Interview mit Erfolgsautorin Petra Mattfeldt

Petra Mattfeldt
Die äußerst vielseitige Petra Mattfeldt hat in der Vergangenheit historische Romane geschrieben, einen Kriminalroman sowie Kinder- und Jugendgeschichten. Dieser Tage erschien mit »Multiversum« ein neues Jugendbuch aus ihrer Feder. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über ihren neuen Roman, über die Viele-Welten-Theorie und über ihre zukünftigen Projekte.

– Frau Mattfeldt, mit »Multiversum« ist dieser Tage Ihr zweiter Jugendroman erschienen. Könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen? An welche Alters- und Zielgruppe richtet sich die Geschichte?

»Multiversum« ist eine wirklich unglaubliche Geschichte. Der Protagonist heißt Tom Stafford, der im Alter von 9 Jahren seine Eltern bei einem Bootsunfall verloren hat. Als er 15 ist, geschieht das Unglaubliche: Er erhält eine Nachricht seiner Mutter. Nicht nur, dass diese tot sein müsste - die Nachricht scheint allem Anschein nach aus dem Mittelalter zu stammen. Wie kann das nun sein? Es kommt ein Professor mit einer total verrückten These ins Spiel. Als Tom sich auf die Suche begibt, verschwindet er zusammen mit dem Assistenten des Professors spurlos. Doch nicht nur das. Der englische Geheimdienst MI 6 scheint mehr zu wissen über das, was unmöglich scheint... So! Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Es ist wirklich wahnsinnig spannend und für mich ein ganz besonderes Herzensprojekt, weil ich die Idee dazu bereits seit meinen Jugendtagen hatte. Das Buch wird ab 12 Jahren empfohlen und darunter ist es auch wirklich nichts. Es gibt Szenen, in denen es ganz schön zur Sache geht.

– Ihr Buch trägt den Untertitel »Der Aufbruch«, was den Verdacht nahelegt, es würde sich um den ersten Teil einer Buchreihe handeln. Ist dies tatsächlich so, oder ist der Verdacht falsch?

Da ist Ihre Spürnase genau richtig! Der zweite Teil wird den Untertitel »Die Rückkehr« tragen und bereits im Juni nächsten Jahres erscheinen. Und womöglich gibt es danach auch noch einen dritten Teil, der »das große Ganze« zusammenfügt. Es ist schwer, zu erklären, ohne zu viel zu verraten.

– Die Viele-Welten-Theorie diente schon einigen Schriftstellern als Grundlage, häufig Science-Fiction-Autoren wie dem früh verstorbenen Iain Banks oder auch Stephen Baxter. Selbst Autorinnen und Autoren von weit weniger in die Phantastik schweifenden Romanen wie Juli Zeh in ihrem Kriminalroman »Schilf« beschäftigten sich damit. Wie kamen Sie auf die Idee, eine kontroverse Interpretation der Quantenmechanik ausgerechnet in einem Jugendbuch zu verwenden? Mussten Sie sich lange in die Thematik einarbeiten, und wie schafft man es, ein solch abstraktes Problemfeld jugendgerecht aufzubereiten?

Die »Viele-Welten-Theorie« reizt und beschäftigt mich, wie ich oben schon sagte, seit ich etwa dreizehn oder vierzehn Jahre alt war. Seinerzeit habe ich das erste Mal darüber gelesen und war absolut fasziniert. Die Frage »Was wäre wenn?« spukte durch meinen Kopf und wurde irgendwann in Form von Tom Stafford zu einer Geschichte. Ich finde, das Thema bietet unglaublich viele Möglichkeiten und die Theorie, dass es wirklich möglich wäre, könnte reizvoller nicht sein. Im Grunde musste ich mich gar nicht wirklich bemühen, das Thema jugendgerecht aufzubereiten. Ich habe es so geschrieben, wie ich es verstanden habe und theoretisch für möglich halte. Ich glaube, wenn man ein Thema wirklich verinnerlicht hat, ist es gar nicht schwer, das auch zu transportieren und im Kopf des Lesers Bilder entstehen zu lassen.

– Da das Risiko bei der Viele-Welten-Hypothese groß ist: Bestand beim Schreiben des Romans jemals die Gefahr der Entstehung eines Paradoxons?

Nun ja. In meinem Roman beschreibe ich die Theorie so, dass sie eine Wechselwirkung zwischen den Welten beinhaltet. Und natürlich auch immer die Fragen: »Ist es möglich, dass...?«, »Ist schon längst eingetreten, was wir vermuten...?«, »Gibt es womöglich weitere Universen, die längst auf ein umfassenderes Wissen zugreifen und damit Einfluss nehmen...?« Ja - Fragen über Fragen :D

– In der Vergangenheit haben Sie historische Romane geschrieben, einen Kriminalroman und einen weiteren Jugendroman, Sie decken also ein ungewöhnlich facettenreiches Spektrum ab. Was bedeuten Ihnen die drei Genres persönlich, und was hat den Ausschlag gegeben, sich dieses Mal wieder ans jüngere Publikum zu wenden?

Im Grunde ging mit Kinder- und Jugendgeschichten alles los. Ich habe schon in meiner Kindheit und Jugend geschrieben, dann für einige Jahre pausiert und wieder angefangen, als ich selbst Mutter wurde. Da begann ich, »Gute-Nacht-Geschichten« für meine Kinder zu schreiben, die ich ihnen abends vorgelesen habe. Die Geschichte zu »Multiversum« war eine lange Zeit in meinem Kopf und auch die erste, die ich in Manuskriptform niedergeschrieben habe. Doch ich hatte nie den Gedanken daran, wirklich Schriftstellerin zu werden. Es hat mir einfach nur Spaß gemacht. Die Liebe zu historischen Romanen und auch Krimis ist einfach daraus entstanden, dass ich beide Genres sehr gerne lese. Und so kam Gedanke an Gedanke, daraus wurden Worte und dann ganze Geschichten und Manuskripte. Ein Glück für mich, dass die Verlage diese dann auch für druckwürdig erachten und es so viele Menschen gibt, die meine Bücher gern lesen. Ich möchte einfach immer nur das schreiben, was mich begeistert und wo ich eine (wie ich finde) tolle Idee habe. Mir würde es nicht liegen, mich festzulegen.

– Welche Unterschiede macht es, zwischen den einzelnen Genres hin- und herzuwandeln? Ist es schwierig, sich umzustellen, die Sprache anzupassen und eine ganz andere Art von Recherche anzustellen? Was sind bei der Arbeit an den drei Genres die größten Hürden, insbesondere bei einem Jugendbuch wie »Multiversum«? Ist es nötig, ein einzelnes Projekt erst einmal bis ganz zum Ende zu bringen, um sich anschließend wieder auf ein neues Genre einlassen zu können, oder gelingt es Ihnen, dies zu trennen? Hilft womöglich die spezielle Fachkenntnis in einem Genre sogar bei der Erarbeitung von Büchern in einem anderen Genre?

Ich kann eigentlich gar keine Unterschiede feststellen. Wenn ich beispielsweise an einem historischen Roman schreibe, habe ich fast immer eine weibliche Protagonistin. Ich versetze mich voll und ganz in diese Figur, fühle was sie fühlt, lebe, liebe, leide und freue mich auch mit ihr. Sie hat in meinem Kopf eine ganz eigene Stimme, eine eigene Sprache. Eben so, wie es ihrem Charakter entspricht.

Wenn ich dann einen Krimi mit meinem Profiler und Kriminalhauptkommissar Falko Cornelsen schreibe, ist das ja ein vollkommen anderer Mensch. Er ist sehr sachlich, klar, ein ruhiger und überlegener Denker. Natürlich hat er eine vollkommen andere Sprache, geht an seine Aufgaben und Schwierigkeiten völlig anders heran.

Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, teilweise sogar parallel an meinen Manuskripten zu schreiben. Die Trennung, die notwendig ist, nehmen die Figuren quasi selbst vor.

– Was können wir von der Autorin Petra Mattfeldt und ihrem Alter Ego Caren Benedikt in Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Viel!!! Heute erscheint ja nun »Multiversum«, im September kommt dann »Die Rache der Duftnäherin« heraus und im Oktober gibt es den zweiten Teil des Jahrbuchcodes mit dem Untertitel »Der Fall Emilia O.« heraus. Zu Letzterem gibt es übrigens eine besondere Geschichte: Ich werde das Buch zusammen mit meinem Sohn Uli herausbringen. Verrückt oder? Ja, er hat schon genauso viele Ideen wie ich - vielleicht sogar mehr.

Auch ganz wichtig: Im nächsten Jahr geht es mit meinem Ermittler Falko Cornelsen weiter. Viele Leserinnen und Leser haben sich schon bei mir gemeldet, wann Falko denn nun endlich seinen nächsten Fall hat. :D

Es ist also eine ganze Menge los. Nebenher werde ich zusammen mit Burkhard P. Bierschenck Ende dieses Jahres die Anthologien zu »Schattenfeuer« und »Sternenfeuer« veröffentlichen, in denen die besten Kurzgeschichten im Bereich Fantasy und Science Fiction der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das sind wirklich tolle Projekte und ich freue mich auf jedes Einzelne.
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