Ein Spaziergang durch Linz am Rhein....

 
1870 wurde der Bahnhof gebaut
Linz am Rhein: . | Jedes Mal wenn ich bei uns am Burgplatz stehe, wandern meine Gedanken in die Vergangenheit. Ich sehe mich durch das Rheintor, das schon 1329 erbaut wurde und ein Stadttor von vieren unserer Stadtumwallung war, die Stadt betreten.

Da ich als Privatperson kam, brauchte ich keinen Zoll zu zahlen. Das mussten nur die Handelsleute und natürlich auch die Schiffer. Manche Schiffe versuchten sich nachts heimlich an Linz vorbei zu schleichen um den Rheinzoll nicht zahlen zu müssen, hatten aber kein Glück dabei, da auf dem Rhein ein Zollschiff auch nachts lauerte. Neben dem Rheintor befindet sich das alte Zollhaus. Dort musste der Zoll bezahlt werden und dann wurde er nach Kurkölln, zu dem Linz gehörte abgeführt.

Anfangs unserer Stadtgeschichte 1320 hatten wir noch gar keine Burg. Die bekamen wir erst 1345, und das kam so: Im Abführen des Zolls nach Köln waren wir Linzer nicht so eifrig, wie der Kurfürst sich das gewünscht hat. Wir hatten hier so unsere eigene Methode was wir nach Köln schickten und was nicht. Schon das hatte unserem Landesherrn nicht gefallen und es gab des Öfteren Ermahnungen. Wenn man aber bedenkt, was 50 km bis Köln im 14. Jahrhundert für eine Entfernung war, könnt Ihr Euch vorstellen, dass wir Linzer uns recht sicher gefühlt hatten. Zwar fuhr damals schon ein Schiff zwischen Linz und Köln als Linie, aber uns kam es trotzdem so weit vor, wie heute eine Reise nach Amerika.

Wir wurden ja immer mutiger. 1340 schlossen wir uns mit noch 4 anderen Städten zusammen und gingen ganz frech gegen Kurkölln an. Das ließen die sich natürlich nicht gefallen, kann man sich ja auch denken, und bauten uns die Burg vor die Nase, und zwar als Zoll- und Zwingburg. Wer jetzt keinen Zoll zahlen konnte, der kam in den Kerker bei Wasser und Brot, bis er ausgelöst wurde. Diesen Kerker gibt es immer noch. .Man kann ihn besichtigen. Heute ist er eine Folterkammer.

Damals im 14. Jahrhundert wurde man dort allerdings nicht gefoltert. Ganz im Gegenteil. Der Vogt war froh, wenn er nicht von den Linzer Bürgern belästigt wurde Die Burg war nicht nur nach außen geschützt, sondern auch gegen die Linzer mit einem Wassergraben und einem Teich, über den eine Brücke zum Eingang der Burg ging. Das Tor wurde Tag und Nacht bewacht!

Die Straße ging vom Rheintor aus direkt geradeaus die Rheinstraße hoch und die Burg war mit dem Rheintor verbunden durch einen überdachten Gang. Heute gibt es diesen Gang nicht mehr, da die ursprünglich sechs Meter hohe Stadtmauer ab der Mitte des 19. Jahrhunderts von oben nach unten abgetragen wurde. Heute befindet sich da eine Straße.

Die Burg existiert immer noch. Allerdings war 1815 der Wiener Kongress, wo Europa neu aufgeteilt wurde. Kurkölln wurde säkularisiert. Zuerst zu den Nassauern kamen wir 1823 zu den Preußen. Die Burg kam in Privatbesitz, kam im Laufe der nächsten Jahrzehnte ziemlich herunter und erreichte ihren Tiefpunkt nach dem 2. Weltkrieg. Damals war die Burg im Besitz der Stadt Linz und es hausten, wohnen kann man es beim besten Willen nicht nennen, Obdachlose darin. Später sozial schwache Menschen.

1981 kam die Burg wieder in Privatbesitz und innerhalb von nur neun Monaten hatten wir ein richtiges Schmuckstück. Heute befindet sich darin eine Burggastronomie, die römische Glashütte,, der Folterkeller, eine Ballettschule und ein Antiquitätenhandel.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch der Burgteich zugeschüttet und ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Fußgängerzone angelegt, mit dem Denkmal des Linzer Strünzers mitten auf dem Burgplatz.

Auf der einen Seite des Platzes stehen lauter Fachwerkhäuser. Der größte Teil davon ist noch verputzt. Allerdings fällt ein Ensemble auf mit zwei gleichen Giebeln. Diese Fachwerkhäuser sind freigelegt und stammen vermutlich aus 1500.
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