Protest gegen weiter steigende Fahrpreise im Mitteldeutschen Verkehrsverbund

Dresdner Straßenbahn: Triebwagen hält an der Haltestelle Kongresszentrum / Haus der Presse auf der Könneritzstraße
Leipzig: Hauptbahnhof | Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) plant zum 01.08.2015 die nächste deutliche Preiserhöhung. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert deshalb in einer aktuellen Petition: Schluss mit den Preissteigerungen im Mitteldeutschen Verkehrsverbund! Sie können die Petition unter https://www.openpetition.de/petition/online/schlus... unterstützen. An der Petitionen können sich Bürgerinnen und Bürger noch bis zum 21. März 2015 beteiligen.

Oberbürgermeister und Landräte sollen u.a. beauftragt werden, bis zum 30.06.2015 einen Entwurf eines neuen ÖPNV-Finanzierungskonzeptes zu erstellen, in dem der Anteil, den die Fahrgäste zur Kostendeckung beitragen, nicht weiter ansteigt. Die Forderung des Landesverbands Elbe-Saale des Verkehrsclub Deutschland (VCD Elbe-Saale) wird dabei unterstützt durch Pro Bahn Mitteldeuschland, Ökolöwe - Umweltbund Leipzig, teilAuto und die Regionalgruppe Leipzig des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Geschäftsführer Steffen Lehmann erklärt in einer Pressemitteilung des MDV [2]: "Die Kosten für den Nahverkehr nehmen stetig zu. Um unsere Leistungen von jährlich 80 Mio. Fahrplankilometern mindestens in der heute gewohnten Qualität garantieren zu können, müssen wir neben Einsparungen in den Unternehmen auch auf das Instrument der Tariferhöhungen zurückgreifen. Dies gilt, bis neue Wege in der Finanzierung des Nahverkehrs geebnet sind." Vorausgegangen ist eine Studie zur Finanzierbarkeit des Öffentlichen Nahverkehrs in Mitteldeutschland. Da Tariferhöhungen und die Gewinnung von mehr Fahrgästen zur Kostendeckung nicht ausreichen, wurden in der Studie ergänzende Möglichkeiten aufgezeigt.

Entsprechend soll die vorliegende Petition dazu beitragen, diese neuen Wege in der Finanzierung des Nahverkehrs zuebnen. In der Begründung zu der Initiative heißt es, der öffentliche Verkehr kann nicht allein aus Fahrgelderlösen kostendeckend betrieben werden. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist immer eine öffentliche Aufgabe, er dient der Daseinsvorsorge und garantiert die Teilhabe an Mobilität für alle Einwohnerinnen und Einwohner.

Eine extreme Position in der Diskussion um angemessene Fahrpreise stellt ein unentgeltliches ÖPNV-Angebot dar [12, 13]. Wie Aufzüge oder Shuttle-Verkehre bei Veranstaltungen zeigen, haben sich solche Angebote in einem begrenzten Rahmen durchaus bewährt. Genau genommen müsste der rechtsuchende Bürger daran Anstoß nehmen, dass in Europa bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Öresundbrücke) kein Brückenzoll erhoben wird, während Fährpreise immer noch allgemein üblich sind.

Zum Vergleich: Den Baukosten von 181 Millionen Euro für die Dresdner Waldschlößchenbrücke [16] stehen (dagegen lächerliche) Gesamtkosten von rund 0.4 Millionen Euro für die Elbfähre „Caroline“ [21] gegenüber (die Fährpreise sind unter [23] zu finden). Das Verkehrsaufkommen auf der Brücke liegt bei 30800 Kraftfahrzeugen und 2767 Radfahrern pro Tag (beide Richtungen, Stand 31.12.2014, vgl. [17-19]). Im Jahr 2013 wurden auf den drei Dresdner Elbfähren 152,8 Millionen Fahrgäste befördert [22]. Der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes der Landeshauptstadt Dresden Reinhard Koettnitz beziffert die jährliche Folgekosten des Verkehrszugs Waldschlößchenbrücke auf rund 1,5 Mio. Euro [20]. Angaben zu den Betriebskosten der Dresdner Elbfähren kann ich dagegen nicht machen.

Schließlich möchte dem interessierten Leser ein paar weitergehende Informationen zur Verfügung stellen. Der VCD begleitet das Thema ÖPNV-Finanzierung als Fahrgastverband stetig und beteiligte sich jüngst mit einer Studie zu einem ÖV-Beitrag [4-6]. Auf dem Future Mobility Camp (FMC) kommen regelmäßig Nachwuchswissenschaftler, Branchenvertreter und interessierte Laien zusammen, um Herausforderungen und Ideen für den zukünftigen Verkehr zu diskutieren. Im Jahr 2013 analysierte Friedemann Brockmeyer (civity Management Consultants) aufschlussreich Ticketpreise und Nachfrageverhalten in Europa (Stichwort Preiselastizität) [7, 12]. In der Folge steuerte auch Martin Randelhoff in dem Blog "Zukunft Mobilität" einen lesenwerten Artikel zum Thema bei [8]. Regelmäßig geht eine Welle von Meldungen zu gestiegenen Benzin- oder Nahverkehrspreisen durch die Presse. Eine gute zeitliche bzw. verkehrträgerspezifische Gegenüberstellung der Mobilitätskosten in Deutschland konnte ich im Internet nicht ausmachen. Unter den Literaturhinweisen [9], [10] und [11] wird aber auch dieser Aspekt beleuchtet.

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11 Kommentare
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Kornelia Lück aus Zeitz | 05.03.2015 | 05:46  
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Erwin Zimmermann aus Bad Kösen | 05.03.2015 | 18:04  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 05.03.2015 | 18:09  
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Erwin Zimmermann aus Bad Kösen | 05.03.2015 | 18:35  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 05.03.2015 | 19:09  
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Christine Hoppmann aus Rositz | 08.03.2015 | 18:42  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 08.03.2015 | 18:52  
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Christine Hoppmann aus Rositz | 08.03.2015 | 19:11  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 08.03.2015 | 19:14  
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Christine Hoppmann aus Rositz | 08.03.2015 | 19:21  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 09.03.2015 | 05:06  
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