Interview mit Science-Fiction-Autorin Bettina Petrik

Bettina Petrik

Der Verlag »In Farbe und bunt« hat kürzlich damit begonnen, eine neue Science-Fiction-Serie namens »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache« zu veröffentlichen. Kopf des Projekts ist Bettina Petrik, aus deren eigener Feder die Doppel-Pilotfolge »Levity« stammt. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über das groß angelegte Projekt, die anderen Mitarbeiter und den aktuellen Stellenwert von Science-Fiction-Literatur.

– Frau Petrik, Sie sind der Kopf hinter der neuen Science-Fiction-Serie »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache«, die kürzlich mit einer Doppel-Pilotfolge das Licht der Öffentlichkeit erblickte und monatlich mit neuen Episoden fortgesetzt werden wird. Vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von der Reihe genommen. Könnten Sie unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen, welche Geschichte sie in »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache« erwartet?

Die Leser erwartet eine Space Opera, kurz gesagt. Bunte Science-Fiction mit dem richtigen Schuss Emotionalität, die sich nicht hundertprozentig ernst nimmt und auf klassische Storylines setzt, in der aber auch Wert darauf gelegt wird, die Charaktere gut auszuarbeiten. Ich bin seit Kindesbeinen an großer Fan von SF-Serien. Mit »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache« wollen mein Autorenteam und ich den Leser in kurzen, unterhaltsamen und mitreißenden Episoden regelmäßige, preiswerte Science-Fiction bieten, die Spaß macht. Ein wenig Laserfeuer, viel Charme, Freundschaft und Rivalität zwischen Crew-Mitgliedern, die ständige Flucht als Gesetzlose und Verstoßene der Gesellschaft, und kunterbunte Abenteuer in den unendlichen Tiefen des Alls.

– Der Auftakt zur Serie, der den Titel »Levity« trägt, wurde von Ihnen selbst verfasst. Die späteren Episoden stammen hingegen aus der Feder von zahlreichen anderen Autoren. Um wen handelt es sich dabei, und was zeichnet die einzelnen Mitarbeiter aus? Wie hat sich die Gruppe zusammengefunden?

Wir haben ein Team von 10 deutschsprachigen Autoren, die aus mehreren Ecken Europas kommen. Untereinander kannte man sich teilweise bereits über Online-Internetarchive wie dem Tintenzirkel und fanfiktion.de. Ich selbst bin als Redakteurin eines Kleinverlags angestellt und wurde vom Verleger auf die Idee einer Science-Fiction-Serie angesprochen. Daraufhin habe ich meinen alten »Levity«-Piloten aus den Untiefen meiner Festplatte hervorgekramt und überarbeitet. Anschließend suchte ich in Autorenforen nach Interessenten für das Projekt, die sich mit Space Operas und Military SF identifizieren konnten. Da über so eine Online-Suche naturgemäß Bekanntschaften über große Entfernungen hinweg entstehen, verliefen die gesamte Suche und die Vertragsverhandlungen online. Unsere erste Gruppenkonferenz hatten wir spätnachts in einer Skype-Sitzung, denn »Verlag ist immer«, wie ich gern zu sagen pflege. Wir haben 3 Männer und 7 Frauen im Team, dazu noch meine Person, die als inhaltliche Leitung fungiert. Ich bin gebürtige Österreicherin, wohne aber jetzt im Ruhrpott, dazu haben wir Autoren aus der Schweiz, aus Schweden und Deutschland. Uns alle verbindet die Liebe zum Franchise und zum Geek-Sein. Es gibt kaum jemanden unter uns, der nicht auf Conventions geht und/oder sich mit Cosplay, Fanfic, Fanart, RPG etc. beschäftigt. Mehrere von uns schreiben unentgeltliche für Phantastik-Magazine. Mir war es von Anfang an wichtig, mit Fans zusammenzuarbeiten, mit passionierten, talentierten Schreiberlingen, für die Charaktere und Handlung im Vordergrund stehen anstatt Marktorientierung und die Vermarktung der eigenen Person.

– Wie wird sichergestellt, dass die einzelnen Episoden stilistisch und inhaltlich zusammenpassen? Geben Sie als Leiterin des Projekts fast alles selbst vor, oder wurde den anderen Autoren ein großer Freiraum gewährt?

Als einen der ersten Schritte haben wir ein Wiki erstellt, in welchem sämtliche Charaktere, Raumschiffe, Handlungsdetails, Planeten, Spezies, physikalische Begebenheiten und eine genaue Zeitlinie festgehalten sind. Dieses Wiki halten wir alle so zeitnah wie möglich aktuell, so kann jeder Autor die Begebenheiten der einzelnen Elemente nachschlagen. Im Wiki haben wir auch einen Staffelplan aufgestellt und die wichtigsten Handlungsstränge festgehalten, die in den nächsten Episoden berücksichtigt werden müssen. Auch Dinge wie ein ganz großer Plot Twist, auf den die Serie in ferner Zukunft hinarbeitet, sind im Wiki niedergeschrieben. Um diese Eckpunkte bauen die Autoren ihre Episoden herum. Dabei legen sie mir die ungefähre Idee in einem Exposee vor und ich gebe dieses frei, dann wird es im Wiki gepostet, und die anderen können sich dazu äußern. So wird festgestellt, dass sich gegenseitig mit den Plänen für die Charaktere nicht im Weg gestanden wird. Nach Beisteuerung des Piloten äußere ich allerdings nur noch Ideen und lasse den Autoren so viel Freiraum wie möglich. Auch wenn die Charaktere ursprünglich meine Babys waren und ich vor vielen Jahren vielleicht schon die eine oder andere Idee hatte – zum Beispiel »shippe« ich den Captain des Raumschiffs »Levity« und den ersten Offizier wie Fed-Ex, wie wir im Fandom so schön sagen – im Endeffekt habe ich die Serie in die Hände meiner Autoren gelegt, und es wird so demokratisch wie möglich über Entwicklungen abgestimmt. Wenn man sich mal gar nicht einig wird, liegt die Endentscheidung bei mir, aber das kommt eher selten vor.

– Eine ganze Reihe an Büchern zu konzipieren, noch bevor der erste Teil veröffentlicht wurde, ist gewagt, denn schließlich lässt sich schwer abschätzen, wie die Leserschaft das Projekt aufnimmt. Was gibt Ihnen das Vertrauen, dass »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache« funktionieren wird? Was halten Sie selbst für die großen Stärken der Reihe im Allgemeinen und des von Ihnen verfassten ersten Buchs im Speziellen?

Wir haben uns bei den Planungen ein wenig an anderen Science-Fiction-Serien orientiert, die in Deutschland seit Jahren und Jahrzehnten gut laufen. Und auch wenn man sich TV-Serien wie »Firefly« anschaut, die trotz limitierter Episoden nach Jahren immer noch eine riesige Fanbase hat, weiß man, dass die Leute Science-Fiction nach wie vor sehr zugetan sind. Man braucht jedoch ein Element, das einen von der Eintönigkeit der simplen Reise durch das All abhebt. Der Markt ist da, nun muss das Produkt nur noch bekannt werden, um auch alle interessierten Leser zu erreichen. Unsere Stärken liegen im leicht lesbaren, unterhaltsamen Stil und der Kunst, in kurzen, knackigen Episoden sowohl spannende Action als auch stetige, schlüssige Charakterentwicklung unterzubringen. In der ersten Episode, »Levity« lernt der Leser nach und nach die sechs Vagabunden kennen, welche die Serie von da an begleiten, ohne mit Neuvorstellungen und überladenem Worldbuilding erschlagen zu werden. Die Geschichte führt in das trostlose Leben auf der Erde der Zukunft ein und weckt das Interesse mit bekannten Orten wie einer heruntergekommenen Bar in New York und einer planetenübergreifenden Diktatur, wie man sie aus anderen SF-Fiktionen kennt. Gleichzeitig lassen die Einführung einer Alien-Frau mit telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten, die frei erdachten Charakternamen und die ersten Laserkanonen-Schüsse schon im Prolog keinen Zweifel daran, dass wir uns in einem weit von der Realität entrückten Setting befinden. Die Nähe zu völlig unterschiedlichen, farbenfrohen Charakteren wie dem sarkastischen, selbstzweifelnden Captain, der brillanten minderjährigen Wissenschaftlerin und dem kratzbürstigen Straßenkind zieht den Leser rasch in seinen Bann. Und das schnelle Tempo einer Verfolgungsjagd quer durch die Milchstraße lässt keine Langeweile aufkommen.

– Das Corona Magazine beschreibt die Buchreihe in seiner Juliausgabe als eine Mischung aus »Firefly« und »Star Wars«. Was halten Sie von Vergleichen wie diesem?

Die Wurzeln der Serie sind kaum zu verleugnen, in der Tat. Leute, die meinen Fanfiction-Account auf fanfiktion.de kennen, werden sich vielleicht auch erinnern, dass das Konzept der Pilotepisode ursprünglich einmal in der »Star Wars«-Sektion gepostet war. Davon ist aber inzwischen natürlich nur noch in einigen Hommagen etwas zu merken. Inzwischen bilden die Geschichte und die ganze Serie ein völlig eigenständiges Universum. Die Idee der Gesetzlosen, die für eine gute, richtige Mission gegen ein übermächtiges System arbeiten, ist ja nicht neu, und es ist kein Geheimnis, dass ich mich in dieses verliebt habe, als ich damals »Firefly« entdeckte. Wer sich für Franchises dieser Art interessiert, ist bei uns jedenfalls genau richtig.

– Science-Fiction-Literatur hatte in den letzten Jahren – im Vergleich zu früheren Zeiten - einen vergleichsweise schweren Stand. Bei Amazon findet nur selten ein SciFi-Roman den Weg unter die Top 100 der meistverkauften Bücher, in anderem Verkaufslisten bleibt das Genre oft ganz außen vor. Wie schätzen Sie den aktuellen Stand des Genres ein, worin sehen Sie die Ursachen? Denken Sie, dass es sich um einen vorübergehenden Zustand handelt? Was könnte Ihrer Meinung nach dafür sorgen, dass Science-Fiction-Literatur wieder einen größeren Schub bekommt und deutlicher ins Interesse der Massen rückt?

Das Paradoxe daran ist, dass die Leute sehr wohl nach Science-Fiction verlangen. Als Redakteurin eines Verlags kann ich das aus eigener Hand bestätigen. Unsere Science-Fiction-Werke erfreuen sich großer Beliebtheit, und wir haben auch bei der ersten »Levity«-Episode schon bemerkenswerte Erfolge verzeichnet. Wir bekommen aber als Verlag leider nicht viele Science-Fiction-Manuskripte zugesandt. Es schreiben nur wenige Leute dieses Genre im Moment, und das ist sehr schade, denn die Nachfrage ist auf jeden Fall da.

– Was können wir von der Autorin Bettina Petrik nach der Arbeit an »Mission: Levity - Rettung ist Verhandlungssache« erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung, oder ist das Projekt so umfangreich, dass dafür keine Zeit bleibt?

In diesem Jahr kommt noch mein Roman »Der K.A.I.N.-Widerstand« heraus, der sich ebenfalls als Science-Fiction-Projekt versteht, sich aber in einer etwas näheren Zukunft als die Abenteuer der »Levity« abspielt. Darin geht es um eine Liebesgeschichte und die Problematik des Klonens von Menschen. Dann bringe ich zu Jahresende noch ein Sachbuch heraus, das sich mit dem Thema Fanfiction befasst – womit sich der Kreis wohl schließt. Als Projekt mit Fanfiction-Wurzeln hat auch die »Levity« einen großen Fandom-Bezug, und die Fanfiction hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Aber natürlich fließt im Moment die meiste Zeit in die Planung der Serie, was auch sehr, sehr großen Spaß macht.
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