Interview mit Thriller-Experte Alex Turow

Alex Turow

Vor wenigen Wochen veröffentlichte Amazon Publishing den Roman »Der Spiegel meiner Schwester« neu, einen Psychothriller, den Autor Alex Turow im vergangenen Herbst erstmals publizierte. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach der Thriller-Experte über sein Buch, die USA als Schauplatz seiner Geschichten und über seine zukünftigen Projekte.

– Herr Turow, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem aktuellen Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Der Spiegel meiner Schwester« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

DSMS, wie ich es gerne nenne, ist ein Psychothriller, aber eben nicht NUR. In all meinen Büchern mischen sich Genres. DSMS ist auch ein (Familien-)Drama. DSMS hat auch Anteile, die man dem Mystery-Genre zuordnen kann. In erster Linie handelt das Buch von Samantha und, wie der Leser kurze Zeit später erfährt, ihrer Zwillingsschwester Carrie, die an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet. Sam, die selbst Ärztin wird, hat Angst, Carries Schicksal teilen zu müssen. Sam hat zudem eine wilde Jugend hinter sich, die sie nicht enden ließ, nachdem sie früh ihren Bilderbuchehemann geheiratet hat. Und Sam ließ keine Gelegenheit für einen One-Night-Stand aus. Bis zu ihrem letzten, bei dem sie einen vermeintlichen Serienmörder traf, der sie mit einem Rasiermesser von ihrer Sexsucht befreite. Samantha konnte entkommen, doch viele Jahre später holt sie alles wieder ein. Was dann passiert, möchte ich nicht verraten. Okay, ein wenig spoiler ich schon: Nichts, was dann kommt, ist so, wie es man es erwartet. Absolut nichts.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Mein absoluter Lieblingsautor ist und bleibt Stephen King, obwohl mich seine jüngeren Bücher nicht mehr vollständig faszinieren konnten. Er ist auch mein literarisches Vorbild. Trotzdem ist meine Erzählweise wohl etwas kompakter. Romane wie »ES«, »The Stand« und »Friedhof der Kuscheltiere« haben mich geprägt. Mein erstes »Erwachsenenbuch« mit 12 war »Salems Lot«. Ich würde, neben Stephen King-Fans, denen ich vor allem »Nathaniel« ans Herz lege, Lesern von Gillian Flinn, Thomas Harris, Dean R. Koontz und James Patterson meine Bücher empfehlen. Und allen Lesern, die im Thriller-Genre mal etwas anderes lesen möchten. Meine Bücher sind anders. Ich mag den Thriller-Main-Stream nicht und vor allem mag ich keine ausgeprägte horizontale Erzählweise.

– Als Schauplatz Ihres Romans haben Sie die amerikanische Provinz gewählt. Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, Ihre Geschichte in die Vereinigten Staaten zu exportieren? Haben Mecklenburg-Vorpommern oder das Sauerland nicht den nötigen kriminellen Flair?

Das ist ganz einfach zu beantworten: ich schreibe Bücher, die ich selbst gerne lesen möchte und deren Lokalitäten sind nicht vor meiner Haustür. Und ich schreibe Bücher, die vielleicht auch Leser in den USA interessieren könnten. Ich mag die Schauplätze meiner literarischen Vorbilder und ich kenne mich dort gut aus. Besser als in Mecklenburg-Vorpommern. Das Sauerland begleitet mich seit meiner Kindheit und vieles was ich dort erlebt habe, konnte ich gut nach Maine, USA verlagern, denn so sehr unterscheiden sich beide Locations nicht. In »Nathaniel« kann man mehr darüber erfahren.

– Ihre Protagonistin Sam wird von ihren Jugendsünden eingeholt und mit einer Mordserie konfrontiert. Es war für Sie also notwendig, auf literarischem Wege Verbrechen und menschliche Abgründe zu erschaffen. Wie bringt man sich in die richtige Stimmung, um sich Verbrechen auszudenken und sich während des Schreibprozesses wochen- oder monatelang damit auseinanderzusetzen? Was macht das Genre des Thrillers generell für Sie aus?

Die menschliche Natur ist generell voller Abgründe. Das Böse steckt in uns allen. Deswegen empfinden wir so viel Vergnügen, wenn wir Bücher lesen, wie ich sie schreibe, und das macht dieses Genre so interessant. All diese Abgründe sind für jeden von uns vorstellbar. Der Schriftsteller lässt es, auf der Grundlage einer Idee, einfach nur »laufen«, befreit das Monster, das in ihm und jedem steckt, von den Zwängen der Zivilisation. Am Ende hat man eine erschreckende Geschichte. Man wundert sich oft selbst, zu was man, wenn auch nur gedanklich, fähig ist.

– Nachdem Sie Ihren Roman im vergangenen Herbst in Eigenregie via »CreateSpace« veröffentlicht hatten, wurde er vor wenigen Wochen von Amazon Publishing neu herausgegeben. Wie kam es dazu?

Ganz einfach und auch für mich überraschend. Amazon Publishing hat das Buch entdeckt und mich kontaktiert. Alles, was danach kam, war höchst professionell, fair und menschlich. Ich empfehle jedem Autor, dem Gleiches zuteilwird, die Chance zu ergreifen. APUB ist ein toller Verlag, auch wenn die Vertriebswege derzeit auf Amazon beschränkt sind.

– Sie haben schon als Zwölfjähriger Kurzgeschichten verfasst, wenig später Romane. Warum haben Sie sich dann bis zum Jahr 2014 Zeit gelassen, ehe Sie den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt und Ihren ersten Roman herausgegeben haben?

Schwere Frage, nächste Frage. Aber nun gut, ich will mich dazu äußern.

Vor der Möglichkeit des Self-Publishings war der Weg eines neuen Autors äußerst steinig, und als sich diese Chance bot, ergriff ich sie. Außerdem fand ich mich lange nicht »gut genug«, um mich der Öffentlichkeit auszusetzen. Viele Leidenschaften begleiten mich. Ich arbeite recht erfolgreich in der Software-Branche, male als Hobby Bilder, komponiere Musik. Ich schrieb immer wieder mal, dann beherrschten andere Dinge mein Leben. So geht es vielen. Manche träumen davon, endlichen mal einen Roman zu schreiben, schaffen es aber nie. Ich schrieb meinen ersten mit 13 Jahren. Gut war er nicht. Als das Leben mir den Raum gab und ich bereit war, ihn mit einem richtigen Buch zu füllen und vor allem wusste, dass ich auch weitere schreiben konnte, tat ich es.

– Neben »Der Spiegel meiner Schwester« existiert noch ein zweiter Roman aus Ihrer Feder, ein Thriller namens »Nathaniel«, dem Sie auf Ihrer Webseite selbst das Prädikat verleihen, er sei mit nichts vergleichbar. Was erwartet die Leser in diesem Buch, und was macht es zu etwas ganz besonderem?

Nathaniel ist ein Buch, bei dem der Leser nach dem Aufschlagen des Buchdeckels eine Fahrkarte für eine Achterbahn der Gefühle gekauft hat. Die Erzählweise der »Ich-Form« zieht dich tief rein. Man folgt dem Protagonisten Nathaniel Hawk, lernt ihn kennen, und auch mögen, bis tief in seine Jugenderinnerungen, die alles andere als durchschnittlich sind. Nathaniel ist dem absolut Bösen begegnet. Und 30 Jahre später fordert es ihn erneut heraus. Ohne seine Intervention wird die Welt untergehen. Ob das Wirklichkeit ist oder das Gespinst seines kranken Hirns, findet jeder für sich heraus, der es liest. Die Fans, die dieses Buch lieben, machen es zu etwas Besonderem. Ein Leser schrieb auf Amazon: »Die Summe an Gänsehaut und Tränen am Ende eines Buches hatte ich noch nie«. Das schönste Feedback, das ich bisher bekommen habe. Bis jetzt ist »Nathaniel« mein Lieblingsbuch.

– Was können wir von dem Autor Alex Turow in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Ja klar, mehrere sogar. Abgeschlossen und lektoriert ist »Sieben Seelen«, ein Speed-Thriller mit parapsychologischem Hintergrund. Leseprobe und Klappentext findet man auf meiner Webseite http://alexturow.jimdo.com . Dann habe ich einen zu 2 / 3 fertiggestellten Horrorroman »in der Schublade«, dessen Namen ich noch nicht verraten möchte und eine Novelle mit dem Titel »Liebes Kind«.

Jedes Buch wird anders sein, als der Vorgänger. Das verspreche ich.
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