Interview mit dem Buchblogger von »Der Lesefuchs«

Ob ein Buch erfolgreich wird oder nicht, hängt heutzutage oft davon ab, wie Buchblogger darüber richten. Zum neunten Mal gingen die Redakteure der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de auf Blogbesuch und schauten einem Blogger bei seiner Arbeit über die Schulter. Sie sprachen mit Blogger Jens von Der Lesefuchs darüber, wie er zum Bloggen kam, welche Bücher er rezensiert, auf welche Aspekte er dabei sein Hauptaugenmerk legt und was man in seinem Blog über Rezensionen hinaus finden kann.

– Wer steckt hinter »Der Lesefuchs«? Seit wann gibt es Ihren Blog? Was hat Sie damals dazu gebracht, ihn zu erschaffen?

»Der Lesefuchs« ist ein privater Blog, der in erster Linie natürlich über Geschichten und Bücher berichtet. Aber auch Autoren werden auf meinem Blog vorgestellt und natürlich gibt es auch das eine oder andere kleine Gewinnspiel. :)

Auf die Idee gekommen bin ich eigentlich über eine Arbeitskollegin, die selbst schon lange bloggt und die mir davon erzählt hat. Da ich selbst ein leidenschaftlicher Leser bin habe ich mir dann gedacht: »Das ist aber toll, das mache ich auch«. Ich wurde beim Lesen immer wieder von Büchern, die ich unglaublich ansprechend fand (vom Klappentext und vom Cover) inspiriert und musste dann teilweise feststellen, dass mir das Buch beim Lesen überhaupt nicht gefällt. Um andere vor ähnlichen Erfahrungen zu bewahren (auch wenn die Geschmäcker alle unterschiedlich sind) wollte ich meine Meinung zu einem Buch mit anderen teilen. Gleichzeitig habe ich Bücher kennen lernen dürfen, die ich aufgrund des Covers oder Klappentextes niemals in die Hand genommen hätte und die sich als geniales Buch herausgestellt haben. Und somit ging ich im Oktober 2014 (nach der Frankfurter Buchmesse) mit meinem Blog online.
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– Wie viele Bücher lesen bzw. rezensieren Sie im Schnitt? Lesen Sie immer nur ein Buch, oder lesen Sie mehrere Bücher parallel?

Im Schnitt lese ich zwischen 5 und 7 Bücher im Monat und zu jeden gelesenen Buch schreibe ich auch eine Rezension. Ich lese maximal zwei Bücher parallel – eines in gedruckter und eines in digitaler Form auf meinem E-Book-Reader.

– Was macht für Sie ein »gutes Buch« aus? Auf welche Faktoren legen Sie beim Lesen und Bewerten Ihr Hauptaugenmerk und warum?

Ein gutes Buch muss mich emotional ansprechen: es muss mich mitreißen; ich muss mitleiden mitlieben oder auch mitfiebern können. Ich muss in die Welt der Protagonisten förmlich hineingesaugt werden und Gefühle für sie entwickeln (Empathie). Das ist auch mein Hauptaugenmerk. Spricht mich eine Geschichte nicht an, kann sie noch so gut geschrieben sein, ich würde sie weniger positiv bewerten.

– Sind Sie auf spezielle Buchgenres spezialisiert? Wenn ja, was gefällt Ihnen an diesen Genres besonders? Gibt es Buchgenres, die Sie generell gar nicht lesen?

Ich habe mich nicht wirklich auf Buchgenres spezialisiert. Ich lese zwar überwiegend Fantasy-Romane sowie Krimis und Thriller, aber auch Dystopien habe ich zuletzt entdeckt und bin ein großer Fan geworden. Machmal findet man bei mir aber auch erotische oder Horror-Literatur.

Fantasy begeistert mich dahingehen, als dass ich aus meiner Welt in eine gänzlich andere Welt eintauchen kann, in der die Naturgesetze durch Magie aufgehoben sind und in der es gilt, Abenteuer zu erleben. Aber auch in die »kranke« Psyche eines Serienmörders zu blicken und gleichzeitig die Arbeit der Ermittler mitzubekommen, wie sich die Schlinge immer enger zuzieht, während der Mörder sich noch in Sicherheit wiegt, gefällt mir sehr gut.

Bislang konnte ich mit klassischen Liebesromanen wenig anfangen.

– Lesen Sie nur Verlagsproduktionen, oder besprechen Sie auch die Bücher von Selfpublishern? Was halten Sie generell davon, dass immer mehr Bücher in Eigenregie produziert werden?

Ich lese sowohl Literatur aus Verlagen, als auch von Indie-Autoren und Selfpublishern. Es ist für mich nicht wichtig, wo ein Buch erscheint, sondern wie mich die Geschichte anspricht. Bei den Selfpublishern muss allerdings gewährleistet sein, dass das Buch nicht voller Rechtschreibfehler steckt. Ein Korrektorat und Lektorat sollte das Buch schon durchlaufen haben (und wenn es durch Testleser im Freundeskreis geschehen ist).

Ich finde es gut, dass Selfpublisher diesen Weg gehen. Bei der Fülle der Autorinnen und Autoren haben Verlage nicht immer die Zeit, sich jedes Manuskript detailliert anzuschauen und oftmals würden wahrscheinlich gute Romane von Verlagen nicht genommen und »versauern« somit in irgendeiner Schublade. Durch die Möglichkeiten des Selfpublishings hat die Autorin oder der Autor die Gelegenheit, ein nicht genommenes Buch selbst herauszubringen und vielleicht merkt dann doch der eine oder andere Verlag, dass es das Buch besser doch genommen hätte. Natürlich muss dabei sie Qualität stimmen (siehe Stichpunkt Rechtschreibfehler).

– Warten Sie darauf, dass Autoren oder Verlage Sie anschreiben und Ihnen Rezensionsexemplare anbieten, oder wenden Sie sich selbst an sie? Oder rezensieren Sie gar nur die Bücher, die Sie sich selbst kaufen?

Sowohl aus auch. Als ich im Oktober 2014 angefangen habe zu bloggen, habe ich ein Buchexemplar bei einem Verlag angefordert, gelesen und rezensiert. Meine Rezension hat dem Verlag anscheinend gut gefallen, denn seither bekomme ich in unregelmäßigen Abständen neue Bücher unaufgefordert zugesandt, lese und rezensiere diese. Ich werde aber auch, gerade von kleinen Verlagen oder Indie-Autoren, angefragt, ob ich mir vorstellen kann, deren Buch zu lesen. Da sage ich grundsätzlich nicht nein, jedoch muss mir die Geschichte (Klappentext, kurze Inhaltsangabe) auch zusagen, bevor ich mich auch final bereit erkläre es zu lesen.

– Welches Buch oder welche Bücher sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben, seitdem Sie Ihren Blog gestartet haben? Was gefiel Ihnen an ihnen ganz besonders gut?

»BLACKOUT - Morgen ist es zu spät« von Marc Elsberg war ein Buch, welches mich sehr bewegt hat. Der Gedanke, dass der ganze Strom in Europa ausfällt und wir zurück in ein Zeitalter ohne Strom fallen (wenn auch nur für begrenzte Zeit), fand ich einfach erschreckend. Bei diesem Buch wurde mir erstmals bewusst, für was wir alles Strom benötigen und wie eng wir alle miteinander zusammen hängen. Was für ein Chaos passiert, wenn der Strom wirklich einmal für längere Zeit ausfallen würde und wie sich Menschen in Situationen verhalten, wenn es ums nackte Überleben geht.

– Gab es Bücher, die Ihnen überhaupt nicht gefallen haben oder bei denen Sie das Lesen gar abgebrochen haben? Welche waren das, und was missfiel Ihnen an ihnen?

Natürlich gibt es auch Bücher, die mir nicht gefallen und bei denen ich mich schwer tue, sie bis zum Ende zu lesen. Hier sind mir in letzter Zeit zwei Bücher in Erinnerung geblieben. Zum einen »Achtung, ich komme! - In 80 Orgasmen um die Welt« von Henriette Hell und »Strandgut« von Benjamin Cors.

Bei dem ersten kam mir die »Lebensgeschichte« von Henriette Hell einfach billig vor. Es ging darum, dass sie herausfinden wollte, wie Männer reagieren, wenn sie nach dem Sex herausfinden, dass Henriette nicht gekommen ist. Schnell musste ich aber feststellen, dass es nicht um die Erkenntnisse über die Männer sondern (aus meiner Sicht) um die Erfüllung möglichst vieler Sexpraktiken bei Frau Hell. Hier hatte ich anderes erwartet und wurde enttäuscht.

Beim zweiten Buch handelt es sich um einen Kriminalroman, welcher in Frankreich spielt. Die Geschichte konnte man zwar gut lesen, jedoch konnte ich während des ganzen Buches keine »Beziehung« zum Protagonisten, dem Ermittler Nicolas Guerlain aufbauen und kam deshalb auch emotional nie in die Geschichte hinein.

– Werden auf Ihrem Blog nur Bücher rezensiert, oder können Ihre Besucher auch andere Dinge bei Ihnen lesen?

Neben den klassischen Büchervorstellungen mittels Rezensionen interviewe ich auch gerne verschiedene Autoren um sie bekannter zu machen. Ich finde, es gibt viele unbekannte Indie-Autoren, die ganz tolle Bücher schreiben und die einfach zu wenig Beachtung finden.

Auch nehme ich immer mal wieder an Aktionen teil, um besondere Highlights aus meinem Bücherregal anderen zu empfehlen.

– Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern? Wenn ja, könnten Sie unseren Lesern vielleicht zwei oder drei von ihnen besonders ans Herz legen? Was schätzen Sie an ihnen?

Gerne gebe ich meine liebsten Blogs weiter an andere interessierte Leser. Da wäre zum einen Misty Moonrider mit ihrem Blog »Friedhof der vergessenen Bücher« (http://friedhofdervergessenenbuecher.blogspot.de/). Ich finde ihren Blog wirklich gelungen und auch die Mischung aus Buchrezensionen, Aktionen und News gefällt mir gut.

Ein anderer Blog, der mir gut gefällt ist: »Nine im Wahn« (http://nine-im-wahn.blogspot.de/). Janine schreibt nicht nur Bücherrezensionen, sondern auch über Filme, Serien und Rezepte. Das macht sie gut und ich finde die Mischung gelungen.

Ein dritter Blog, der mir ebenfalls sehr gut gefällt ist »Lina’s Büchertraumwelt« (http://linas-buechertraumwelt.blogspot.de/). Sie veranstaltet Autorenmonate, bei denen jeden Monat ein anderer Autor/eine andere Autorin in deren Werke vorgestellt werden. Toll, neue unbekannte Bücher kennen zu lernen.
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