Interview mit der Buchbloggerin von »Lesemomente«

Ob ein Buch erfolgreich wird oder nicht, hängt heutzutage oft davon ab, wie Buchblogger darüber richten. Zum sechsten Mal gingen die Redakteure der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de auf Blogbesuch und schauten einer Bloggerin bei ihrer Arbeit über die Schulter. Sie sprachen mit Bloggerin Tine von www.lesemomente.net darüber, wie sie zum Bloggen kam, welche Bücher sie rezensiert, auf welche Aspekte sie dabei ihr Hauptaugenmerk legt und was man in ihrem Blog über Rezensionen hinaus finden kann.

Hinter »Lesemomente« stecke ich: Tine, 30 Jahre, gebürtige Nordfriesin und Lehrerin aus Leidenschaft. Ich habe meinen Blog Anfang 2010 »gegründet«, damals aber noch bei einem anderen Bloganbieter. Vor ziemlich genau zwei Jahren bin ich dann in mühevoller Kleinstarbeit zu Wordpress umgezogen.

Ich habe schon immer viel gelesen. Während des Studiums hatte ich dann über verschiedene Bücherforen immer mehr auch Kontakt zu anderen Lesebegeisterten. Wir tauschten uns unter anderem viel über die gelesenen Bücher aus, so dass der Schritt zum Blog nur noch ein ganz kleiner war.

– Wie viele Bücher lesen bzw. rezensieren Sie im Schnitt? Lesen Sie immer nur ein Buch, oder lesen Sie mehrere Bücher parallel?

Puh, das variiert stark. Meist lese ich etwa 7-8 Bücher pro Monat, aber nicht alle davon rezensiere ich. Zu manchen fällt mir einfach wenig Aussagekräftiges ein, andere Bücher stellen den x-ten Teil einer Reihe dar. Da ist es einfach schwer, jedes Mal etwas Neues und Interessantes zu schreiben, deswegen gibt es manchmal auch nur kurze Leseeindrücke. Ich denke, im Schnitt rezensiere ich etwa 5 Bücher pro Monat.

Ich lese immer nur ein Buch zur Zeit, alles andere ist eine absolute Ausnahme. Ich möchte mich auf das aktuelle Buch voll und ganz einlassen können und habe dann auch gar kein Interesse an einer anderen Geschichte.

– Was macht für Sie ein »gutes Buch« aus? Auf welche Faktoren legen Sie beim Lesen und Bewerten Ihr Hauptaugenmerk und warum?

Das ist eine wirklich komplizierte Frage, die ich nicht so einfach in einem Satz beantworten kann. Manche Bücher sind gut, weil sie eine ganz besondere Geschichte erzählen, weil sie berühren und Werte vermitteln. Andere Bücher leben durch ihre Charaktere, die mich faszinieren, mitfühlen lassen und unterhalten. Wieder andere Bücher finde ich allein deswegen gut, weil sie mich bis spät in die Nacht lesen und am nächsten Morgen mit Augenringen aufstehen lassen. Je nachdem, was ich für ein Buch in der Hand halte, achte ich eben auch auf die verschiedenen Aspekte. Bei allen Büchern ist mir aber der Schluss besonders wichtig. Eine Geschichte kann noch so gut geschrieben sein, wenn mir das Ende nicht gefällt, mindert das meinen Gesamteindruck meist ziemlich.

– Sind Sie auf spezielle Buchgenres spezialisiert? Wenn ja, was gefällt Ihnen an diesen Genres besonders? Gibt es Buchgenres, die Sie generell gar nicht lesen?

Ich lese vor allem Jugendbücher und Fantasy, hierbei am allerliebsten Highfantasy, manchmal auch Urban-Fantasy. Ich würde mich jetzt aber nicht nur auf diese beiden Genres beschränken wollen. Manchmal ist mir einfach auch nach einem richtig guten Thriller, einem etwas anspruchsvollerem Roman oder einem Chick-Lit-Buch. Ich mag es nicht, wenn man bestimmte Genres komplett für sich ausschließt, aber erotische Romane, Romantasy oder Klassiker reizen mich – zumindest im Moment – so gut wie gar nicht.

– Lesen Sie nur Verlagsproduktionen, oder besprechen Sie auch die Bücher von Selfpublishern? Was halten Sie generell davon, dass immer mehr Bücher in Eigenregie produziert werden?

Die meisten der Bücher, die ich lese, sind Verlagsproduktionen. Ich habe aber auch schon mit einigen Büchern von Selfpublishern richtige Glücksgriffe gemacht. Ich denke, in beiden Bereichen gibt es richtig tolle Bücher zu entdecken, aber eben auch welche, die den eigenen Geschmack nicht treffen. Schlimm finde ich es, wenn ich ein Buch lese, in dem es vor Rechtschreib- und Tippfehlern nur so wimmelt. In der Regel findet man solche Bücher eher selten unter Verlagsproduktionen, aber Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Ansonsten kenne ich mich in der Verlags- und Selfpublisherwelt einfach zu wenig aus, um mir da tatsächlich ein Urteil erlauben zu können.

– Warten Sie darauf, dass Autoren oder Verlage Sie anschreiben und Ihnen Rezensionsexemplare anbieten, oder wenden Sie sich selbst an sie? Oder rezensieren Sie gar nur die Bücher, die Sie sich selbst kaufen?

Alles! Es gibt Bücher, die ich gezielt bei Verlagen anfrage. Andere bekomme ich einfach so zugeschickt, bzw. in einer Mail vorgestellt. Ich kaufe aber auch viele meiner Bücher selbst. Zum einen weil das Rezensionskontingent der Verlage ja auch begrenzt ist und ich als Bloggerin auch immer mal wieder eine Absage bekomme. Zum anderen lese ich zwar viele, aber nicht nur Neuerscheinungen. Manchmal habe ich Lust auf ein Buch, das schon vor Jahren erschienen ist. Oder ich möchte den neuesten Band einer Reihe lese, die ich bis dato nicht rezensiert habe. Oder ich schlendere durch einen Buchladen und kann mein Geld einfach nicht bei mir behalten…

– Welches Buch oder welche Bücher sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben, seitdem Sie Ihren Blog gestartet haben? Was gefiel Ihnen an ihnen ganz besonders gut?

Uff, das ist jetzt aber eine fiese Frage! Wie soll ich die denn beantworten, ohne das meine Antwort unendlich lang wird? Ganz spontan denke ich zum Beispiel an »Erebos« von Ursula Poznanski, das ich während eines kleinen Projekts auf der Suche nach guten Jugendbüchern für Jungen gelesen habe. »Erebos« ist meiner Meinung nach DAS Jugendbuch schlechthin. Dann fällt mir noch die Ismael-Reihe von Michael Gerard Bauer ein. Nachdem ich die Bücher gelesen habe, habe ich all meinen Mut zusammengenommen und Michael Gerard Bauer bei Facebook um ein Interview gebeten. Er hat so nett reagiert und gezeigt, dass er wirklich genauso sympathisch ist, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ein wahres Highlight!

– Gab es Bücher, die Ihnen überhaupt nicht gefallen haben oder bei denen Sie das Lesen gar abgebrochen haben? Welche waren das, und was missfiel Ihnen an ihnen?

Ja, die gab es definitiv auch, aber ich möchte jetzt keine einzelnen Titel herausstellen. Ein Buch, das mir in den Sinn kommt, war mir von der Erzählweise her zu langatmig. Vielleicht war es auch zu anspruchsvoll für mich. Ein anderes Buch sollte sich eigentlich mit Rassismus und verschiedenen Kulturen beschäftigen. Ich hatte mir erhofft, dass es Jugendlichen aufzeigt, dass viele Konflikte nur aufgrund von ungerechtfertigten Vorurteilen entstehen und es auf den Charakter eines Menschen und nicht auf seine Nationalität ankommt. Stattdessen erfüllten die Personen in der Geschichte alle nur gängigen Vorurteile – so war zumindest meine enttäuschte Wahrnehmung.

– Werden auf Ihrem Blog nur Bücher rezensiert, oder können Ihre Besucher auch andere Dinge bei Ihnen lesen?

Ich versuche, soweit meine Zeit es zulässt, eine bunte und hoffentlich interessante Mischung hinzubekommen: Neben den Rezensionen gibt es zum Beispiel auch immer mal wieder Lieblingszitate aus den aktuell gelesenen Büchern oder Berichte von Lesungen, die ich besucht habe, oder der Buchmesse. Ich stelle ab und an andere Bücherblogs vor oder diskutiere mit einer Freundin Fragestellungen rund ums Thema Bücher. In meinem fast regelmäßig erscheinenden Sonntagsgeplauder gibt es immer wieder auch einen kleinen Einblick in mein Leben, weil ich gemerkt habe, dass ich so etwas auch auf anderen Blogs gerne lese. Hier gilt es dann speziell für mich als Lehrerin besonders darauf zu achten, was ich mit der Öffentlichkeit teilen kann und möchte und was nicht.

Ein ganz besonderes Augenmerk lege ich auch jedes Jahr auf den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ich berichte von den Nominierungen und Preisträgern und versuche auch viele der nominierten Bücher selbst zu lesen.

– Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern? Wenn ja, könnten Sie unseren Lesern vielleicht zwei oder drei von ihnen besonders ans Herz legen? Was schätzen Sie an ihnen?

Grundsätzlich möchte ich an dieser Stelle auf die Kategorie [Lieblingsblogs] auf meinem Blog verweisen. Dort habe ich angefangen, verschiedene Blogs, die ich gerne lese, vorzustellen. Ganz besonders ans Herz legen möchte ich an dieser Stelle nur zwei Blogs: Zum einen http://fantasie-und-traeumerei.blogspot.de/: Nanni liest sehr breitgefächert, womit sie einfach sehr viele Leser anspricht, und schreibt Rezensionen, in denen die Begeisterung für die gelesenen Bücher ganz deutlich wird. Zum anderen www.pinkfisch.net: Sarah ist Buchhändlerin beim besten Buchladen der Welt, hat ein enormes Lesepensum und schreibt knackige, kurze Leseeindrücke, die ich sehr viel lieber lese als seitenlange Buchbesprechungen.
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