Interview mit Thrillerautorin Anna Martens

Anna Martens (Foto: Foto: susanne-krauss.de)
Der Midnight-Verlag, ein Digitalverlag unter dem Banner der Ullstein Buchverlage, veröffentlichte im vergangenen November den Thriller »Engelsschmerz« aus der Feder der Autorin Anna Martens, der sowohl bei Vorablesen.de, bei Amazon als auch bei Leserkanone.de wohlwollend von den Lesern aufgenommen wurde. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über ihr Buch, ihre eigensinnige Ermittlerin und deren Kompagnon sowie über ihre eigenen Büchervorlieben.

– Frau Martens, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Engelsschmerz« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Aber gerne! Die Studentin Jule ist spurlos verschwunden. Ihre Mutter spürt, dass ihre Tochter in akuter Gefahr ist. Doch erst nach mehreren Versuchen findet die Frau bei der Polizei jemanden, der ihre Bedenken ernst nimmt: Kommissarin Annette Kirchgessner. Zusammen suchen die beiden Frauen nach Hinweisen, was der jungen Frau passiert ist. Und sie haben Recht: Jule ist in Gefangenschaft und kämpft um ihr Leben. Werden die beiden Frauen sie rechtzeitig finden?

Das löse ich hier natürlich nicht auf...

– Ihr Buch wird Lesern und Leserinnen empfohlen, die die Bücher von Chevy Stevens und Michael Robotham mögen. Kann man die Kanadierin und den Australier als ihre literarischen Vorbilder betrachten oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Ich denke bei diesen Vergleichen geht es eher um die Zuordnung, welche Art von Spannung in den Büchern zu erwarten ist. Ganz sicher ist mein Buch nichts für Leser mit schwachen Nerven, das sollte mit dieser Parallele aufgezeigt werden.

Ich war offen gestanden sehr gerührt bei diesem Vergleich, weil beide Autoren großartige Bücher schreiben und weltweit erfolgreich sind. Da fragt man sich schon, ob man diesem Vergleich mit dem ersten Thriller gewachsen ist. Mir selbst fällt es unglaublich schwer meine eigenen Bücher zu beurteilen. Beim Schreiben bemühe ich mich so zu schreiben, wie ich es selbst gerne mag: Kurze Kapitel und verschiedenartige Charaktere, die Stärken und Schwächen haben. So wie jeder Mensch.

Am liebsten lese ich spannende Bücher, auf die ich über das Cover, den Titel oder die Empfehlung meiner Buchhändlerin aufmerksam werde. Zu meinen dauerhaften Lieblingsautoren gehören definitiv Nicci French, Charlotte Link und Karin Slaughter.

– Mit Kommissarin Annette Kirchgessner haben Sie eine Ermittlerin erschaffen, die über einen eigenen Kopf, ein großes Herz und einen messerscharfen Verstand verfügt und die mit ihrem Kollegen Gigi Gruber auf eigene Faust ermittelt. Hatten Sie die Kommissarin und ihren Partner schon entworfen, bevor Sie mit der Konstruktion des eigentlichen Falls begonnen hatten, oder wurden die Figuren für Ihre Geschichte maßgeschneidert?

Kommissarin Annette Kirchgessner schwebte mir schon lange genauso vor, wie sie im Buch ist. Es gibt für diese Figur sogar ein lebendes Vorbild, das allerdings überhaupt nichts mit Polizeiarbeit zu tun hat. Gigi Gruber entstand erst im Nachhinein, nachdem Annette zunächst alleine ihre Ermittlungen durchführte. Dann sah ich eines Tages einen Mann mittleren Alters auf einer Harley und wusste gleich: Den braucht Annette an ihrer Seite. So geht es mir oft: Ich sehe Menschen in der Bahn oder auf der Straße und frage mich, welche Geschichte zu ihnen passen würde.

– Ist das Auftreten der eigensinnigen Kommissarin und ihres Kompagnons eine einmalige Sache gewesen oder ist angedacht, sie Teil weiterer Geschichten werden zu lassen? Sind womöglich bereits weitere Buchprojekte in Planung?

Ich hatte ursprünglich tatsächlich an eine Serie gedacht und die Geschichte der Hauptfiguren so angelegt, dass genug Stoff für weitere Bücher vorhanden ist. Ob es weitere Teile mit dem Duo geben wird, entscheidet sich jedoch maßgeblich durch die Verkaufszahlen, die deutlich machen, ob die Leser mehr über diese beiden Figuren erfahren wollen. Ich wäre jederzeit für eine Fortsetzung bereit, habe aber auch genug Ideen für andere Bücher...

– Als Autorin eines Psychothrillers ist es zwangsläufig nicht nur nötig, eine Heldenfigur zu erschaffen, es muss auch in die Seele mindestens eines Übeltäters hineingeblickt werden. Sie müssen sich somit mit den dunkelsten Abgründen des menschlichen Geistes beschäftigen und diese gar selbst erzeugen. Wie schaffen Sie es, solche Ideen zu entwickeln, woher nehmen Sie die Inspirationen für die Missetaten, die Sie Ihre Täter vollbringen lassen?

Ich denke, dass jeder Mensch helle und dunkle Seiten in sich trägt. Nur wie stark diese zutage treten, kontrolliert werden können, unterscheidet uns voneinander. Wenn mir eine Figur gut gelungen ist, führt sie mich selbst zu den Dingen, die sie tut. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich kenne meine handelnden Charaktere im Laufe des Schreibens so gut, dass ich genau vorhersagen kann, wie sie reagieren oder was sie tun – und trotzdem bin ich nicht selten selbst überrascht. Bei »Engelsschmerz« hatte ich im Entwurf einen ganz anderen Täter im Visier. Es stellte sich aber im Verlauf heraus, dass der viel harmloser war, als ich vermutet hatte.

– Sie schreiben Ihre Krimis und Psychothriller unter verschiedenen Namen. Andere Autoren versuchen mit ihren Pseudonymen in der Regel Bücher voneinander abzugrenzen, die in deutlich unterschiedlichen Genres beheimatet sind. Was hat Sie dazu bewogen, mit unterschiedlichen Namen aufzutreten?

Auch bei mir war die Genregrenze der Beweggrund für das Pseudonym. Ich schreibe unter meinem Klarnamen unblutige Thriller für Jugendliche. Obwohl auch diese von vielen Erwachsenen mit Begeisterung gelesen werden, wollte ich eine klare Grenze zwischen den Büchern ziehen, um nicht falsche Erwartungen bei den Lesern zu wecken.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie seit dem Verfassen Ihrer ersten Kurzgeschichte Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Ich wünsche mir vom deutschen Buchmarkt mehr Mut, eigene Trends zu setzen und nicht nur denen aus dem Ausland nachzueifern. Andere Figuren, Themen, Schreibexperimente zuzulassen. Bei meiner Leserschaft möchte ich mich von Herzen bedanken, denn in dem riesigen Spannungssegment überhaupt aufzufallen, gelesen zu werden, ist schwer. Und ich freue mich darüber, dass sie mir als Neuling eine Chance gegeben haben! Ich selbst hoffe, dass ich sie gut unterhalten habe. Das ist immer mein Anliegen: Spannende Bücher zu schreiben, die man am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wenn das gelungen ist, darf mich jeder Leser gerne weiterempfehlen.
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