Buchrezension - Celeste Drake: »Bist du verrückt genug für ein eigenes Pferd?«

Die 1973 in Aachen geborene Celeste Drake wurde bereits mit sechzehn Jahren stolze Besitzerin eines Pferdes und hat seitdem ein Vierteljahrhundert lang Erfahrungen in allen Fragen gesammelt, die sich im Umgang mit den edlen Tieren ergeben. Seit dem vergangenen Jahr gibt sie diese Informationen im Buchformat weiter, zunächst in Form des allgemeinen Ratgebers zum Pferdekauf »Bist du verrückt genug für ein eigenes Pferd?«, welcher der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de zur Rezension vorlag, später dann im Buch »Pony statt Plüschtier«, das Eltern zur Seite zu stehen versucht, deren Kind unbedingt selbst ein Ross sein Eigen nennen möchte.

»Bist du verrückt genug für ein eigenes Pferd?« erschien im vergangenen September und wurde von der Autorin in Eigenregie via »Books on Demand« herausgegeben. Es ist für weniger als acht Euro im Taschenbuch-Format erhältlich, die E-Book-Variante kostet die Hälfte. Das Buch hat einen Umfang von etwa einhundert Seiten und entspricht in Verarbeitung und Glanzcover dem üblichen BoD-Standard.

Mit ihrem Buch richtet sich Celeste Drake an all diejenigen Personen, die den Kauf eines eigenen Pferdes in Erwägung ziehen, und begleitet sie dabei durch alle Phasen der Vorbereitung und Anschaffung. Dabei beschäftigt sich die erste Hälfte des Ratgebers mit allen Sachfragen, die der potenzielle Käufer oder die potenzielle Käuferin zunächst einmal mit sich selbst ausmachen und durchrechnen sollte, ehe er oder sie zur Tat schreitet. Übersichtlich und sachlich - aber dennoch mit einer stets humorigen Note - werden alle Fragen abgearbeitet, die in Betracht gezogen werden sollten, ehe der Traum vom eigenen Pferd umgesetzt wird, auch wenn anfangs noch gar nicht über die Existenz all dieser Punkte nachgedacht wurde. Das fängt bei den eigenen körperlichen und mentalen Voraussetzungen an, reicht über die eigenen Reiterfahrungen und die Auswirkungen auf Familie und Karriere hinweg bis zur Stallwahl und zur leidigen Frage des Geldes. Letztere wird besonders intensiv behandelt und legt klar alle Zahlen offen, die über den eigentlichen Kaufpreis hinaus für Stall, Futter, Pflege, Versicherungen & Co. anfallen. Während sich vergleichbare Ratgeber meist auf die Erwähnung des Bestehens von Kosten beschränken, rechnet Celeste Drake die Kosten Punkt für Punkt vor, und bereits die monatliche Summe dürfte einige Träumer zurück auf den Boden der Tatsachen holen.

Ähnlich intensiv, wie Celeste Drake die Vorbereitungsphase angeht, erläutert die Autorin im zweiten Teil alle Fragen, die bei der Auswahl des richtigen Pferdes beachtet werden sollten, und was während und nach des eigentlichen Kaufprozesses in Betracht gezogen werden muss. Eindringlich werden offensichtliche Fragen wie die Bedeutung von Verträgen behandelt, aber auch Fragestellungen, die sich in diesem Zusammenhang nicht sofort erschließen, etwa die Tatsache, dass das frisch gekaufte Pferd eine lange Eingewöhnungsphase benötigt und selbst einfache Zaungäste stören können, die den kostbaren Vierbeiner nur neugierig anstarren. Trotz all dieser Sachthemen wirkt Celeste Drakes Ratgeber nicht trocken, da sie geschickt immer wieder Kommentare mit einem Augenzwinkern einflechtet, etwa dann, wenn sie beschreibt, mit welchen Mitteln sich unliebsame Gaffer vom neuen Pferd weglocken lassen.

Die Autorin rundet ihr Buch damit ab, dass sie sich auch einigen Fragen widmet, die während des Traums vom eigenen Pferd noch in weiter Ferne oder gar undenkbar erscheinen, aber dennoch in Betracht gezogen werden müssen, da es die Realität nicht anders zulässt: Was tun, wenn das Pferd etwas angestellt hat, wenn es krank wird oder gar stirbt - ist man auch in der Lage, damit umzugehen? Zwar bleiben Fragen wie diese hypothetisch, da sie den Pferdefreund erst dann in vollem Umfang treffen werden, wenn sie tatsächlich eintreten, doch Celeste Drake hat gut daran getan, sie bereits im Vorfeld anzusprechen, was in anderen Ratgebern - insbesondere beim Thema Tod - gerne ausgespart wird.

Alles in allem hat Celeste Drake einen umfassenden Ratgeber geschaffen, der alle Punkte, die sich im Vorfeld und während des Pferdekaufs ergeben, ausführlich beleuchtet. Im Gegensatz zu den Büchern der typischen "Ratgeberverlage" wie Müller Rüschlikon oder Kosmos kommt ihr Buch gänzlich ohne Illustrationen oder Fotos aus, was den ein oder anderen stören wird, letztlich hätten diese aber ohnehin keinen inhaltlichen Mehrwert gebracht. Im Gegenteil: Womöglich würde der Anblick der vielen schönen Pferdebilder sogar von den kritischen Punkten ablenken, auf die Celeste Drake hinweist, und den Träumern Vorschub leisten. »Bist du verrückt genug für ein eigenes Pferd?« ist für all diejenigen geeignet, die sich wirklich mit den entscheidenden Sachfragen beschäftigen wollen, die Fakten jedoch nicht trocken vorgetragen bekommen möchten, sondern immer mit einem angenehmen Maß an Lockerheit. Und dies leistet der Ratgeber vollkommen.
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