Interview mit Roman-Noir-Autorin Isabel Morland

Isabel Morland
Vor wenigen Wochen veröffentlichte Edel:eBooks den Roman »An den Rändern der Nacht« von Isabel Morland. Die ersten Bewertungen durch die Besucher der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de waren so positiv, dass das Buch in deren Lesercharts einstieg. Im Interview sprach die Autorin über ihr Buch, dessen Entstehungsgeschichte und über ihr besonderes Verhältnis zur französischen Hauptstadt, die den Schauplatz des Romans bildet.

– Frau Morland, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »An den Rändern der Nacht« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Stellen Sie sich vor, Sie finden sich auf einem Bahnsteig am Gare de L´Est wieder. Sie wissen nicht, wer Sie sind und weshalb Sie nach Paris gekommen sind. Die einzige Verbindung, die Sie zu Ihren früheren Leben haben, ist eine Handtasche... Das ist die Ausgangssituation meiner Protagonistin, Audrey Lafayette. Zum Glück findet sie Unterschlupf im Hause eines Diplomaten. Doch nichts ist, wie es scheint. Als zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, in Audreys Leben treten, entspinnt sich ein diffiziles Intrigenspiel und Audrey weiß nicht, wem sie vertrauen soll, schlimmer noch, sie traut nicht einmal sich selbst... Wie es weitergeht ...? Tja, nur soviel sei verraten: große Gefühle und große Gefahren stellen Audrey vor folgenschwere Entscheidungen...

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Das Buch eigent sich für alle Leser, die es gerne sowohl spannend, als auch romantisch lieben und die auf der Suche sind nach einem Roman, der Paris einmal anders als gewöhnlich beleuchtet.

Literarische Vorbilder im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Ich versinke beim Schreiben in meiner eigenen Welt und versuche, den inneren Kritiker in die Kaffepause zu schicken. Insofern folge ich meiner eigenen inneren Stimme. Wenn eine Szene gelungen ist, dann habe ich ein Hochgefühl, dann spüre ich, ja, das stimmt so. Wenn nicht, dann grummelt es im Magen und ich überarbeite, bis sich das gute Gefühl wieder einstellt. Ich denke, ich folge meinem eigenen Stil innerhalb des klassischen Genre Noir.

Meine eigenen Lieblingsbücher? Alles, was spannend ist, ohne dabei unnötig brutal zu sein. Und alles, das Gefühle weckt. Ich lese gerne Romane, die in England oder Frankreich spielen, z.B. Kate Morton, Hannah Richell, Elisabeth Gifford, Charlotte Link, um nur einige zu nennen.

– Ihr Lebensweg führte sie von Deutschland aus nach Paris über Großbritannien bis hin in die hintersten Winkel Schottlands und zurück nach Süddeutschland. Ihr Ihrem Roman nehmen Sie Ihre Leser nun wieder zurück in die französische Hauptstadt. Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Roman nach Paris zu verlegen? Was bedeutet Ihnen die Stadt persönlich?

Paris ist Teil meiner Identität. Hemingway hat es so trefflich ausgedrückt: »WENN DU DAS GLÜCK HATTEST, ALS JUNGER MENSCH IN PARIS ZU SEIN, DANN TRÄGST DU DIE STADT FÜR DEN REST DEINES LEBENS IN DIR, WOHIN DU AUCH GEHEN MAGST, DENN PARIS IST EIN FEST FÜRS LEBEN.«

Ich hatte dieses Glück und Paris ist tief in meinem Herzen verankert. Da ist der eine Grund, weshalb der Roman in Paris spielt. Der andere ist, dass die Protagonisten einfach nur nach Paris passten, nirgendwo sonst auf der Welt hätte man Charaktere wie Luc, Monique oder Philippe getroffen. Sie sind waschechte Pariser!

– Wie ist Ihr Roman entstanden? Hatten Sie zunächst die Figur der jungen gedächtnislosen Frau vor Augen, oder stand zunächst der Plot fest, so dass »Audrey Lafayette« anschließend dafür »maßgeschneidert« werden musste? Was sind Ihrer Einschätzung nach die besonderen Qualitäten Audrey Lafayettes, die Ihre Leser dazu bringen werden, sich von ihrem Abenteuer packen zu lassen?

Es begann alles mit Audrey. Audrey hätte sich unmöglich in ein maßgeschneidertes Korsett zwängen lassen. Von Rainer Wekwerth durfte ich lernen, dass jede gute Geschichte bei der Figur beginnt und ich kann nur sagen, er hat absolut recht.
Audreys besondere Qualitäten sind auf der einen Seite vor allem ihr Mut, weiterzumachen, wenn alles verloren scheint. Sie gibt nicht auf, obwohl sie einiges erleiden muss. Auf der anderen Seite ist sie eine Frau voller Leidenschaft und Gefühle, auch wenn sie dies eins aufs andere Mal ins Chaos stürzt. Da liebe ich an ihr. Ich mag leidenschaftliche Menschen, die Fehler machen, leiden und wieder aufstehen können.

– Hat sich die ursprünglich geplante Geschichte während des Schreibens noch einmal verändert? Welcher Zeit- und Arbeitsaufwand steckt grundsätzlich in einem Buch wie »An den Rändern der Nacht«?

Ein paar Nebenstränge haben sich verändert. Soviel Freiheit lasse ich mir. Auch wenn das Konzept vorher steht, komme ich irgendwann an den Punkt, an dem meine Protagonisten Dinge tun, die so nicht vorgesehen waren. Meistens lasse ich sie, denn in der Regel haben sie recht mit ihrem Verhalten.

Für ein Buch benötige ich in der Regel ein Jahr, darin sind Planung, Recherche, der Schreibprozess und die Überarbeitung enthalten. Wieviele Arbeitsstunden das sind? Puuuhhh, darüber denke ich lieber nicht nach... :-)

– Viele Autoren sehen in E-Books auch heute noch eine Bedrohung für ihr Einkommen und eine Gefährdung ihres Urheberrechts. Ihr Roman wurde von Edel Ebooks hingegen ausschließlich in elektronischer Form veröffentlicht. Wird es dabei bleiben, oder ist ein späteres Erscheinen als Printausgabe nicht ausgeschlossen? Halten Sie es in der heutigen Zeit überhaupt noch für notwendig, Bücher auf Papier zu publizieren?

Ein späteres Erscheinen als Print ist nicht ausgeschlossen. Im Übrigen verstehe ich nicht, weshalb beide Formen des Lesen immer in Konkurrenz zueinander gesehen werden. Weshalb soll denn nicht beides nebeneinander existieren können und voneinander profitieren? Ich reise sehr viel mit der Bahn, dort sehe ich viele Menschen mit EReadern, auf Reisen ist das einfach sehr praktisch, das geht mir genauso. Wenn ich reise, schleppe ich nicht wie früher zusätzlich zum Gepäck einen Stapel Bücher mit mir herum. Auf der anderen Seite, wenn ich zuhause bin, lese ich am liebsten gedruckte Bücher. Ich finde es schön, hübsche Hardcovers im Regal stehen zu haben, die man auch anfassen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Weshalb also von Bedrohung und Konkurrenz sprechen?

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie in den wenigen Wochen seit dem Erscheinen ihres Buchs spezielle Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Ich wünsche mir vom deutschen Buchmarkt, dass er sich selbst treu bleibt und nicht zu sehr amerikanisiert wird. Was die Leserschaft betrifft, so kann ich nur sagen, ich bin begeistert, wie angeregt und engangiert kommentiert und rezensiert wird. Jede einzelne Rezension ist ein Geschenk, denn nur dadurch bekomme ich Rückmeldung. Mit den Lesern in Kontakt treten zu dürfen, ist eine wunderbare Erfahrung und ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei meinen Lesern dafür bedanken, dass sie sich die Zeit dafür nehmen!

– Was können wir von der Autorin Isabel Morland in Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Im Moment arbeite ich an einem Roman Noir, der in Edinburgh spielt. Eine Stadt, die mich begeistert und gefangen genommen hat, und ich hoffe, ich kann meine Leser mitnehmen auf eine äußerst spannende Reise in die einzigartige Atmosphäre Schottlands.
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