Interview mit Star-Autorin Tatjana Kruse

Tatjana Kruse (Foto: Foto: Jürgen Weller Fotografie, Schwäbisch Hall)
Die für ihre originellen »Wuchtbrummen«-Bücher und ihre Reihe an amüsanten Kriminalromanen um den in den Ruhestand versetzten Kommissar Siegfried Seifferheld bekannte Bestsellerautorin Tatjana Kruse schickt in ihrem neuen Roman »Bei Zugabe Mord!« eine kapriziöse Operndiva auf Verbrechersuche. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über ihr neues Buch, die Verbindung von Spaß und Verbrechen und über das kriminelle Potenzial der Oper.

– Frau Kruse, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem neuen Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Bei Zugabe Mord!« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

»Bei Zugabe Mord!« dreht sich um die Sopranistin Pauline Miller, die auf den Salzburger Festspielen feststellen muss, dass mehr gestorben als gesungen wird.

Es ist aber kein verschwurbelten Opernkrimi, sondern ein heiterer Sommerkrimi mit Schokoholikerinnen, die auf Mozartkugeln starren, mit charmanten Frauenflüsterern, österreichischen Kampfschwimmern und einem narkoleptischen Hund.

– Mit Pauline Miller schicken Sie keine klassische Ermittlerin, sondern eine exzentrische Operndiva auf Verbrecherjagd. Was zeichnet die Figur aus? Hegen Sie selbst besondere Sympathien für die Primadonna?

Ich liebe meine Diva! Sie ist herrlich schräg, ein bisschen kapriziös, aber mit einem großen Herzen - wie eigentlich jede Frau. Ich mag ihre Schwächen, ihre Ecken und Kanten und ihre rubenesken Rundungen, die sie vorzugsweise in knallige Ensembles steckt. In diese erste Mordserie stolpert sie ja nur versehentlich, weil die Schicksalsgötter sie eigentlich als Opfer auserkoren haben, aber dann lässt sie nicht locker und verbeißt sich förmlich in den Fall, wie ein Pitbull in eine Verbrecherwade. Die angenehme Nebenwirkung ihrer Ermittlungen ist, dass sie dadurch von ihrem Liebeskummer befreit wird.

Wer meine Reihe um die »Wuchtbrumme« (Goldmann) kennt und mag, wird Pauline lieben!

– Ihr Buch wird als »Pauline-Miller-Krimi 1« beworben. Ist also geplant, eine ganze Reihe an Büchern mit Pauline Miller als Protagonistin zu veröffentlichen? Falls ja, ist ein solches Vorhaben nicht gewagt, so lange man noch nicht einschätzen kann, ob die Figur von den Lesern auch wirklich gut aufgenommen wird? Und gibt es in der Opernszene tatsächlich viele Ansatzpunkte für das geschriebene Verbrechen, dass man eine ganze Reihe dazu schreiben kann?

Wie eine echte Operndiva bekommt Pauline auf jeden Fall noch Engagements in Bregenz und Bayreuth, und es wäre mir eine große Freude, falls auch darüber hinaus noch »Auftritte« zustande kommen. Das liegt jetzt in der Hand der Leserschaft. Ich hoffe natürlich, dass meine treuen Fans die Pauline ebenso lieben werden wie ich, und dass ich mit ihr darüber hinaus auch neue Fans dazugewinnen kann - alle, die immer schon vermutet haben, dass es hinter den Kulissen einer großen Opernbühne Mord und Totschlag geben muss, und das jetzt bestätigt sehen wollen, und alle, die sich einfach gern bei einem augenzwinkernd humorvollen Krimi entspannen möchten. Opern - und Opernbühnen - gibt es ja genug, und ich habe auch keine Angst, dass mir irgendwann die Mord-Ideen ausgehen könnten.

– Was inspirierte Sie ursprünglich dazu, einen Krimi in der Welt der klassischen Musik und darstellenden Kunst zu verlagern? Was ist Ihr persönliches Verhältnis zur Oper im Allgemeinen und den Salzburger Festspielen im Speziellen?

Ich liebe die Oper und besuche regelmäßig Aufführungen oder singe auch schonmal die schönsten Arien unter der Dusche - falsch, aber laut und gurgelnd (an dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Nachbarn dafür entschuldigen).

Oper, da stöhnen viele womöglich auf. Jetzt aber bitte nicht an die Aufführungen denken, die man zwangsweise als Schüler oder Schülerin besuchen musste. Heutzutage sind Opern bunt, mitreißend, provokant, berührend, spektakulär inszeniert - und irgendwie hoffe ich immer, dass eines Tages ein Regisseur Tosca, Carmen oder die Madame Butterfly einmal anders inszeniert und es am Ende ein Happyend für die Mädels gibt ...

»Bei Zugabe Mord!« spielt auch eher selten direkt auf der Bühne, meistens begleiten wir Pauline und ihren Boston Terrier Radames in ihre Stammkneipe oder an die diversen Tatorte in Salzburg.

Als der Verlag und ich diese neue Serie konzipierten, äußerte der Verleger den Wunsch, ob die Reihe nicht in Salzburg beginnen könnte, und blitzartig war mir klar: es müssen die Festspiele werden! Die wochenlange Recherche vor Ort war ein Fest für mich - zugegeben weniger wegen der Musik, mehr wegen der Mozartkugeln. Das im Buch nachgestellte Mozartkugelmassaker beruht auf wahren Tatsachen!

– Ihre Krimis zeichnen sich durch skurrile Figuren, absurde Situationen, witzige Dialoge und ein besonders feines Gespür für die Merkwürdigkeiten des Alltags aus. Die Süddeutsche Zeichnung erhob Sie zur »Königin der Krimi-Comedians«. Wie schaffen Sie es, beim Schreiben auf Knopfdruck humorvoll zu sein und locker und amüsant zu klingen? Wie erhalten Sie während eines wochen- oder monatelangen Schreibprozesses die dafür notwendige Stimmung?

Das ist nicht mein Verdienst, die Natur hat mich so angelegt. Schon als Baby soll ich angeblich andauernd fröhlich gegluckst haben. Quasi genetisch bedingt suche ich überall und ausnahmslos immer nach dem Humor in einer Situation. In der Realität und in der Fiktion. Das Leben ist hart genug, da müssen es meine Bücher nicht auch noch sein.

– Empfindet man eine gelungene witzige Szene oder einen komischen Dialog eigentlich auch dann immer noch als gelungen, wenn man ihn beim dritten, fünften oder zehnten Kontrolllesen immer wieder aufs Neue durchgeht? Kann man spaßige Formulierungen dann überhaupt noch von Gags unterscheiden, die besser gestrichen oder ersetzt werden sollten, oder benötigt man dafür die Hilfe von Unterstützern?

Gerade wenn man eine Szene zum dritten oder vierten Mal liest, muss sie noch witzig sein, andernfalls sollte sie raus aus dem Buch. Ich lese mir meine Bücher während des Schreibprozesses ja immer gern laut vor - nicht nur wie jetzt im Aufnahmestudio beim Einlesen von »Bei Zugabe Mord!« als Hörbuch, sondern auch zuhause am Schreibtisch -, und erst, wenn ich selbst schmunzeln muss, darf die Szene im Manuskript bleiben. Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich zu Lesungen eingeladen werde, und bei solchen Events muss ja meine Freude am Text auch aufs Publikum überspringen, da darf dann nichts dabei sein, wo sogar ich denke: Großer Gott, was hast du denn da geschrieben?

Humor ist natürlich ebenso vielfältig wie Musikgeschmack - nicht jeder findet das, was ich schreibe, lustig. Aber wer meine Art von Humor mag, wird bei Pauline Miller auf jeden Fall auf seine Kosten kommen.

– Was können wir von der Autorin Tatjana Kruse in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung, und ist ein Wiedersehen mit Siggi Seifferheld in Aussicht?

Die nächsten Wochen und Monate werde ich natürlich damit verbringen, Pauline ganz fest die Daumen zu drücken - sie soll ja möglichst viele Freunde finden!

Apropos Freunde: man kann sich mit ihr auch auf Facebook verbinden... (https://www.facebook.com/pages/Pauline-Miller/5274...)

Und sobald ich die Daumen dann gelöst und wieder gelockert habe, geht es flugs an den zweiten Band und dritten Band. Das wird mich eine Weile beschäftigt halten!
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