern ein Museum, befinden sich seit 1939 sowohl kirchliche Skulpturen und Gemälde als auch Grabmäler, darunter der schon im Renaissancestil gestaltete Sockel des Grabmals von René II und die Liegefigur seiner Frau, Philippa von Gueldern. Heinrich II ließ auf Wunsch seines Vaters Karl III eine runde Kapelle anbauen, die Grablege der Herzöge von Lothringen ist. Ein Durchgang führt zum ehemaligen Kreuzgang des Klosters und ermöglicht den Zugang zum Volkskundemuseum.

Das Hôtel d'Haussonville aus dem 16. Jahrhundert ist eines der schönsten in der Altstadt. Es setzt sich aus zwei im rechten Winkel zueinander stehenden Flügeln zusammen; bewundernswert sind die sehr schönen Außengalerien aus durchbrochenem Stein, im gotischen Stil im ersten Stock und im Renaissancestil im zweiten. Eine Neptunstatue im klassischen Stil ziert den Brunnen im Hof. Die Holztür zum Treppenhaus ist eine bemerkenswerte Scheinmalerei.

Das von Boffrand im 18. Jahrhundert erbaute Hôtel Ferraris ist das prunkvollste Patrizierhaus in Nancy. Der Treppenaufgang wird von einer Loggia gekrönt. Den Hof schmückt ein Neptunbrunnen. Dieser Stadtpalast wurde im 18. Jahrhundert von Germain Boffrand erbaut; ein monumentales Tor mit zwei Steinwölfen erinnert noch an das Amt des Hausbesitzers, der oberster Wolfjäger der Herzöge von Lothringen war.

Der Place Saint-Epvre ist der bedeutendste Platz in der Altstadt, und zwar von seiner Größe und seinen Aktivitäten her. In seiner Mitte steht ein Brunnen mit einer Statue von René II.. Dieser im 12. und 13. Jahrhundert entstandene Platz wurde im 15. Jahrhundert umgebaut und war mit seinem Markt und seinen Hallen der aktivste aller Plätze in Nancy, und zwar bis zum 19. Jahrhundert. Damals ließ Monseigneur Trouillet die heutige Basilika Saint-Epvre im neugotischen Stil errichten.

Die Neustadt (Ville-Neuve), wurde von Herzog Karl III. 1588 gegründet und hat mit ihrem rechtwinkligen Straßennetz ein ganz anderes Gepräge als die Altstadt. Sie wurde mit einem Marktplatz und einer hochrangigen Primatskirche (die heutige Kathedrale) bedacht und konnte mit der Altstadt rivalisieren, denn auch sie hatte eine eigene Befestigungsanlage.

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Hans-Rudolf König aus Marburg am 19.03.2009 um 02:28 Uhr  
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