Interview mit Krimiautorin Ulrike Schelhove

Ulrike Schelhove
Seit rund zwei Jahren begeistert Ulrike Schelhove mit den Eifel-Krimis um ihre Kommissare Ilka Landwehr und Alex Stettenkamp ihre Leser. Vor wenigen Wochen erschien mit »Fangnetz« der vierte Fall, den das Duo lösen muss. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die erfolgreiche Autorin über ihr neues Buch, ihre beiden Kommissare und das kriminelle Ambiente der Eifel.

– Frau Schelhove, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem neuen Buch genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Fangnetz« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Sehr gern! In dem beschaulichen Eifeldorf Wildbach herrscht große Aufruhr. Die vierzehnjährige Natalie wird ermordet in einer Waldböschung aufgefunden. Die Kommissare Landwehr & Stettenkamp finden heraus: Die zurückhaltende Schülerin führte im Internet ein gefährliches Doppelleben, von dem niemand etwas ahnte! Eine Spur führt sie ins Amsterdamer Rotlichtmilieu... Doch auch die Idylle hinter den braven Hausfassaden in Wildbach ist brüchig. Als Einige Tage später plötzlich Natalies Mitschülerin verschwindet, nehmen die Ermittlungen dramatische Wendungen an. Doch ein Täter lässt sich nicht überführen... In Wildbach macht sich Misstrauen breit - vor allem gegen Kommissarin Ilka Landwehr!

– Zum vierten Mal schicken Sie Ihre Kommissare Ilka Landwehr und Alex Stettenkamp nun schon auf Verbrecherjagd. Hatten Sie von Anfang an geplant, den beiden Figuren eine ganze Buchreihe auf den Leib zu schreiben? Was schätzen Sie selbst an den beiden Charakteren?

Die Kriminalromane um Ilka Landwehr und Alex Stettenkamp habe ich in der Tat bereits im April 2013, als ich den ersten Band »Der Kindermacher« geschrieben habe, als Reihe geplant. Ich bin selbst buchmäßig ein »Serienjunkie« und liebe vor allem Krimis, in denen es jeweils eine komplett neue Handlung gibt, sich das Privatleben der Ermittler jedoch konstant, aber oftmals unvorhersehbar, weiterentwickelt. Bei Ilka und Alex ist in den letzten vier Bänden privat und beruflich eine Menge passiert – und das wird auch weiterhin so bleiben! Viele vor allem weibliche Leser schreiben mir, dass sie mindestens so gespannt darauf sind, welche persönliche Entwicklung die Kommissare nehmen wie auf die nächste Krimihandlung selbst. Das freut mich natürlich, zeigt es mir doch, dass sie sich mit den Protagonisten identifizieren. Dies war mein Ziel, als ich die beiden Figuren »geschaffen« habe. Es sollten zwei Menschen sein - bewusst eine Frau und ein Mann - die mit Köpfchen und Intuition arbeiten, sich gut ergänzen, ohne sich zu ähnlich zu sein. Beide schlagen sich selbstverständlich auch mit Beziehungsproblemchen und dem ganz normalen Alltagswahnsinn herum. Ich glaube, das schätzen die Leser an ihnen. Jedoch steht die Krimihandlung bei aller Liebe zu den Kommissaren stets ganz klar im Vordergrund.

– In Ihren Büchern wurden illegale Designerbabys gezeugt, Wissenschaftler ermordet, mafiöse Strukturen offenbart, Politiker bedroht und Mädchen getötet. Kurzum: Sie haben in den letzten Jahren nicht nur oft in die Abgründe der menschlichen Seele geblickt, Sie haben häufig ganz neue Abgründe erschaffen. Woher nehmen Sie dafür die Inspirationen, und wie schafft man es, sich wochen- oder gar monatelang in der richtigen Stimmung dafür zu halten? Haben Sie dazu spezielle Gewohnheiten beim Schreiben entwickelt?

Jeder Band meiner Krimireihe hat ein klares Oberthema, das ist mir wichtig. Der Mord, also die Tat als solche, ist der Auslöser, die übergeordnete Handlung ins Rollen zu bringen. Die Ideen für den nächsten Band kommen mir meist im Alltag, wenn ich überhaupt nicht nach ihnen suche. Was inspiriert mich? Ich lese selbst recht viel, Bücher, Nachrichtenmagazine, Zeitungen - und habe angesichts dessen den Eindruck, die Ideen werden mir nie ausgehen!

Bevor ich einen neuen Krimi schreibe, plane ich jedes einzelne Kapital. Nicht bis in die kleinsten Details, doch die großen Szenen stehen für mich fest. So bleibe ich im Grunde immer im Thema, auch wenn ich einmal wegen meiner drei Kinder weniger Zeit zum schreiben habe. Am besten läuft es aber, wenn ich wie an einem Projekt am Stück dranbleiben kann. Bevor ich morgens anfange zu schreiben, versetze ich mich so tief wie möglich in die Charaktere, um die es gerade geht, hinein. Was fühlen sie gerade, was wollen sie erreichen? Je klarer man eine Figur zuvor entwickelt hat, umso leichter ist es. Auch der jeweilige Schauplatz ist natürlich sehr wichtig. Welche Atmosphäre herrscht dort, wie sieht es dort im Detail aus, wie riecht es? All das beschreibe ich dann zwar nicht alles haarklein, doch es hilft mir beim Schreiben, es zu wissen.

– Viele Autoren von Kriminalgeschichten wählen – genau wie Sie – die Eifel als Schauplatz ihrer Verbrechen und anschließenden Ermittlungen. Was macht ausgerechnet das beschauliche kleine Mittelgebirge zu einem solchen Zentrum der Kriminalität in Buchform?

Vielleicht die trügerische Idylle, die in Wahrheit gar keine ist? (lacht) Im Ernst, ich kann da nur für mich sprechen: Ich lebe in der Eifel, sie ist meine Heimat, die ich liebe, deren Entwicklungen ich natürlich manchmal auch kritisch sehe – kurzum, ich siedele meine Krimis in der Region an, die ich am besten kenne und der ich mich stark verbunden fühle. Dennoch spielen auch immer mal wieder Szenen in den umliegenden Städten Köln oder Bonn; das sorgt für Abwechslung zur Eifeler Provinz. Jeder Eifel-Krimiautor, so mein Empfinden, schreibt trotz der Region, die er gewählt hat, doch recht verschieden. Mit persönlich ist es wichtig, bei allem Lokalkolorit eine Handlung zu wählen, die Leser von Hamburg bis München interessieren kann.

– Beinahe zwei Jahre sind seit der Veröffentlichung Ihres Debütromans vergangen. Nachdem Sie nun also schon einen großen Einblick in schreibende Seite der Buchwelt haben: Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie seitdem Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Buchmarkt für Autoren stark im Wandel ist. Führte vor Jahren keine Veröffentlichung an einem Verlag vorbei, so gibt es inzwischen eine stark wachsende Zahl sehr professionell arbeitender Selfpublisher. Sie nehmen Geld in die Hand für einen Coverdesigner, einen Lektor, für ein Korrektorat. Und dann veröffentlichen und vermarkten sie ihr Buch selbst. Den Leser, so glaube ich, interessiert kaum bis gar nicht, ob ein Verlag hinter dem Werk steht; er erwartet einfach zu Recht ein handwerklich professionell geschriebenes Buch. Was mich persönlich im Umgang mit meinen Lesern sehr glücklich macht ist der Kontakt zu ihnen über die sozialen Medien, wie z.B. über meine Autorenseite bei Facebook. Manche schreiben mir auch per Mail, äußern Lob, manchmal auch Kritik - das finde ich klasse! Ich schreibe ja für meine (zum größten Teil unbekannten) Leser und wenn diese dann den Kontakt zu mir suchen - was kann mir Besseres passieren?

– Wie kam es damals eigentlich damals zu dem Entschluss, ein Buch zu schreiben? Hat sich Ihr Leben seitdem durch ihre schriftstellerische Tätigkeit verändert?

Ich habe das Schreiben immer geliebt, nach dem Abitur eine Weile für eine Tageszeitung geschrieben, dann aber einen normalen Brotberuf ergriffen und viele Jahre für eine große Versicherung den Außendienst geschult. Nach der Geburt meiner Zwillinge wäre das zum einen nicht mehr möglich gewesen, zum anderen aber wurde mir mit der Zeit glücklicherweise klar, dass mir etwas Wichtiges im Leben fehlte: Das Schreiben. Mein Leben hat sich durch das Schreiben insofern sehr verändert, dass aus meiner Arbeit als Autorin ein neuer Beruf für mich geworden ist, der mich neben meiner Familie vollkommen erfüllt und in den ich mein ganzes Herzblut stecke.

– Was können wir von der Autorin Ulrike Schelhove in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

(lacht) Ich habe auf jeden Fall weiterhin jede Menge kriminelle Schreibenergie. »Höhenflüge« - Arbeitstitel meines 5. Bands, ist bereits in Arbeit und wird Ende November 2015 erscheinen. Diesmal geht es um Filz und Vetternwirtschaft, um schmutzige Großprojekte in der Touristenregion Eifel, um Gewinnmaximierung auf der einen und herben zwischenmenschlichen Verlusten auf der anderen Seite.
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