Interview mit der erfolgreichen Krimi-Autorin Catherine Shepherd

Catherine Shepherd
Ganz ohne die Hilfe eines großen Verlages hat es Catherine Shepherd mit ihren ersten vier Romanen auf eine sagenhafte Zahl von mehr als 350.000 verkauften Büchern gebracht. Vor wenigen Tagen erschien mit »Tiefschwarze Melodie« ihr fünftes Buch. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Erfolgsautorin über ihren neuen Krimi, ihre Inspirationen und über eine beschauliche kleine Stadt am Rhein.

– Frau Shepherd, herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung von »Tiefschwarze Melodie«, ihrem fünften Zons-Krimi! Hat man sich in Zons bei Ihnen eigentlich schon einmal dafür bedankt, dass Sie der kleinen Stadt am Rhein deutschlandweit Bekanntheit verschafft haben, und werden Sie inzwischen von den anderen Zonsern erkannt, wenn Sie über die Straße gehen?

In Zons ist man ganz begeistert von meinen Büchern, denn bisher hat noch kein Autor einen Roman über die Stadt geschrieben. Im Herzen von Zons, am Schlossplatz befindet sich die Touristeninformation, in der meine Bücher ausgestellt sind und verkauft werden. Das Stadtmarketing hat mich gebeten, Krimiführungen durchzuführen und das mache ich wirklich sehr gerne. Natürlich werde ich auch hin und wieder von Zonsern erkannt, aber es macht mir viel Spaß Autogramme zu geben oder von der Entstehung meiner Bücher zu erzählen. Einmal im Jahr bin ich gemeinsam mit meinem Mann für meine Leser auf dem Matthäus-Markt in Zons, einem der größten Mittelalter-Handwerkermärkte der Region, mit einem eigenen Stand vertreten und signiere Bücher. Dort erhalte ich sehr viel positives Feedback.

– In »Tiefschwarze Melodie« führen Sie Ihre Leser dieses Mal auf die Schattenseiten der Musik. Könnten Sie Ihren Roman dem Teil unserer Leser, die von ihm bisher noch nicht Notiz genommen haben, kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Meine Geschichte beginnt mit einer wundervollen Melodie, die Ende des fünfzehnten Jahrhunderts komponiert wurde und eigentlich die Herzen der Zuhörer verzaubern soll. Das Stück stammt vom jungen Jakob Heckhoven. Er ist ein talentierter Musiker, doch sein Vater will ihn zu einem echten Mann heranreifen lassen und hat für seine musikalische Seite nur wenig übrig. Deshalb lässt er nichts unversucht, um Jakob als Soldat in der Zonser Stadtwache unterzubringen.

Als eine junge Novizin gekreuzigt in der Kirche aufgefunden wird, hilft Jakob bei der Suche nach ihrem Mörder. Bastian Mühlenberg entdeckt eine Rose ohne Blütenblätter bei der Leiche des Mädchens. Doch noch bevor Bastian ihrem Mörder auf die Spur kommt, muss eine weitere Frau ihr Leben lassen. Wieder schmückt ein Pflanzensymbol den Körper der Toten. Bastian steht vor einem Rätsel. Bei seiner Jagd nach dem raffinierten Frauenmörder stößt er auf ein grausames Geheimnis, das von einer tiefschwarzen Melodie wachgerufen wird.

Auch in der Gegenwart hat Kommissar Oliver Bergmann wieder alle Hände voll zu tun. Er ermittelt in einem neuen Fall. Eine Frau wurde ans Bett gefesselt und brutal erstochen. In der Hand hält sie einen Notenzettel mit einer mittelalterlichen Melodie und zwei beunruhigenden Worten: »Fortsetzung folgt«. Der Kölner Musikprofessor Engelbert findet heraus, dass der Notenzettel nur ein kleines Stück der gesamten Komposition beinhaltet. Doch bevor die Ermittlungen richtig anlaufen, wird bereits eine zweite Frau ermordet - und wenn der Professor recht behält, war das noch lange nicht das letzte Opfer. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und Oliver versucht verzweifelt, einen Serienkiller dingfest zu machen, der junge Frauen anonym über das Internet anlockt.

– Wie schon in Ihren anderen Romanen, so erzählen Sie auch dieses Mal von Verbrechen, die in zwei vollkommen unterschiedlichen Zeitepochen verübt wurden, und verschmelzen auf diesem Wege Vergangenheit und Gegenwart zu einem einzelnen Thriller. Wie sind Sie einst auf dieses Konzept gekommen, und was macht für Sie selbst den besonderen Reiz daran aus?

Ich habe einfach die Bücher geschrieben, die ich selbst am liebsten lese, nämlich eine Mischung aus Thriller und historischem Roman. Wenn ich abends durch die engen mittelalterlichen Gassen von Zons spaziere, dann ist es fast so, als erzählten mir die alten Festungsmauern ihre Geschichte und ich muss diese dann einfach nur noch aufs Papier bringen. Zons inspiriert mich. Ohne diese Stadt hätte ich sicher niemals ein Buch geschrieben.

– Die meisten erfolgreichen Regionalkrimis spielen in Deutschlands bekanntesten Urlaubsregionen wie Ostfriesland, auf Sylt und in den Alpenregionen Bayerns. Ihre am Niederrhein spielenden Krimis scheinen diesem System zu widersprechen, dennoch sind Sie mit mehr als 350.000 verkauften Büchern die vermutlich erfolgreichste Regionalkrimi-Autorin, die ihre Werke selbst verlegt. Wie erklären Sie sich selbst, dass Ihre Romane trotz des sehr breiten Angebots einen solch reißenden Absatz finden?

Ich glaube, das liegt an dem recht einzigartigem Konzept mit der beschriebenen Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit. Das unterscheidet vermutlich meinen Regionalkrimi von allen anderen. Außerdem denke ich, dass der Charme von Zons einfach die Herzen der Leser erobert, sobald sie feststellen, dass der Ort tatsächlich existiert.

– Sie veröffentlichen Ihre Bücher im Alleingang bzw. durch Ihrem eigenen Verlag. Was hat den Ausschlag gegeben, Ihre Bücher auf diese Weise zu publizieren, und würden Sie es angesichts Ihrer Erfolge überhaupt jemals in Erwägung ziehen, bei einem »großen Verlag« zu veröffentlichen?

Ich bin nur durch die Möglichkeit der Selbstveröffentlichung zum Schreiben gekommen. Ich habe zwar schon in meiner Jugend Texte verfasst, bin jedoch nach meinem Studium in einer Bank gelandet, in der ich jahrelang erfolgreich tätig war. Der klassische Weg über einen Verlag kam zu diesem Zeitpunkt für mich gar nicht mehr in Frage. Das wäre mir viel zu mühsam und auch frustrierend gewesen. Ich habe von vielen Kollegen gehört, die Jahre für eine Veröffentlichung in einem Verlag benötigt haben. Das wollte ich mir nicht antun. Als ich dann jedoch erfahren habe, dass man auch Bücher ohne Verlag veröffentlichen kann, hat es mich gepackt. Ich habe mein erstes Buch geschrieben und einfach hochgeladen. Es war ein tolles Gefühl, alles selbst unter Kontrolle zu haben und den Erfolg zu erleben. Natürlich würde ich für die Zukunft nicht ausschließen auch einmal ein Buch mit einem großen Verlag zu veröffentlichen.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie in den vergangenen Jahren als Autorin spezielle Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder ihnen mitteilen möchten?

Ich bin eigentlich sehr zufrieden. Natürlich würde ich mich freuen, wenn der Buchhandel sich dem Selfpublishing noch mehr öffnen könnte. Erste Bewegung ist ja mit der neuen Tolino-Plattform in Gang gekommen. Mein erstes Buch ist jetzt auch bei Thalia, Weltbild, Hugendubel etc. erhältlich.

– Was können wir von der Autorin Catherine Shepherd in Zukunft erwarten? Ist bereits ein neuer Zons-Roman in Planung, und werden Ihre Leser irgendwann auch mit einem Buch von Ihnen rechnen können, das an einem ganz anderen Ort spielen oder einem ganz anderen Genre entsprechen wird?

Ein neuer Zons-Roman ist für Anfang nächsten Jahres in Planung. Vorher arbeite ich aber tatsächlich erst einmal an einer neuen Serie, mit einer weiblichen Ermittlerin, die in Berlin spielt. Es wird wieder ein Thriller werden, der diesmal jedoch ausschließlich in der Gegenwart spielt. Der erste Band hat den Arbeitstitel »Die Babyfängerin« und ich schreibe schon fleißig an der Geschichte, die voraussichtlich im September diesen Jahres erscheinen wird.
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