Interview mit Liebesroman-Autorin Maria C. Brosseit

Maria C. Brosseit
Maria C. Brosseit veröffentlichte am 1. April mit »Calliope« ihr erstes eigenes Buch, einen typischen modernen Liebesroman, jedoch mit ungewöhnlicher Hauptfigur. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Selfpublisherin über ihren Roman, den Weg von der Fanfiction zum ersten eigenen Buch und über ihre ersten Erfahrungen als frischgebackene Autorin.

– Frau Brosseit, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Calliope« kurz mit eigenen Worten vorstellen? Was hat es mit dem Buchtitel auf sich?

Der Buchtitel bezieht sich auf den Namen der weiblichen Hauptfigur – Calliope. Seinen Ursprung hat er in der griechischen Mythologie – Calliope ist die älteste der 9 Musen und Tochter von Zeus. Ich bin ehrlich – er hat mir schlichtweg einfach gefallen.

Es ist ein klassischer Liebesroman in der heutigen Zeit. Allerdings ohne die perfekte, 18jährige Jungfrau, die der großen Liebe ihres Lebens in die Arme fällt und fortan das brave, wunderschöne Weibchen ist. Meine Callie ist etwas zu rund, schon über 30 und hat noch dazu eine ziemlich große Klappe – aber sie weiß was sie will und wie sie es bekommt. In diesem Fall Nathan – den jüngeren Sohn der Frau, die Callies Stiefmutter werden soll. Nicht genug das Nathan von den Hochzeitsplänen nichts weiß, nein, er ist auch der Meinung, dass er für Liebe und andere Verstrickungen keine Zeit hat. Blöd, dass Callie von seiner Meinung nichts hält und Nathan sich ziemlich schnell in ihrem Bett wiederfindet. Die beiden beginnen etwas, das sie »friends with benefits« nennen – aber sind wir Mal ehrlich – seit wann klappt denn so etwas? Callie hat zudem noch ein, zwei Geheimnisse, die dem Glück der Beiden im Weg stehen – ob und wie sie am Ende zueinander finden, möchte ich hier noch offen lassen. Es ist eine Geschichte über die Liebe, aber sie hat auch erotische Passagen und soll vor Allem unterhalten und ein paar kurzweilige Stunden bieten.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Ich denke, wer Liebesromane oder Chicklit mag, wäre gut mit Calliope bedient. In diesem Bereich gibt es so viele Bücher, dass es mir schwer fällt eine Empfehlung auszusprechen.

Ich mag selbst z.B. Heather Graham und Johanna Lindsey sehr gern. Von den beiden habe ich einige Meter an Büchern zuhause stehen und würde den Vergleich auch nicht unbedingt scheuen. Wobei das Setting meines Buches in der Gegenwart ist – so wie viele der derzeit beliebten Liebesromane.

Ob ich in meinem Stil von anderen Autoren beeinflusst wurde kann ich nicht genau sagen. Zumal ich nicht nur ausschließlich Liebesromane lese. Ich bin ein großer Fan von Terry Pratchett, aber ebenso mag ich Kai Meyer, John Jakes und Jean M. Auel sehr. Aktuell habe ich Ben Aaronovitch für mich entdeckt, seine sarkastische Art bringt mich immer wieder zum Lachen. Komplett konträr ist der Rest meines Bücherregals – dort findet sich vorrangig Fachbücher über den 2. Weltkrieg und den Holocaust – zum Großteil in englischer Sprache.

Es ist also sehr bunt gemischt und deshalb schwer zu sagen, ob mich einer oder mehrere dieser Autoren beeinflusst hat.

– »Calliope« ist Ihr Debütroman. Was hat Sie zu dem Entschluss gebracht, ein Buch zu verfassen, und gab es bereits in der Vergangenheit umfangreiche Schreibversuche?

Tatsächlich ist es so, dass ich über ein Fanfiction Forum zum Schreiben gekommen bin. Ich war dort zunächst nur als Leser angemeldet, aber ziemlich flott kamen eigene Ideen und ich habe selbst geschrieben und veröffentlicht. Zunächst im Tolkien Fandom – also Fantasy.

Gerade als Einstieg ist Fanfiction toll, denn die Figuren und die Welt sind allen interessierten Lesern schon bekannt – man muss sich mit diesen doch komplizierteren Dingen erst ein mal nicht herumschlagen. Und das Schöne an so einer Plattform ist, dass man sofort Rückmeldung bekommt – positive und auch negative, die einem hilft sich zu entwickeln. Ich habe unter den Autoren dort einige sehr gute Freunde gefunden und das in meiner Widmung in Calliope auch zum Ausdruck gebracht.

Oft wird man als Fanfictionautor belächelt, weil es so einen Touch von »Fangirl« hat. Und klar, es gibt auch viele Geschichten, die sich nur darum drehen, den Autor mit seinem Lieblingsstar zu verkuppeln.

Aber ich schäme mich nicht, zu meinen »Wurzeln« zu stehen – ich denke, ohne das Feedback und die Unterstützung der Community hätte ich nie den Schritt zur Veröffentlichung gewagt.

Und der am Ende ausschlaggebende Punkt für die Veröffentlichung war, dass ich die Geschichte fertig gestellt hatte und mir gern selbst ins Regal stellen wollte. So ein Buch ist doch wie ein Baby und man möchte es auch gern physisch in den Händen halten. Und nachdem ich mich informiert hatte, kam der Entschluss – wenn, dann richtig. Die Arbeit der Formatierung etc. wäre ja ohnehin da gewesen – da war der Schritt, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ein ganz kleiner. Zumal die heutigen Möglichkeiten grandios sind und ich durch meinen Beruf in der IT auch keine Berührungsängste bezüglich neuer Medien habe.

– Die meisten Debütautorinnen, die bei Amazon veröffentlichen, gehen auf »Nummer sicher« und stellen eine junge Frau in den Mittelpunkt ihrer ersten Bücher und erzählen die Geschichten aus ihrer Perspektive, womit sie der Tatsache Rechnung tragen, dass es meist junge Frauen sind, die dort Bücher kaufen, womit leichte Identifizierbarkeit mit der Hauptfigur gewährleistet ist. In Ihrem Roman geht es hingegen um einen männlichen Junggesellen, der die Dreißig schon eine Weile hinter sich gelassen hat. Was hat Sie zu der Figur inspiriert? Stand zunächst die Figur fest, oder gab es schon vorher die Idee für die Geschichte, so dass die Figur dafür maßgeschneidert wurde?

Ehrlich gesagt hatte ich beim Schreiben der Geschichte die sogenannte »Zielgruppe« noch gar nicht im Hinterkopf – ich habe ja nur geschrieben, weil es mir Spaß machte. Ob jetzt Calliope oder die Geschichte zuerst da waren, ist schwer zu sagen, ich denke da ist viel gleichzeitig in meinem Kopf passiert.

Allerdings habe ich bewusst keine junge Frau genommen.

Liebesromane davon gibt es ja reichlich und mir gefällt das Setting nicht immer. Oft sind diese Mädchen ja noch sehr naiv und lassen sich in meinen Augen viel zu viel gefallen. Das ist etwas, was mich selbst nicht so anspricht und was ich auch als Mutter meiner Tochter nicht als Ideal vorleben möchte. Ich bin mir nicht ein Mal sicher, ob ich so eine Figur als Protagonistin überzeugend schreiben könnte – schließlich bin ich ja auch schon über 30. Calliope ist, genau so wie Nathan, eine erwachsene Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Sie weiß, was sie wert ist und lässt sich nicht von einem Mann herum schubsen. Und sie hat die gesunde Portion Selbstbewusstsein, die den jungen Protagonistinnen so oft fehlt. Das man, wenn man verliebt ist, auch dumme Entscheidungen trifft, ist ja auch im Erwachsenenalter noch so – da machen meine Figuren keine Ausnahme.

Davon wurde auch das Erscheinungsbild der Beiden bestimmt. Ich weiß nicht, wie oft ich in letzter Zeit den Ausdruck »good girl« gelesen habe, oder dass die Hauptdarstellerin sich selbst nur durchschnittlich findet, aber alle anderen finden sie wunderschön. Das finde ich selbst nicht realistisch und deshalb habe ich das bewusst anders gehandhabt.

– Was hat Sie zu dem Entschluss gebracht, Ihr Buch selbst zu veröffentlichen und sich nicht von einem Verlag unter die Arme greifen zu lassen?

Am Ausschlaggebendsten war wohl die Tatsache, dass es heute so einfach ist, ein Buch selbst zu veröffentlichen, ohne sich dabei mehrere tausend Exemplare in den Keller legen zu müssen. Ich habe mich im Vorfeld gründlich informiert, was die Vorteile und Nachteile eines Verlages und des Selbstverlages sind und mich am Ende für die zweite Variante entschieden. Natürlich muss man sich dann um alle Dinge selbst kümmern oder jemand finden, der einem hilft, aber andererseits ist man auch frei in sämtlichen Entscheidungen. Da dies mein erstes Buch war, habe ich es als Testballon betrachtet – ich musste mich in die ganze Materie erst einarbeiten und habe auch Verschiedenes ausprobiert – gerade auch was Marketing etc. angeht. Da ich den Luxus habe, einen festen Vollzeitjob auszuüben, war das unternehmerische Risiko ertragbar – selbst wenn mein Buch ein fürchterlicher Flop geworden wäre. Aber es war sehr spannend, wie viel Arbeit allein für Formatierung und Design nötig ist, welche Werbemittel wie wirken und wie mein Erstlingswerk so ankommt. Deshalb hat es auch vom ersten geschrieben Wort bis zur Veröffentlichung 1,5 Jahre gedauert – ich habe mir die Zeit genommen, die ich brauchte, um möglichst viele Informationen zu finden und Wissen anzueignen.

– Wie sind Ihre Erfahrungen als frischgebackene Autorin bisher verlaufen? Können wir auf weitere Bücher von Ihnen hoffen?

Ich muss sagen, sehr positiv. Mittlerweile wurde Calliope über 900 Mal ausgeliehen oder gekauft – damit hätte ich bei einem Erstlingswerk nicht gerechnet. Es freut mich natürlich umso mehr. Auch das Feedback der Leser war zum Großteil sehr positiv, darüber bin ich sehr glücklich. Mehr als ein Mal wurde betont, dass man sich auf einen 2. Band freue und gehofft wird, dass er ebenso witzig sein wird. Das erhöht natürlich etwas den Druck jetzt, aber ich denke damit werde ich umgehen können.

Es wird also definitiv noch mehr Bücher geben, derzeit arbeite ich an Band 2 und 3 gleichzeitig. Ich mag es, wenn man in Reihen auf alte Bekannte trifft, auch wenn deren Handlung in sich abgeschlossen ist – die Leser werden also in den Folgebänden auch erfahren, wie es mit Calliope und Nathan weitergeht.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Ich würde mir gern noch mehr Rückmeldung wünschen – wahrscheinlich bin ich da aus meiner Fanfictionzeit etwas verwöhnt. Dort gab es zu jedem Kapitel ein oder zwei Kommentare. Das hat ungemein geholfen, zu erfahren, wie die Charaktere und Handlungen ankamen und was der Leser sich so wünscht. Dagegen ist die Quote von Rezensionen nicht so hoch.

Sonst muss ich sagen, habe ich bisher nur angenehme Erfahrungen machen dürfen. Natürlich bin ich noch in einer Lernphase und mir ist bewusst, dass gerade die Indie-Autoren oft einen schlechteren Ruf haben, als sie verdienen. Aber jeder Einzelne von uns hat es ja in der Hand, etwas dagegen zu unternehmen.
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